Freier Wille – versklavter Mensch

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Ich möchte heute über ein Thema nachdenken, das unter Christen recht kontrovers diskutiert ist. Dennoch mag es sein, das allein schon die aufgeworfene Frage überraschend sein mag, weil man persönlich noch nie mit einer anderen Sichtweise konfrontiert wurde. Ich möchte heute darüber nachdenken, ob der Mensch einen „freien Willen“ hat, oder nicht. Zu dieser Thematik existieren sehr gegensätzliche theologische Positionen.

Was heißt das überhaupt, „freier Wille“ und welche Konsequenzen entstehen aus einer positiven oder negativen Antwort?

Die Aussage, der Mensch habe einen „freien Willen“ bedeutet in geistlicher Hinsicht vor allem dies, das sich dieser willentlich für oder gegen Gott entscheiden kann und auch muß, das der Mensch das Gute tun und das Böse lassen kann. „Freier Wille“ meint nicht, ob ich mich entscheide liegen zu bleiben oder aufzustehen, was ich esse oder anziehe… Das Thema könnte man auch noch aus dem Blickwinkel der aktuellen Hirnforschung oder der Philosophie betrachten, aber letztlich entscheidend ist und bleibt, was Gottes Wort dazu sagt.

Mit der Frage nach einem „freien“, oder „unfreien Willen“ als Gegenthese, werden eine ganze Reihe weiterer Fragen aufgeworfen, die wir heute jedoch nur streifen können, weil allein das heutige Thema viel zu umfangreich für einen Abend ist. Beispielsweise das Thema der Theodizee, der Prädestination, der Gerechtigkeit Gottes u.v.a.m.

Ich behaupte nun, das sich kein Mensch aus „freiem Willen“ für Gott entscheiden, ja, nicht einmal das Gute wollen. Wie komme ich dazu, was sagt die Bibel:

1. Mose 6,3 „Mein Geist wird nicht im Menschen bleiben, weil er Fleisch ist. Eine zweite Schriftstelle ist l. Mose 8, 21: „Das Dichten und Denken des menschlichen Herzens ist zum Bösen geneigt von Jugend auf“ und l. Mose 6, 5: „Alles Denken des menschlichen Herzens ist immerdar auf Böses gerichtete Eine weitere Stelle finden wir in Jeremia 10, 25: „Ich weiß, Herr, daß nicht in des Menschen Gewalt sein Weg steht, und steht in niemandes Macht, wie er wandle und seinen Gang lenke“. Joh. 15, 5: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ usw.

Von zwei grundlegenden Aspekten – neben weiteren – möchte ich dabei ausgehen:

  • Die Natur, das Wesen des Menschen
  • Die Souveränität Gottes

Die Natur, das Wesen des Menschen

Wenn wir uns nun der biblischen Beurteilung der menschlichen Natur zuwenden, begegnen uns zwei verschiedene und widerstrebende Konzepte wie es um das Wesen des Menschen steht.

Schlaglichtartig besagt das eine, der Mensch ist durch den Sündenfall erkrankt, zwar zur Sünde geneigt und ohne Gott verloren, aber noch fähig zum Guten.

Das andere Konzept erkennt den Menschen als völlig verderbt – wie Luther – es ausdrückt und unfähig zu guten Werken im Sinne Gottes. Was sagt die Bibel zur Natur des Menschen?

Sünde ist universal

Römer 3,23 Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,

Sünde ist keine Krankheit, von der manche Menschen befallen und vor der andere verschont werden. Es ist etwas, in das alle Menschen verstrickt sind und dessen jeder einzelne Mensch schuldig wird. Sünde ist kein gelegentlicher Ausbruch, sondern beschreibt den Wesenszustand aller Menschen.

1.Johannes 1,8 So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

Kein Kind, kein noch so guter Mensch oder Humanist, auch nicht Ghandi ist hier ausgenommen. Jeder Mensch auf diesem Planeten ist ein Sünder.

Hamartia ist das gebräuchlichste neutestamentliche Wort für Sünde. Hamartanein ist das gebräuchlichste Verb für sündigen. In den Briefen des Apostels Paulus kommt das Wort „Sünde“ mindestens 60 mal vor und insgesamt im NT 174 mal. Hamartanein bedeutet im profan-griechisch, das Ziel verfehlen, bzw. den Weg verfehlen. Im NT bezeichnet hamartia oft keine bestimmte Tat, sondern einen Zustand, aus dem dann Übertretung des Gesetzes die Folge ist. Paulus schreibt von einer zerstörerischem Kraft, welche die Menschen beherrscht.

Sünde hat  Macht über den Menschen

Sie hat den Menschen in ihrer Gewalt. Die Wörter, die im griechisch benutzt werden „huph hamartian“, bedeuten wörtlich: „unter der Sünde“. Diese Präposition hupo mit dem Akkusativ , wie hier, bedeutet „in Abhängigkeit von . . . unter der Kontrolle von .“ Ein Kind z. B. ist „unter seinem Vater“, ein Armee steht „unter seinem Kommandeur“, – der Mensch ist „unter der (Herrschaft) der Sünde“.

Römer 3,9-10 Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorteil? Gar keinen. Denn wir haben droben bewiesen, daß beide, Juden und Griechen, alle unter der Sünde sind, wie denn geschrieben steht: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer.

Sünde herrscht über den Menschen

Von der Sünde wird gesagt, daß sie über den Menschen herrscht „basileuein“. (Basileus = gr. König)

Römer 5,21 auf daß, gleichwie die Sünde geherrscht hat zum Tode, also auch herrsche die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesum Christum, unsern HERRN.

Die Sünde spielt sich als Herr über den Menschen auf „kyrieuein“ (Kyrios = gr. Herr, bedeutet absolutem „Besitz“, absoluter „Herrschaft“ )

Römer 6,14 Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.

Sünde nimmt den Menschen gefangen „aichmalotizein“

(Das Wort wird gebraucht für „im Krieg einen Gefangenen machen“)

Römer 7:20+23 So ich aber tue, was ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht; sondern die Sünde, die in mir wohnt. … Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.

Sünde wohnt in den Menschen „oikein, enoikein“.

Die Sünde wirkt nicht einfach von außen am Menschen, sondern ist in sein innerstes Sein eingedrungen und ganz hat von ihm Besitz ergriffen, so wie ein Feind ein Land in Besitz nimmt.

Römer 7:17,20 So tue ich nun dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnt. …

So ich aber tue, was ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht; sondern die Sünde, die in mir wohnt.

Der Mensch ist Sklave der Sünde

Das Resultat ist, daß der Mensch ein „Sklaven der Sünde“ wurde „doulos, douleuein“.

Zur Zeit des Paulus hatte ein  Herr über seinen Sklaven absolute Gewalt. Es gab keinen Lebensbereich, keinen Augenblick in dem Leben eines Sklaven, den er für sich persönlich beanspruchen konnte. Er gehörte ganz und gar seinem Herrn. Genauso ist der Mensch Sklave der Sünde.

Johannes 8,34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

Römer 6,17 Gott sei aber gedankt, daß ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam geworden von Herzen dem Vorbilde der Lehre, welchem ihr ergeben seid.

Die Souveränität Gottes

Wenn man die Bibel liest, kann man bei oberflächlicher Betrachtung schnell zu dem Eindruck gelangen, der Mensch wird von Gott zu verschiedenen Dingen, wie z.B. „Glaube“, „Buße “ oder auch „Werke“ und „Frucht“ aufgefordert. Aber ist dies wirklich so? Überlegen wir einmal von welchen natürlichen Faktoren wir bereits ganz alltäglich bestimmt werden. Wir werden von unserer Herkunft und Erziehung/Prägung beeinflußt, unseren Gefühlen, dem Wetter, dem Chef… etc. Sind wir wirklich frei, oder vielleicht doch irgendwie fremdbestimmt. Wir haben gerade gesehen, das der Mensch ein Sklave der Sünde ist. Dies ist die Konsequenz aus dem Fall des Menschen im Paradies. Adam hat an diesem Tag als Stammvater aller Menschen einen Herrschaftswechsel vollzogen und sich der Herrschaft eines anderen Gottes unterstellt:

2Kor 4,4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.

Röm 5,12 Deshalb, wie durch „einen“ Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.

1Kor 15,21 Denn da durch „einen“ Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch „einen“ Menschen die Auferstehung der Toten.

Gott allein schenkt Erkenntnis der Wahrheit

Die Bibel erklärt, das es uns nicht einmal möglich ist, die Wahrheit aus uns selbst zu erkennen, Gott muß uns diese Wahrheit offenbaren. Gerade eben haben wir gehört, das uns von dem Gott dieser Welt der Sinn für die Wahrheit, das ist das Evangelium verblendet ist bzw. war.

1Tim4, 3 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.

2Tim3, 7 die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. 8 Wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit: Es sind Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben.

2Tim 2,25 und soll denen, die sich gegen ´das Evangelium‘ stellen, geduldig den rechten Weg zeigen. Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Umkehr, sodass sie die Wahrheit erkennen

Hebr 10,26 Wenn wir nämlich, nachdem Gott uns die Wahrheit hat erkennen lassen, vorsätzlich und fortgesetzt sündigen, verwerfen wir damit das Opfer Jesu – das einzige Opfer, das Sünden wegnehmen kann.

Wenn der Mensch nun unter der Herrschaft des Teufels steht, ein Sklave ist und keine wirkliche Gewalt über die Bereiche seines Lebens hat, braucht er für seine Erlösung  also Rettung von außerhalb, da er selbst weder die Erkenntnis, Fähigkeit, Kraft oder auch selbst den Willen dazu besitzt.

2Tim3, 15 und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, die die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. 16 Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,  17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.

Gott allein wirkt das Wollen und Vollbringen

Phil2, 12 Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. 13 Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Es ist uns nicht einmal möglich die Wahrheit aus uns selbst zu erkennen, Gott muß uns diese Wahrheit offenbaren.

1Tim4, 3 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.

2Tim3, 7 die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. 8 Wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit: Es sind Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben.

2Tim 2,25 und soll denen, die sich gegen ´das Evangelium‘ stellen, geduldig den rechten Weg zeigen. Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Umkehr, sodass sie die Wahrheit erkennen

Hebr 10,26 Wenn wir nämlich, nachdem Gott uns die Wahrheit hat erkennen lassen, vorsätzlich und fortgesetzt sündigen, verwerfen wir damit das Opfer Jesu – das einzige Opfer, das Sünden wegnehmen kann.

Gott allein zieht uns zu sich

Und selbst wenn wir die Wahrheit kennen und wollen und können wir nicht zu Gott kommen, es sei denn Er zieht uns.

Joh5, 39 Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habet das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeuget;  40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben möchtet.  41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen;  42 aber ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt.

Joh 6,44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Röm3, 11 Da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage.  12 Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer.

Gott allein wirkt die Buße

Nicht einmal Buße kann der Mensch von sich aus tun, auch diese wird allein von Gott gewirkt.

2Kor7, 9 jetzt freue ich mich2, nicht dass ihr betrübt worden, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid nach Gottes Sinn betrübt worden, damit ihr in keiner Weise von uns Schaden erlittet.10 Denn die Betrübnis nach Gottes Sinn bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil3; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. 11 Denn siehe, ebendies, dass ihr nach Gottes Sinn betrübt worden seid, wie viel Bemühen hat es bei euch bewirkt! Sogar Verteidigung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Bestrafung! In allem habt ihr bewiesen, dass ihr in der Sache rein seid.

Gott allein schenkt den Glauben

Und auch der Glaube ist ein Gabe Gottes (1Kor13,13), gewirkt durch die Predigt des Wortes als eine Kraft Gottes (1Kor1,18) die neues Leben in uns wirkt.

Röm 10,17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

1Kor 1,21 Denn weil in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, hat es Gott wohlgefallen, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu retten.

Gott allein gebührt der Ruhm für die Erlösung

1Kor1, 28 und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist,  29 damit sich vor ihm kein Fleisch rühme. 30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung,  31 damit [es geschehe], wie geschrieben steht: Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn!

sdg
apologet

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