Wie wirkt der Geist Gottes?

spirit_insideAuch wenn man die pfingstlich-charismatischen Sonderlehren und -praktiken beiseite lässt, existieren innerhalb der evangelikalen Welt, in weiten Teilen sehr unterschiedliche Ansichten über das Wirken des Heiligen Geistes. Zumeist jedoch wird darunter eine subjektiv-erfahrbare, im Wesen des Gläubigen vorhandene Präsenz des Heiligen Geistes verstanden. Dies war weder immer so, noch gehört dieses Gedankengut zur ursprünglich reformatorischen Lehre.
Wie aber sind verschiedene Textstellen zu verstehen, die u.a. davon sprechen, das der Geist Gottes “Wohnung” in dem Gläubigen nimmt? Kernaussage reformatorischer Lehre dazu ist die untrennbare Verbindung zwischen Geist und Wort Gottes. Luther formulierte es auf seine anschauliche Weise so: Weiterlesen

„Jesus ja – Kirche nein“

Die geistliche Realität und Existenz einer universalen Kirche, wird selbst von, der Kirche fernstehenden Christen (gleich welcher Konfession oder Denomination), grundsätzlich positiv wahrgenommen. Man versteht sich als Glied am Leib Christi. Anders sieht dies jedoch mit lokalen Ortsgemeinden, Leitungsstrukturen oder Ämtern aus. Immer öfter begegnet man Christen, welche die Institution “Kirche” nicht nur in berechtigten Fehlentwicklungen kritisieren, sondern fundamental ablehnen. Gruppen wie die Hauskirchenbewegung, die ooCC (out of church christians) zeugen von dieser Entwicklung. (->hier )

“Eine wachsende Zahl von Menschen verlassen die institutionalisierte Kirche aus einem neuen Grund: sie verlassen die Kirche nicht, weil sie ihren Glauben verloren haben. Sie gehen vielmehr, um ihren Glauben zu bewahren.”
Reggie McNeal

Als immer wiederkehrendes Argument wird dabei vorgebracht, daß zwischen “Gemeinde” – der sogenannten “organischen Gemeinschaft” der Gläubigen – und “Kirche” – der “Institution” (welche Häuser baut, Pfarrer/Priester/Pastoren ordiniert, Liturgien festlegt, Dogmen und verbindliche Lehren formuliert) unterschieden werden muß, das mit der Institutionalisierung die frühkirchliche und von Gott gewollte organische Struktur verlassen worden sei.  Eine in der Dogmatik durchaus bekannte Unterscheidung, zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Kirche/Gemeinde (ecclesia visibilis et invisibilis). Kann man sich jedoch wirklich auf diese Unterscheidung berufen?

Unus Christianus, nullus Christianus” (ein Christ ist kein Christ). Tertullian (Quintus Septimius Florens Tertullianus, * um 150; † um 230)

Mit diesem kurzen wie prägnanten Satz, faßt zu Beginn des dritten Jahrhunderts der afrikanische Kirchenschriftsteller sein Kirchenverständnis zusammen. In der Hauptsache kann man zwischen

  • dem römisch-katholischen
  • dem orthodoxen
  • dem protestantischen

Kirchenverständnis unterscheiden. Hier und heute interessiert nur der Protestantismus (lutherisch, reformiert, täuferisch und spiritualistisch). Die Reformation hat im Gegensatz zu dem, was oft gemeint, oder gelehrt wird, keine neue, oder andere Kirche gegründet hat, vielmehr hat die rkK – soweit diese in ihren Irrlehren verharrt – dem Wesen nach aufgehört hat, selbst Kirche zu sein. Luther bezeichnete beispielsweise die Frage der “Rechtfertigung aus Glauben” als den articulus stantis et cadentis ecclesia, dem entscheidenden Punkt, mit dem die Kirche steht oder fällt. Er ging deshalb soweit, der katholischen Kirche an diesem Punkt den Anspruch, als wahre christliche Kirche zu gelten, abzusprechen. Ich gehe mit Luther völlig konform, das es bei bestimmten Themen, wie eben der Ekklesiologie und Soteriologie um zentrale Aspekte des Glaubens geht.

Nun existieren diesbezüglich im Protestantismus  durchaus auch verschiedene Ausprägungen, welche sich schwerpunktmäßig an unterschiedlichen Erkenntnissen bezüglich des

  • Amtsverständnis
  • Sakramentsverständnis

festmachen lassen. Keine wirklich reformatorisch-protestantische Bewegung unterscheidet jedoch kategorisch zwischen der unsichtbaren und weltweite Gemeinde/Kirche, welche als Leib, Tempel oder Braut Christi bereits jetzt verwandelt, heilig und tadellos vor Gott als “Mysterium” existiert und der substantiell verwirklichten, sichtbaren und lokalen Gemeinde.  Tatsächlich konstituiert sich Kirche nach reformatorisch-protestantischem Verständnis nicht bereits dort, wo sich Christen versammeln, sondern insbesondere

  1. das Wort Gottes in rechter Weise gepredigt wird
  2. die Sakramente (Abendmahl, Taufe) vermittelt werden.

“Wo auch immer wir das Wort Gottes unverfälscht gepredigt und gehört, die Sakramente gemäß der Einsetzung Christi ausgerichtet sehen, dürfen wir nicht zweifeln, dass dort eine Kirche Gottes existiert.” Johannes Calvin, Institutio, Buch IV.1.9.

Die Unterscheidung einer sichtbaren und unsichtbaren Kirche durch Calvin meint keinesfalls,  daß man die sichtbare Kirche verlassen kann, solange man nur zur unsichtbaren Kirche gehöre. Freie Hauskreise, Singelchristentum sind keine biblische Alternative! Dort, wo von Gott eingesetzte “Ordnungen” – nichts anderes sind “Institutionen” – abgelehnt werden bzw. nicht vorhanden sind, konstituiert sich keine Kirche. Denn so wie Gott ein Gott der Ordnung ist, wirkt sich dies auch in seiner Gemeinde aus. In den entstehenden ersten Gemeinden wird nachweisbar an jedem Ort Aufsicht, Verwaltung und Ordnung installiert. Hier entstehen erste Liturgien im Gottesdienst, werden Dienste, Ämter offenbar, entsteht Struktur und Orientierung. Offensichtlich steht dies jedoch dem individualistischem Zeitgeist entgegen. Die Gemeinde/Kirche Gottes hat ihren Ursprung biblisch betrachtet in der Ewigkeit bei Gott als Brautgemeinde Seines Sohnes. Diese hat Gott bereits vor aller Schöpfung erwählt und vorherbestimmt.

In der alttestamentlichen Kehal Israel (in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT aus dem Christus und die Apostel zitieren durchgängig mit Ekklesia übersetzt), nimmt diese Brautgemeinde im Gottesvolk des alten Bundes, Israel bereits ihre grundlegende Gestalt an.Und erfährt im neuen Bund ihre abschließend irdische Gestalt (bevor sie in endgültig ihre himmlische Verherrlichung in das Bild Christi erfährt) in der ekklesia tou theou, in welcher die Trennung zwischen den Heiden und Juden in Christus niedergerissen wurde.

Es ist doch offensichtlich umgekehrt der Fall, das in der vermeintlichen Rückkehr zu den Anfängen, zeitgeistiges, individualisiertes und separatistisches Privatchristentum unter dem Deckmantel einer imaginären frühgemeindlichen Hauskirchenkultur verkauft werden soll. Hier wird Christus und Seine Kirche – im allgemeinen ohne exegetisch haltbare Argumentation – tatsächlich instrumentalisiert. Ohne Zweifel haben historische Entwicklungen die Entstehung von bestimmten Freikirchen nicht nur gefördert, sondern zum Teil auch gerechtfertigt. Sicher aber nicht die weitere Zersplitterung und Spaltung die wir heute vorfinden, und bei der jeder meint eine persönliche, innere Berufung und Führung könne dazu führen eine eigene, neue Gemeinde zu gründen.

Natürlich beruft man sich dabei auf das Neue Testament, ignoriert jedoch vollständig was dieses lehrt. Paulus setzte der Apostelgeschichte folgend überall wo er Gemeinden/Kirche gründete, Älteste und Diakone ein, belehrt die Epheser über die Dienstgaben und Ämter, spricht davon den Gemeindeleitern zu folgen, die Gemeinden nicht zu verlassen etc. pp.  Die Pastoralbriefe bezeugen verantwortliche Ältestenschaft/Leitung/Ordnung/Struktur einer neutestamentlichen Gemeinde, sprich einer institutionalisierten Gemeinde. Auch die Offenbarung macht deutlich, das Gemeinden sich nicht selbst führen, lehren und leiten, sondern vor Gott verantwortliche Leiter.

Gott selbst baut Seine Gemeinde, das steht außer Zweifel… Auch dann, wenn Menschen irrig glauben, Ihm dies aus der Hand nehmen zu können. Dort allerdings, sagt das Wort Gottes, baut der Mensch umsonst!

Wer also Gott zum Vater hat, der muß auch die Kirch zur Mutter haben, und zwar (galt das) nicht allein unter dem Gesetz, sondern (es gilt) auch unter dem Kommen Christi; so bezeugt es Paulus, der uns lehrt, das wir Kinder des neuen, himmlischen Jerusalem sind (Gal. 4,26). Institutio IV,1,1

Um übrigens in dieser Weise die Einheit der Kirche hochzuhalten, ist es, wie ich bereits sagte, durchaus nicht vonnöten, das wir die Kirche selber mit Augen sehen oder mit unseren Händen betasten. Nein, die Kirche besteht ja vielmehr im Glauben, un dadurch werden wir daran gemahnt, daß wir sie, wenn sie unserem Begreifen entzogen ist, doch um nichts weniger mit unseren Gedanken erfassen müssen, als wenn sie offen in die Erscheinung träte. Institutio IV,1,3

Denn es gibt für uns keinen anderen Weg ins Leben hinein, als daß sie uns in ihrem Schoße empfängt, uns gebiert, an ihrer Brust nährt und schließlich unter ihrer Hut und Leitung in Schutz nimmt, bis wir das sterbliche Fleisch von uns gelegt haben und den Engeln gleich sein werden (Mathh. 22,30). Institutio IV1,4

Bibleonly: Reformatorisches_Kirchenverstaendnis
LebensQuellen: Merkmale einer biblischen Kirche
TheologiaReformata: Kirche

Artikelreihe – Calvins missionarisches Denken und Praxis

calvin artikelserieCalvins missionarisches Denken und Praxis
von Mark Pogson aus “The Banner of Truth”
(übersetzt von Markus Walter, Limbach-Oberfrohna)

Es wurde viel zu häufig gesagt, dass Johannes Calvin kein Interesse an Mission gehabt hätte. Solche Stellungnahmen entstehen meist aus Unkenntnis, unabsichtlich: eine bekannte Geschichte wird wiederholt. In manchen Fällen jedoch entsteht so eine Meinung, weil der Maßstab des Urteils nicht ganz fair ist, denn es basiert auf moderner missionarischer Aktivität und Organisation. Weiterlesen

"Ganzheitliche Mission"

mission-2Auf dem Blog: Christozentrisch bin ich gerade in eine interessante Diskussion (hier) eingestiegen, in welcher es um die Definition dessen geht, was Missionist“ bzw. „ausmacht“. Ausgangspunkt war der kritische Fernseh-Beitrag des ZDF (Frontal 21 vom 4. August 2009). Inhalt des Diskurses ist die Frage, inwieweit, oder ob überhaupt Diakonie Bestandteil von Mission ist. Man bezeichnet diesen Standpunkt, bei dem Mission in Kerygma (Verkündigung) einerseits und Diakonie (Liebesdienst) andererseits subsummiert wird, als “ganzheitliche Mission“. Weiterlesen