Das Alte Testament und der Vordere Orient

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Kitchen.jpgAuf seinem Blog (NachfolgeBlog) weist Johannes Otto auf das Buch von Kenneth A. Kitchen, „Das Altes Testament und der Vordere Orient“ hin. Die historische Zuverlässigkeit der Bibel steht immer wieder im Fokus der Kritik liberaler Theologie. In einer Rezension, erschienen in der aktuellen Ausgabe von Glauben und Denken heute schreibt Johannes O.:

So eignet sich das Buch hervorragend als Lektüre und Nachschlagewerk für alle, die sich für alttestamentliche Geschichte und Umwelt interessieren. Es ist ein klares Zeugnis für die historische Glaubwürdigkeit der Bibel. 

 NachfolgeBlog: Zur historischen Zuverlässigkeit biblischer Geschichte

3 Kommentare

  1. Vermutlich führt der nachstehend notierte Titel noch deutlich weiter:

    Israel Finkelstein; Neil A. Silberman: Keine Trompeten vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel – 4. Aufl. / München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007.
    ISBN 978-3-423-34151-6

  2. Ich erlaube mir an dieser Stelle einen Freund zu zitieren:

    „Fakten aus der Geschichte der Archäologie Jerichos

    – Die universitäre bibelkritische Lehrmeinung ist, dass der Exodus und die Landnahme nie stattfanden. Die betreffenden AT-Texte werden in das 6.Jh. v. Chr. datiert, von manchen sogar ins 4.-2.Jh. v. Chr.

    – 1867/68 war die erste wissenschaftliche Ausgrabung bei Jericho durch Charles Warren.

    – 1907-1909; 1911 Ernst Sellin und Carl Watzinger legen einen Festungsbau frei: Massive Mauern (3,5m dick), im Abstand von 3-4m eine zweite Mauer, die 2m dick ist und wohl 8-10m hoch war. Laut Watzinger war Jericho von 1550-1200 v.Chr. aber unbesiedelt.

    – 1930 führt John Garstang (Liverpool) weitere Grabungen durch: es gibt eine doppelte Stadtmauer, einen Wohnbereich am südöstlichen Abhang, der durch Feuer zerstört wurde (= City IV). Die Stadtmauer datiert er auf spätes 15.Jh., frühes 14.Jh., den Stadtteil auf 1400 v.Chr. (aufgrund von Tongefässen). Garstang meint, in den Funden die Eroberung durch Josua zu sehen. Die Mauern müssen durch ein Erdbeben zerstört worden sein (sie fielen nach aussen und bildeten so eine Einstiegsrampe. Wenn Mauern von Feinden mit Rammböcken zerstört wurden, so fielen sie nach innen), die Stadt durch Feuer.

    – 1952: Kathleen Kenyon gräbt mit neuen Techniken und gelangt zu einer Neudatierung: Garstangs Mauer stamme nicht aus dem 15./14. Jh. v. Chr., sondern aus 2350 v.Chr.; City IV stamme nicht aus 1400 v.Chr., sondern aus 1550 v.Chr. Danach sei die Stadt völlig verlassen gewesen. Ab 1400 habe es eine kleine Siedlung ohne Befestigungsanlagen gegeben, ab 1325 eine Siedlungslücke. Die Grabungsberichte von Kenyon wurden erst nach ihrem Tod veröffentlicht.

    – Später schrieb Bryan Wood eine Doktorarbeit über kanaanäische Keramik. Er stellt fest, dass Garstang recht hatte und ein grossteil der Keramik, die Garstang fand, in die Zeit 1550 v.Chr. bis 1400 v.Chr. zu datieren sind (während laut Kenyon in dieser Zeit Jericho unbewohnt war). Wood stellte fest, dass Kenyon gar nicht aufgrund von gefundener Keramik datiert hat, sondern aufgrund der Abwesenheit von bichromer luxuriöser Zypern-Keramik, die typisch für die Zeit nach 1550 ist. Kenyon hat auf 80 Quadratmetern in einem ärmlichen Stadtteil keine solche Keramik gefunden und daraus geschlossen, dass die Stadt vor 1550 niedergebrannt sein muss. In den unveröffentlichten Keramikfunden von Garstang finden Wood zudem genau solche Zypern-Keramik. Garstang hatte Zypern-Keramik in einem pallastähnlichen Gebäude gefunden!

    – Der Geophysiker Amos Nur hat festgestellt, dass aufgrund von Erdbeben aus der Gegend von Jericho mehrmals der Jordanlauf unterbrochen wurde. Am 11.Juli 1927 war beispielsweise das Flussbett 21,5h lang trocken wegen eines Erdbebens. (Vgl. Jos 3,15-16)

    – Seit 1997 gibt es Grabungen durch Lorenzo Nigro und Nicolo Marchetti. 1998 wurde ein Stadttor gefunden (vgl Jos 2,5; 6,1)

    – Sodann wurde eine Befestigungsanlage am Fuss des Erdhügels gefunden: Eine 4,5m hohe abgeschrägte Stützmauer aus massiven Steinen. Davor war ein tiefer Graben. Auf der Stützmauer war eine Brüstungsmauer aus Lehmziegeln (2m dick und wohl 6-8m hoch; vermutlich um die ganze Stadt herum). Die Stützmauer stützte eine Böschung von verdichteter Erde, darüber war ein Kalkverputz von 10cm (eine schlüpfrige, schiefe Ebene. Wenn die Brüstungsmauer durchbrochen war, gelangte der Feind auf diese Ebene). Nach dieser Ebene war eine Stadtmauer.

    – Auf der westlichen Seite fand bereits Kenyon im Graben vor der Brüstungsmauer eine Aufschüttung von roten Lehmziegeln bis fast auf die Höhe der Mauer. Die Menge reicht aus für eine 2m breite und 3,7m hohe Mauer. Wie oben schon erwähnt, fiel diese durch ein Erdbeben nach aussen und füllte den Graben aus, so dass Angreife gleich zwei Hindernisse beseitigt hatten. Sie war wie eine Einstiegsrampe. (vgl. Jos 6,20)

    – Die City IV wurde wie erwähnt durch einen Brand zerstört (1m dicke Brandschicht über dem ganzen Ausgrabungsgebiet). Mehrere Häuser stürzten ein, bevor sie verbrannt waren.

    – In den Gebäuden wurden Vorratskrüge voller Weizen in grossen Mengen gefunden. Das ist einmalig für die Archäologie Israels. Es beweist, dass entgegen der universitären Auffassung die Zerstörer nicht Ägypter gewesen sein konnten, da Ägypten seine Feinde aushungerte und immer ausserhalb der Erntezeit Krieg führte. Der wertvolle Weizen wurde offensichtlich nicht geplündert. (vgl Jos 6,17-19)

    – Am nördlichen Ende des Statthügels stand ein Teil der Mauern noch bis auf die Höhe von 3m. Die Häuser dort waren auf der Böschung gebaut, manche Häuser direkt in die Stadtmauer, so dass eine Wand des Hauses die Stadtmauer war. Es war vermutlich ein Armenviertel der Stadt (die Wände hatten nur die Dicke eines Ziegelsteines) -> vgl Jos 2,15

    Fazit: Die Funde stimmen genau mit dem Bericht aus dem Josuabuch überein. Das einzige Problem besteht in folgendem: Kaanan selbst hat keine absolute, sondern nur eine relative Chronologie. Datiert wird v.a. aufgrund von Keramikfunden, die dann mit Keramikfunden aus Ägypten verglichen werden und so anhand der ägyptischen Chronologie datiert werden. Die ägyptische Chronologie ist allerdings auch keineswegs lückenlos. Wenn man nun die Datierungen Jerichos anhand der Mainstreamchonologie Ägyptens datiert, dann ist das grosse Argument gegen die Eroberung Israels, dass es von der Datierung her nicht möglich ist. *Für* die Landnahme spricht also der archäologische Befund. *Gegen* die Landnahme spricht die Datierung.
    Zunehmend mehr Forscher betonen allerdings die Notwendigkeit, dass die ägyptische Chronologie neu überarbeitet werden muss. Alternativvorschläge weichen bis 500 Jahre von der herkömmlichen Datierung ab. Liegt der Fehler also bei der aktuellen ägyptischen Chronologie, so spricht nichts gegen die Landnahme, wie sie in Josua beschrieben ist, und sehr viel dafür.“

  3. @Georg
    In wie fern soll „Israel Finkelstein; Neil A. Silberman: Keine Trompeten vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel“ weiter führen? Gerade diese (und andere) Autoren sind die kritischen Theologen, die kein gutes Haar an der Bibel lassen wollen. Die Ansichten in dem Buch von Finkelstein und Silberman sind eher einer Sensationsmache näher als den archäologischen Fakten. Dieses Buch kann überhaupt nicht empfohlen werden, wenn man sich einen objektiven Blick über die Zuverlässigkeit der Bibel (des AT) machen will.

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