Erlösung – Mensch und/oder Gott

Das Thema der Erlösung des Menschen (Soteriologie) ist das zentrale Thema des Evangeliums. Durch die Geschichte hindurch kam es jedoch immer wieder zu Diskussionen und Verirrungen (bspw. durch Pelagius, Erasmus, Arminius) über die Art und Weise der Beteiligung des Menschen (Monergismus/Synergismus). Daher besitzt die Verteidigung der rechten Lehre eine immense Wichtigkeit. Auch heute sind es wieder dieselben Irrtümer, welche innerhalb des Evangelikalismus die Wahrheit des Evangeliums und den alleinigen Ruhm Gottes verdunkeln.

Auf der Dordrechter Synode (1618/19) wurden die, gerade erst in der Reformation  wieder entdeckten, biblischen Wahrheiten, hinsichtlich der souveränen Gnade Gottes (sola gratia), gegen den Arminianismus verteidigt.

Aus diesem Grund ist ein Blick auf die Dordrechter Lehrsätze, oft auch „fünf Punkte des Calvinismus“ genannt, auch für die heutige Entwicklung hilfreich. Diese sind eine Antwort auf die nachstehend genannten Irrtümer des Arminianismus, den „fünf Artikeln der Remonstranz“  und damit letztlich auch ein roter Faden durch das biblische Evangelium der souveränen Gnade Gottes.

„Es wird in der Remonstranz in fünf Artikeln erklärt:

1. daß sie glaubten, Gott habe durch ein ewiges, unveränderliches, vorweltliches Dekret beschlossen, die durch die Gnade des hl. Geistes (d. h. nach Art. 4. durch die gratia resistibilis) in Jesus Christus glauben und in dem Glauben beharren würden, selig zu machen, die Nichtglaubenden aber zu verdammen, als von Christus Fremde. (Anmerkung durch apologet: bedingte Erwählung)

2. Sie blieben dabei, daß Jesus Christus für Alle und Jeden gestorben sei, wiewohl nur die Glaubenden den Genuß davon bekämen. (universale Genugtuung)

3. Sie gestanden, daß der Mensch den seligmachenden Glauben nicht kraft seines freien Willens hätte, sondern dazu der Gnade Gottes in Christus bedürfe. Sie nahmen selbst, Art. (freier Wille, lediglich partielle Erbsünde)

4. an, daß der Mensch ohne diese zuvorkommende, nachfolgende und mitwirkende Gnade nichts Gutes denken oder wollen könne, nur sei selbige Gnade nicht unwiderstehlich. (ablehnbare Gnade)

5. Endlich leiteten sie die Beharrung in der Gnade von Christi Geist ab, unter der Bedingung freilich, daß die Glaubenden zum Streite bereit seien und seiner Hilfe begehrten; weshalb sie es denn auch unentschieden ließen, ob die Gnade verlierbar sei oder nicht. (Möglichkeit des Abfalls vom Glauben)“ Zitat aus „Blätter der Erinnerung an die Dordrechter Synode“ von Eduard Böhl, gefunden auf Licht und Recht

Die Dordrechter Lehrsätze, im Englischen mit TULIP abgekürzt, beantworteten diese Artikel mit folgenden Punkten:

1. Völlige Verderbtheit  – Total Depravity. Der Arminianismus sieht, wie oben angeführt, im Menschen etwas eigenständig Gutes und die Fähigkeit, das Evangelium annehmen zu können. Es bedarf zwar noch der „passiven Gnade“ des Heiligen Geistes, der Mensch selbst jedoch wird eigenständig aktiv und ergreift diese Gnade aus sich heraus. Die Dordrechter Lehrsätze sprechen dem Menschen jedweden Heilswillen Fähigkeit und Beteiligung an der Erlösung ab. Der Mensch ist vielmehr völlig verdorben. Diese Erkenntnis wurde bereits von Augustinus betont und von Luther und Calvin in der Reformationszeit wiederentdeckt.

2. Bedingunslose Erwählung – Unconditional Election. Diese Lehre steht im Gegensatz zur arminianischen Lehre der bedingten Erwählung, die auf vorhergesehenem Glauben beruht, also den Glauben des Menschen bedingt. Die bedingungslose Erwählung ist nur von Gott abhängig.

3. Begrenzte Versöhnung – Limited Atonement. Diese Lehre steht im Gegensatz zur arminianischen Lehre des universalen Heilswillen Gottes (für alle Menschen) und betont die souveräne Erwählung durch Gott.

4. Unwiderstehliche Gnade – Irresistible grace. Diese Lehre steht im Gegensatz zur arminianischen Lehre vom freien Willen, so dass der Mensch sich für den Glauben an Gott nicht entscheiden kann und muss.

5. Die Bewahrung der Heiligen – Perseverence of the saints. Diese Lehre steht im Gegensatz zur arminianischen Lehre der Möglichkeit eines Abfalls.

In weiteren Artikeln möchte ich auf die jeweiligen Dordrechter Lehrsätze im Einzelnen eingehen und diese dem evangelikalen Verständnis gegenüberstellen.

sdg
apologet

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Erlösung – Mensch und/oder Gott

4 thoughts on “Erlösung – Mensch und/oder Gott

  • 13. September 2010 um 10:13
    Permalink

    4. Unwiderstehliche Gnade
    so dass der Mensch sich für den Glauben an Gott
    n i c h t
    entscheiden kann.

    Antwort
  • 13. September 2010 um 10:27
    Permalink

    Hallo Oliver,
    danke für die Korrektur, es muß natürlich “nicht” heißen!
    sdg
    Andreas

    Antwort
  • 13. September 2010 um 10:38
    Permalink

    Zu lesen wie folgt im dritten und vierten Lehrstück, in der Dordrechter Lehrsätze

    Artikel 10:

    »Daß aber andere, die durch den Dienst des Evangeliums berufen sind, kommen und sich bekehren, das ist nicht dem Menschen zuzuschreiben, als wenn er sich durch seinen freien Willen von andern, die mit gleicher oder wenigstens hinreichender Gnade zum Glauben und zur Bekehrung begabt sind, trenne (was die übermütige Ketzerei des Pelagius annahm), sondern Gott, der, wie er die Seinigen von Ewigkeit in Christo erlesen hat, so auch dieselben zur Zeit wirksam beruft, mit Glauben und Bußfertigkeit beschenkt, sie aus der Gewalt der Finsternis reißt und in seines Sohnes Reich führt, damit sie die Vollkommenheiten dessen, der sie aus der Finsternis zu diesem wunderbaren Lichte berufen hat, preisen und sich nicht in sich, sondern im Herrn rühmen sollen. Dies bezeugen die apostolischen Schriften an mehreren Stellen.«

    Artikel 11:

    »Übrigens, wenn Gott diesen seinen Beschluß an den Erwählten ausführt oder bei ihnen eine wahre Bekehrung bewirkt, so läßt er ihnen nicht nur das Evangelium äußerlich predigen und erleuchtet ihren Geist mächtig durch den Heiligen Geist, daß sie richtig einsehen und beurteilen, was vom Geiste Gottes ist, sondern er dringt auch durch die Kraft dieses wiedergebärenden Heiligen Geistes ins Innerste des Menschen, öffnet das verschlossene Herz, erweicht das Verhärtete, beschneidet das Unbeschnittene, flößt dem Willen neue Eigenschaften ein, macht ihn aus einem toten zum lebendigen, aus einem bösen zum guten, aus einem nicht wollenden zum wollenden, aus einem widerspenstigen zum folgsamen und leitet und stärkt ihn, daß er wie ein guter Baum die Früchte guter Werke hervorbringen kann.«

    http://www.calvinianum.de/Artikel/5_Punkte/4_Gnade.html

    Antwort
  • 20. September 2010 um 16:51
    Permalink

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    Antwort

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