Solus Christus, aber auch sola Scriptura?

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Ausgangspunkt einer befremdlichen – und wie könnte es anders sein, bibelkritischen – Argumentation war in einer Diskussion zum wiederholten Mal der Johannesprolog. Ist nur Christus, oder auch die Bibel als wahrhaftiges „Wort Gottes“, autorative Rede von Gott zu bezeichnen?
In Diskussionen begegnet mir wiederholt das Argument, nicht die Bibel, nein „allein Christus“ sei das wahre Wort Gottes. Klingt dies zunächst doch oberflächlich „christozentrisch“ wird diese Sichtweise in der Konsequenz jedoch äußerst problematisch.

Joh1, 1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott.
[…]  14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Auch wenn die Bedeutung dieser Bibelstelle nicht zu unterschätzen ist, stellt dieser symbolhafte Vergleich keinesfalls eine Singularität dar.

Gleichsam wie Christus hier eindeutig als das „Wort Gottes“, analog zu den Schriften des AT oder Briefen des NT bezeichnet wird, geschieht dies jedoch ebenfalls mit Begrifflichkeiten wie

  • „Brot“ (Joh6,57ff; Lk4,4),
  • „Fels“ (Matth7,24ff; 1Kor10,4),
  • „Licht“ (Ps119,105; Joh8,12) und weiteren, welche äquivalent sowohl für die Schrift, wie auch auf Christus hin erwandt werden.

Es gilt also zu untersuchen, was andere Bibelstellen über das Wort Gottes und dem, was es ist, aussagen. Ich möchte mit mit Christus selbst beginnen.

Mk7, 11 Ihr aber lehrt: Wenn jemand zum Vater oder zur Mutter spricht: „Korban“, das heißt zum Opfer ist bestimmt, was dir von mir zugute kommen sollte!, 12 so gestattet ihr ihm auch fortan nicht mehr, irgend etwas für seinen Vater oder seine Mutter zu tun. 13 Also hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes [logos theos] auf; und viele ähnlich Dinge tut ihr.

Christus tadel hier die Pharisäer dahingehend, daß sie menschliche Überlieferungen – ihre eigene Gerechtigkeit (Röm 10,3) – über die Gebote, das Wort Gottes gestellt haben (Verse7-8). Er bezeichnet explizit Mose und die Propheten (hier die Weissagung des Jesaja) als den „logos“, das Wort Gottes.

Lk4, 4 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort [rhema theos] Gottes.

Christus bezeichnet hier den Pentateuch (5. Mose 8,3) als „rhema“, Wort Gottes.

Joh10, 35 Wenn es diejenigen Götter nennt, an die das Wort Gottes [logos theos] erging — und die Schrift [graphe] kann doch nicht aufgehoben werden –, 36 wieso sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst!, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?

Christus stellt hier eindeutig klar, das die Schrift, das Wort Gottes ist, setzt beides gleich und verdeutlicht, das diese nicht aufgehoben werden kann. Das war den angesprochenen Pharisäern theoretisch klar, aber in der Praxis handelten sie anders. Wenden wir uns nun den Briefen zu…

1Petr1, 23 denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes [logos theos], das in Ewigkeit bleibt. 24 Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen; aber das Wort des Herrn [rhema kurios] bleibt in Ewigkeit. 25 Das ist aber das Wort [rhema], welches euch als Evangelium verkündigt worden ist.

Mit dem Wort des Herr [rhema kurios] ist hier das Wort Christi gemeint, (Matth24,35) und damit das Evangelium dem AT gleichgestellt.

Jes40, 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unsres Gottes [dabar ‚elohym] bleibt in Ewigkeit. „

Röm10, 17 Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort [rhema theos].

Bei dem hier thematisieren Glauben [pistis] geht es nicht um ein bloßes „für Wahrhalten“ einer Lehre, sondern um ein von Gottes Kraft gewirktes Werk in und an dem Menschen.

1Kor2,4  und meine Rede [logos] und meine Predigt [kerugma] war nicht in überredenden Worten der Weisheit [logos anthropinos], sondern in Erweisung des Geistes [apodeixis pneuma] und der Kraft [dunamis], 5  auf daß euer Glaube [pistis] nicht beruhe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes-Kraft [dunamis theos].

Hebr4, 12 Denn das Wort Gottes [logos theos] ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.

Eph6, 17 Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes [rhema theos] ist.

1Petr2, 2 und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes [logikos], damit ihr durch sie heranwachst, […]
8  und „ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“, die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Worte [logos] stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.

http://bibelkreis-muenchen.de: Der Prolog des Johannesevangelium Teil 1

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