DER OBRIGKEIT WIDERSTEHEN?

von Holger Lahayne, 19.05.2014

Wie soll der Christ zum Staat stehen? Darf er sich ihm widersetzen? Muss man der Obrigkeit immer gehorsam sein? Wann ist Widerstand geboten? Und welche politischen Mittel sind uns gegeben – Protest, Reform, Revolution?

Gottes Dienerin

Um diese wichtigen Fragen zu beantworten, ist zuerst das Wesen und die Aufgabe der Obrigkeit zu klären. Nach biblischem Verständnis sind hier drei Punkte zu nennen:

1. Die Obrigkeit unter Gott. Gott ist der Bundesgott Israels, gab dem auserwählten Volk das Gesetz und ist sein König (Jes 33, 22). Aber Er ist auch Herr über alle. Gott ist nicht nur der König Israels, sondern der aller Völker und aller Menschen (Ex 15, 18), damit auch der Richter über alle (Ps 9, 20). Dieses Prinzip wird im Neuen Testamen­t wiederholt. Christus ist der König der Könige und der Herr der Herren (Kol 1, 16; Off 19, 16), ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben (Mt 28, 18).

Deshalb ist jede Herrschaft von Menschen über Menschen unter Gott und von ihm abgeleitet. Alle Herren und Herrscher, Könige und Präsidenten, so mächtig sie sich auch fühlen mögen, haben noch einen Herren und König über sich. So sagt es ja auch Paulus in dem wichtigen Abschnitt in Römer 13: „Alle staatliche Gewalt kommt von Gott, und jede Regierung ist von Gott eingesetzt“ (V. 1, NGÜ). Obrigkeit kommt von Gott, untersteht und dient Ihm. Daher nennt der Apostel sie in Vers 4 auch „Gottes Dienerin“. Der Staat ist daher nicht selbst Gott, die Herrschenden sind nicht Götter, Gottessöhne, alleinige Ebenbilder Gottes, göttliche Inkarnationen, vergöttlichte Menschen usw. Die Obrigkeit und die Mächtigen sind nicht mehr als Gottes „Diakone“ wie es wörtlich heißt.

Dies bedeutet aber auch, dass die Obrigkeit als von Gott eingesetzt, von Ihm gewollt und mit Autorität ausgestattet ist und von den Untergebenen, den Bürgern, als solch eine geachtet werden soll. Denn der Staat ist ja nicht die Dienerin irgendeines Herren, sondern Gottes selbst. Herrschaft ist zwar unter Gott, aber auch über den Menschen. Daher wird im Neuen Testament grundsätzlich der Gehorsam der Christen gegenüber der Obrigkeit als göttlicher Ordnung verlangt wie in Röm 13,1, Tit 3,1 oder auch 1 Pt 2,13.

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