Irrtümer christlicher Frömmigkeit

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begowlAktuell möchte ich auf eine interessante Predigtreihe Ronald Senk’s (Biblisch-Evangelische Gemeinde Ostwestfalen-Lippe) hinweisen:
Irrtümer christlicher Frömmigkeit
Teil 1 – „ChristusähnlichkeitPDF
[podcast]http://www.begowl.de/predigten/20090719-irrtuemer1.mp3[/podcast]

Teil 2 – „Stille ZeitPDF
[podcast]http://www.begowl.de/artikel/20090816_Stille_Zeit.mp3[/podcast]

9 Kommentare

  1. Interessanter Vortrag. Ich sehe in der Sache vieles ähnlich. Wenn auch inhaltlich vieles Jahr ist, finde ich es aber für eine Gemeinde etwas zu wenig positiv, zu wenig konstruktiv. Es wird viel mit Feindbildern operiert, phasenweise klebt fast jeder zweite Satz irgendwem das Prädikat Schwärmer an. George Whitefield wurde mal gefragt, ob man Wesley wegen dessen Lehre vom Freien Willen wohl im Himmel sehen werde. Whitefield antwortete: Vermutlich nicht, denn er wird so weit vorne, so nahe bei Jesus sein, dass wir ihn sehr wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekommen. Ein bisschen mehr von dieser Haltung, die in einem irrenden Bruder nicht gleich einen Feind sieht, würde m.E. gut tun.

    Hier noch eine Passage aus einem Bibelabend zum Thema „Denken“, den ich gestern hielt:

    —————————————————-
    Was bedeutet dies nun für meinen Umgang mit dem Wort Gottes? Ich habe schon Christen gehört, die gesagt haben: „Wenn ich an einem Morgen mal keine Stille Zeit mache, dann spüre ich das den ganzen Tag lang.“ Die Vorstellung hinter dieser Erfahrung scheint zu sein, dass die Stille Zeit dazu da ist, mir für den Tag ein „Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit“ zu geben, also mich die Gegenwart Gottes spüren zu lassen. Aber ich kann uns beruhigen: Gott ist genauso bei uns, wenn wir an einem Morgen mal keine Stille Zeit machen. Er lässt uns doch nicht gleich einen Tag lang fallen deswegen. Die Stille Zeit ist doch kein Amulett, das wir uns am Morgen um den Hals hängen, um dann die Kraft Gottes mit uns zu tragen.
    Auch kenne ich die Vorstellung, dass die Stille Zeit dazu da ist, mir heute etwas mitzugeben, was ich gerade heute in einer bestimmten Situation brauche. Morgen kann ich das, was ich heute gelesen habe, wieder vergessen, denn Morgen lese ich in der Bibel ein neues Tageshoroskop, das mir dann für den morgigen Tag gilt.
    Ich denke, wenn wir wissen wollen, was der eigentliche Sinn von regelmässiger Bibellese ist, dann lesen wir am besten das güldene ABC. Weiss jemand, was das ist?
    Ps 119,34 steht beispielsweise:
    Unterweise mich, dass ich bewahre dein Gesetz und es halte von ganzem Herzen.
    Das Wort Gottes ist also etwas, was ich bewahre, mit mir herumtrage, in meinen Gedanken wälze. Es hilft mir nicht für eine Situation und kann dann wieder vergessen werden, sondern es soll mein Denken prägen. Und dann halte ich es von ganzem Herzen. Wenn wir uns erinnern, was das Herz ist, dann wissen wir: Das bedeutet, dass ich nicht nur meine Gefühle und meinen Willen, sondern auch meine Gedanken Christus unterstelle, wie Paulus schreibt (2.Ko 10,5), dass wir unsere Gedanken gefangen nehmen in den Gehorsam gegen Christus und dass wir dabei in einem Kampf der Gedanken die Gedanken zerstören, die sich gegen die Erkenntnis Gottes stellen. Wir dürfen also nicht nur denken, sondern wir sind sogar dazu aufgefordert zu denken, auf der Grundlage unseres neuen Weltbildes, in welchem Christus das Zentrum ist. Und mit unserem Denken sollen wir Gedanken, die Christus aus dem Zentrum stossen wollen, zerstören.
    In Ps 119,105 steht schliesslich der Vers:
    Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.
    Und genau dafür ist das regelmässige Bibellesen da. Wir sollen Gottes Wort immer tiefer und immer zusammenhängender kennen und verstehen lernen, so dass es in unser Denken übergeht und uns auf allen unseren Wegen ein Licht ist, das uns leitet. Was ich also heute in der Bibel lese, muss nicht gleich heute anwendbar sein. Es soll mein Denken aber prägen, weil die Bibel Wort Gottes ist und wir indem wir Bibel lesen, uns immer wieder erklären lassen, wie Gott die Welt sieht und wie wir sie auch sehen sollen. Wir sollen die Bibel also nicht orakelhaft und nicht zusammenhangslos lesen, sondern denkend, damit wir weise werden, um als freie Christen in den Herausforderungen des Lebens mit einem vom Wort Gottes geprägten Denken einen Gott wohlgefälligen und fruchtbaren Weg zu gehen.

  2. PS: Ich beziehe mich übrigens auf den Vortrag zur Stillen Zeit. Und was mir auch noch aufgefallen ist: Mich stört es, wenn man etwas damit schlecht machen will, indem man sagt: „Das ist ja fast schon katholisch“ oder „Das ist ja fast schon Karl Barth“, weil man da bewusst mit Feindbildern arbeitet, wo man davon ausgeht: Karl Barth ist ja so schlimm, wie der möchte niemand sein. Oder: Uuuh… Katholiken haben immer Unrecht!
    Ne, auch bei Karl Barth und auch bei den Katholiken findet sich Gutes und es ist nicht hilfreich, solche Feindbilder zu schüren. Aber wie gesagt: Der Sache nach weitgehend Zustimmung.

  3. Hi Beni, danke für Deine Gedanken! Gerade die Ergänzung durch die Andacht. Ich sehe aber durchaus auch die Berechtigung Deiner kritischen Anmerkung, wenngleich, ich kann mich ja selbst nicht davon freisprechen, oft dem apologetischen Aspekt Vorrang einzuräumen… 😉 Irgendwie scheine ich meinen Nick vor Jahren nicht zufällig gewählt zu haben. Lieben Gruß, Andreas

  4. Hallo Andreas

    Ich verstehe das schon, mit dem apologetischen Aspekt, nur finde ich, dass man in dieser Schärfe zwar mit Lehrern der Gemeinde reden darf, aber eher nicht mit der Gemeinde. Solche Dinge haben ja auch eine seelsorgerliche Komponente. Man zerstört da vielen einfachen Gläubigen, die in gutem Wissen und Gewissen den Willen Gottes leben möchten, Ansichten, die in Fleisch und Blut übergegangen sind. Und da braucht es m.E. nicht nur Schärfe, sondern auch etwas seelsorgerliche Wärme, nicht nur Kritik, sondern auch konstruktive Hilfestellungen.

    Lieber Gruss
    Beni

  5. Hi Beni,
    bin ich absolut Deiner Meinung. Es ist eine Sache, strittige Fragen, beispielsweise in der Ältestenschaft oder als Fachgespräch kontrovers zu diskutieren, eine völlig andere, dasselbe Thema in der Gemeinde oder im einfachen Gespräch zu erörtern. Dort braucht es im Prinzip überhaupt keine „Schärfe“ sondern einfach sachliche Klarheit.

    Lieben Gruß
    Andreas

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