Der Ehrenpräsident des evangelikalen Micha-Netzwerks, René Padilla (Buenos Aires/Argentinien), bezeichnete auf dem derzeit in Schwäbisch Gmünd stattfindenden Armutskongress, “Teilen ist Leben“, die schlichte Predigt von der Liebe Gottes, ohne diese praktisch zu zeigen als “Irrlehre“.

Veranstalter der vom 3. bis 5. September dauernden Tagung sind das dortige Christliche Gästezentrum „Schönblick“, das Kinderhilfswerk Compassion (Marburg), die Micha-Initiative der Deutschen Evangelischen Allianz (Bad Blankenburg/Thüringen), die Gemeindebewegung Willow Creek (Gießen) sowie rund 30 weitere Kooperationspartner.

Auch der  Missionswissenschaftler Prof. Johannes Reimer (Bergneustadt bei Köln) wandte sich gegen eine, sich ihm so darstellende “Verkürzung des missionarischen Auftrags auf das Predigen des Evangeliums“. Es sei vielmehr Auftrag der christlichen Gemeinden, sich für eine ökonomische, soziale und religiöse Erneuerung der Gesellschaft einzusetzen.

Prof. J. Reimer erklärte lt. Idea (hier) vor ca. 400 Teilnehmer , der Auftrag, den Jesus Christus seinen Nachfolgern gegeben habe, sei umfassender, als es viele Christen wahrhaben wollten. Maßgeblich seien prophetische Aussagen des Alten Testamentes über das „Gnadenjahr“, in dem alle 50 Jahre eine gesellschaftliche „Rundum-Erneuerung“ in Israel geschehen sollte. „Israel sollte zeigen, dass Gottes Vorstellungen von einer gerechten Welt praktikabel sind“, so Reimer. Allerdings gebe es keine Berichte, dass das „Gnadenjahr“ tatsächlich durchgeführt wurde. Dennoch habe Jesus Christus sein Wirken als Herstellung des „Gnadenjahres“ verstanden und seine Jünger beauftragt, sich ebenfalls dafür zu engagieren. „Christen sollen so missionieren, wie Jesus es tat“, erklärte Reimer. Gemeinden, die politisch und diakonisch tätig sind, könnten eine Bestätigung dafür sein, dass die Ausrichtung an Gottes Wort zu besseren gesellschaftlichen Verhältnissen führe.

Der Begriff “Mission” (lat. missio = Sendung) betont nach meinem Verständnis zunächst einmal grundsätzlich die Sendung als solche, der Begriff “Evangelisation” (griech. eu-angelion = gute Nachricht) den Inhalt, die Botschaft. Calvin verbandt damit konkret die Sammlung der Erwählten unter der Herrschaft Christi. Und das allgenügsame Mittel Gottes dazu, ist die Verkündigung des Wortes Gottes.

Ich bestreite demnach die biblische Begründbarkeit  der Behauptung Prof. J Reimers, Christus bzw. die Apostel hätten in der von ihm dargestellten Weise “missioniert“.

Zum Missionsauftrag gehört neben der Verkündigung des Evangeliums sehr wohl auch das Taufen (Matth28,19;Mk16,15,16), aber nach biblischen Kriterien  kein soziales Engagement. Ein solches gehört – ohne Zweifel als natürliche Folge – zu einem erweckten Lebens, aber nicht zur Mission, dem Auftrag den Menschen zuzurufen:

Laßt Euch versöhnen mit Gott (2Kor 5,20)

Zwar wird mit einer praktischen Handlungsweise – Evangeliumsverkündigung gekoppelt mit sozialem Engagement (kerygma/diakonia) das Evangelium nicht verändert, dies geschieht jedoch sehr wohl dann, wenn eine solche Meinung – wie hier – explizit als Dogma/Lehrsatz vertreten wird bzw. Predigt ohne die umfassende, sprich als “nicht umfassend genug”, oder sogar als “Irrlehre” etc. bezeichnet wird.

Es stellen sich in diesem Zusammenhang mehr Fragen. Was ist Glaube, wie entsteht Glaube, welches Mittel benutzt Gott um Glauben zu wirken? Ist es das menschliche Wirken, Freundschaften, soziales Engagement? Entspricht das dem Auftrag Christi?

Man mag mich gerne korrigieren, aber ich entnehme dem Wort Gottes anderes. Die allgenügsame Kraft des verkündigten Wortes reicht aus. (1Kor1,18ff; Röm10,17 etc.).

Als ich aber nach Troas kam, zu predigen das Evangelium Christi, und mir eine Tür aufgetan war in dem Herrn, 13 da hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und fuhr nach Mazedonien. 14 Gott aber sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus und offenbart den Wohlgeruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten! 15 Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden: 16 diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Wer aber ist dazu tüchtig? 17 Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott reden muss, so reden wir vor Gott in Christus. 2Kor2:12

Diakonie und Koinonia (Dienst und Gemeinschaft) waren und sind biblisch betrachtet, Zeichen der Liebe innerhalb der Gemeinde (Joh 13,35;Apg2,41-47 etc.), aber keinesfalls Mittel der Mission.

Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Joh13:35

Die explizite Verpflichtung der Liebe untereinander und Verantwortung füreinander, existiert schriftgemäß für Kinder Gottes untereinander. Natürlich sollen  Kinder Gottes, so an jedem Menschen handeln, wie es der Vater im Himmel tut (Matth5:43-48), aber nicht als Aspekt der Mission.

Der Mensch kann durch noch soviel praktischer Liebe nichts zum Wort Gottes dazu tun. Es ist allein Gott der den Menschen erwählt, zu sich zieht, Sündenerkenntnis schenkt, zur Umkehr leitet, Glauben wirkt und rettet.

sdg

apologet

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