„Dammbruch“ – Weltweite Annäherung zwischen Evangelikalen und Charismatikern

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Pastor W. Nestvogel, Rektor der Akademie für Reformatorische Theologie, schrieb 1999 in einem Aufsatz, „Die doppelte Aktualität der „Berliner Erklärung“ im Jahr 1999″ daß die „Kasseler Erklärung“ (KE) von 1996 zwischen der Deutschen Evangelischen Allianz und dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden nicht weniger als einem Dammbruch gleichkomme. Die weitere Entwicklung bis heute, scheint seine Prognose zu bestätigen. In einer Idea-Meldung vom 06. Dezember 2009 wird eine weltweite und auch in Deutschland zu beobachtende Annährung zwischen der pfingstlich-charismatischen und evangelikalen Bewegung durch den Vorsitzenden des Arbeitskreises für evangelikale Theologie und Leiter der Forschungsgemeinschaft des Albrecht-Bengel-Hauses, Pfarrer Rolf Hille (Tübingen) konstatiert.

Die KE bedeutet nicht weniger als einen Dammbruch. Mit neuem Schwung schreitet seitdem die Vereinigung von Charismatikern und Evangelikalen voran. ProChrist, Willow Creek, Promise Keepers sind nur einige Projekte, die den Schulterschluß längst besiegelt haben. Die Familienkonferenz Spring hat es sich programmatisch zur Aufgabe gemacht, Evangelikale und Charismatiker an einen Tisch zu bringen, damit die Gemeindebasis endlich begreift, wie fruchtbar sich unterschiedliche „Frömmigkeitsstile“ und Erfahrungen ergänzen können. Daß hier Wahrheitsfragen zur Debatte stehen, die um Jesu und seines Wortes Willen zu klären und zu entscheiden sind, wird oftmals nicht gesehen und als theologisches Spiegelfechten verdächtigt, das den Dienst für Jesus nur verkompliziert und behindert. Ein Dammbruch führt zum nächsten: Die Charismatische Bewegung hat erwiesenermaßen seit langem eine engere Verbindung zur Römisch- Katholischen Kirche gesucht und als ökumenische Speerspitze gewirkt. Je stärker die DEA sich charismatischen Einflüssen öffnet, umso bereitwilliger geht sie auch auf die Kooperation mit der Römisch-Katholischen Kirche zu. Das zeigt sich exemplarisch am Jesus-Marsch, der offiziell Charismatiker, Katholiken und Evangelische zusammenbringen soll.41 Ein hauptamtlicher Referent der DEA wurde zum 2.Vorsitzenden des Projektes bestimmt. Auch ProChrist lädt mittlerweile nicht nur einzelne Mitglieder der Römischen Kirche, sondern katholische Gemeinden zur gemeinsamen Evangelisation ein. Daß solche Gemeinden und deren Hirten nach ihrem Bekenntnis auf ein „anderes Evangelium“ (Gal.1) verpflichtet sind, zeigt die Debatte um die Rechtfertigungslehre. Allein, es scheint die ProChrist-Planer nicht mehr zu stören, nehmen sie doch hin, daß Neubekehrte oder am Glauben Interessierte gegebenenfalls auch in katholischen Gemeinden ihre „geistliche Heimat“ finden. W. Nestvogel, „Die doppelte Aktualität der „Berliner Erklärung“ im Jahr 1999″

Genau dies bewahrheitet sich leider. Durch die bereits angesprochene überkonfessionelle Zusammenarbeit, beispielsweise aber auch im Kleinen durch Übernahme charismatischen Liedgut’s und leider auch unkritischen Ältestenschaften, kommt es zu einer schleichenden Übernahme pfingstlich-charismatischer Lehren und Praktiken. Eigene Positionen werden schwammig und man öffnet Tür und Tor für einen geistlichen Einbruch in die eigenen Gemeinden. Das ist sehr bedauerlich und fatal. Standen damals andere „Bewegungen“ im Vordergrund, gibt es heute neue, weltweite Bewegungen die einen anderen Geist in die Gemeinden hineintragen. Es gibt unzweifelhaft viele ernsthafte Geschwister in den Reihen der pfingstlich-charismatischen Bewegung, aber das ändert nichts daran, das die Bewegung als solche, weder ihre Lehren, noch ihren Ursprung biblisch begründen kann.

Bereits 1998 schrieb Dr. W. Nestvogel in einem Aufsatz, der unter dem Titel „ProChrist ’97 – wohin führt der Weg? veröffentlich wurde, über die bibelkritischen, teilweise sogar interreligiösen Tendenzen und Einflüsse überkonfessioneller Veranstaltungen, Evangelisationen etc.

Wie können wir aber etwa mit römisch-katholischen Priestern gemeinsam evangelisieren, die durch ihre Priesterweihe auf die offiziellen Dokumente ihrer Kirche verpflichtet sind, in denen ein „anderes Evangelium“ gelehrt wird? Wie können wir nach der Evangelisation Menschen in römisch-katholische Gemeinden schicken, die einer unbiblischen Rechtfertigungslehre verpflichtet sind? Wer dies aus pragmatischen Gründen für verantwortbar hält, macht gemeinsame Sache mit einer Institution, die in ihren Bekenntnissen gravierende Irrlehren vertritt. Er nimmt sehenden Auges in Kauf, wie „neugeborene Christen“ einer falschen Ernährung ausgesetzt werden. In einem Plädoyer der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) für die „evangelistische Koalition“ heißt es sogar, dass auch „ein Hauskreis katholischer Christen ein ausgezeichneter Raum für das geistliche Wachstum sein“ könne.

Auch in der Charismatischen Bewegung und den Pfingstgemeinden werden systematisch unbiblische Lehren und Praktiken gefördert, die dazu geneigt sind, durch eine Überbetonung der Erfahrung vom biblischen Wort abzulenken, bzw. dieses durch prophetische Zusätze zu „ergänzen“. Oft kommt es in dieser Bewegung zur Vermischung von geistlichen und seelischen Wirkungen. Wo spektakuläre Phänomene, wie z.B. der sog. „Toronto-Segen“, gefördert oder geduldet werden, kann sich sogar eine Öffnung für okkulte Phänomene einstellen. Dennoch hat ProChrist diesen Gruppierungen die Türen weit geöffnet und damit seine Bereitschaft erklärt, Neubekehrte in charismatische und pfingstlerische Gemeinden weiter zu vermitteln. Schon daran wird deutlich, dass Zusammenarbeit in der Evangelisation Konsequenzen über den Tag der evangelistischen Veranstaltung hinaus hat. […]

Der Weg geht weiter. Dabei soll der ProChrist-Prozess nicht auf das Feld der Evangelisation beschränkt bleiben. Rechtzeitig vor ProChrist 2000 haben sich die Verantwortlichen auf ein „neues Leitbild“ verständigt. Danach sollen die beteiligten Gemeinden sich „neben der Glaubensverkündigung auch für Aktionen der Barmherzigkeit einsetzen und für Gerechtigkeit und Versöhnung in der Gesellschaft eintreten“. Ob man deshalb auch liberale Theologen wie den badischen Landesbischof Ulrich Fischer in das Kuratorium von ProChrist berufen hat? Fischer hatte erst wenige Monate vorher für Aufsehen gesorgt, als er vor der Presse sagte, dass nicht alle Sätze des Glaubensbekenntnisses wörtlich zu nehmen seien. An der „Auferstehung“ will der Bischof zwar festhalten, er brauche dafür aber „nicht das historische Wissen darüber, ob das Grab nun voll oder leer ist“. Außerdem hat Fischer sich für interreligiöse Gebete und gegen die Verwendung des Begriffs „bibelgläubig“ ausgesprochen. Was will nun dieser Mann bei ProChrist? Hat auch er nur „eine andere Prägung“? Ab welcher Grenze werden Lehrfragen denn wichtig? Wie viel Abweichung von der biblischen Lehre wollen die ProChrist-Verantwortlichen noch zulassen? Hätte Paulus bekennende Judaisten und praktizierende Gnostiker im Referenzkomitee seines Evangelisationswerkes geduldet?
Manche Beobachter fragen sich, ob die im Neuen Testament angekündigte pseudogeistliche Einheitsbewegung der Endzeit nun in den Anfängen auch die evangelikale Bewegung erreicht?
W. Nestvogel, Bibelbund

Diese Tendenzen haben sich mittlerweile verfestigt und werden in der Regel sogar – wie durch Rolf Hille, allgemein begrüßt. Es besteht sogar oft nicht einmal mehr die Bereitschaft sich kritisch mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Eine Auseinandersetzung könnte unter Umständen ja zu Trennung und Spaltung führen. Selbst in ehemals konservativen Gemeinden finden sich pfingstlich-charismatische Elemente, gehört der Alpha-Kurs zum Standart-Programm. Eine Unterscheidung zwischen einer evangelikalen und charismatischen Gemeinde kann, wenn dann noch am fehlenden oder vorhandenen „Zungengesang“ vorgenommen werden.

Das beobachtet der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie und Leiter der Forschungsgemeinschaft des Albrecht-Bengel-Hauses, Pfarrer Rolf Hille (Tübingen). Die Lausanner Kongresse für Weltmission zeigten, wie sehr die beiden theologisch konservativen Glaubensbewegungen aufeinander zugingen, schreibt Hille im Journal „Evangelikale Theologie“. Während „Lausanne I“ 1974 im schweizerischen Lausanne ohne erkennbare charismatische Beteiligung stattgefunden habe, sei diese Bewegung in den zweiten Kongress 1989 in Manila (Philippinen) bewusst einbezogen worden. Hille erwartet, dass bei „Lausanne III“ vom 16. bis 25. Oktober 2010 im südafrikanischen Kapstadt die weitgehende Integration von Pfingstlern und Charismatikern in die evangelikale Bewegung sichtbar werde. „Es hat mittlerweile eine wechselseitige Durchdringung stattgefunden, so dass die aktive Beteiligung der Charismatiker als geradezu selbstverständlich erscheint“, so Hille, der auch Sprecher der Weltweiten Evangelischen Allianz für ökumenische Angelegenheiten ist. Die Weltweite Allianz repräsentiert rund 420 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. Mit rund 229 Millionen Anhängern bildet die pfingstkirchlich-charismatische Bewegung die weltweit größte protestantische Denomination. Rolf Hille, Idea-Meldung

Die damals in der Berliner Erklärung von 1909 BE geäußerte Kritik besaß grundlegende Relevanz. Entweder die Berliner Erklärung hat recht und mit der Entstehung der Pfingstbewegung kam ein anderer Geist in die Gemeinden hinein, oder diese irrte. Wenn die Kritik zurecht bestand, kann volle Gemeinschaft nur wiederhergestellt werden, wenn Korrektur und Rückkehr zur Wahrheit der Schrift erfolgt ist. Ansonsten bricht ein Damm für nicht abzusehende Entwicklungen. Man kann nur mit den Unterzeichnern der BE an die Geschwister appellieren sich von den pfingstlich-charismatischen Irrtümern zu lösen und sich unter das Wort Gottes zu stellen.

Wir bitten hierdurch alle unsere Geschwister um des Herrn und seiner Sache willen, welche Satan verderben will: Haltet euch von dieser Bewegung fern! Wer aber von euch unter die Macht dieses Geistes geraten ist, der sage sich los und bitte Gott um Vergebung und Befreiung. Verzaget nicht in den Kämpfen, durch welche dann vielleicht mancher hindurchgehen wird. Satan wird seine Herrschaft nicht leichten Kaufes aufgeben. Aber seid gewiß: Der Herr trägt hindurch! Er hat schon manchen frei gemacht und will euch die wahre Geistesausrüstung geben. Unsere feste Zuversicht in dieser schweren Zeit ist diese: Gottes Volk wird aus diesen Kämpfen gesegnet hervorgehen! Das dürft auch ihr, liebe Geschwister euch sagen, die ihr erschüttert vor den Tatsachen steht, vor welche unsere Worte euch stellen. Der Herr wird den Einfältigen und Demütigen Licht geben und sie stärken und bewahren. Wir verlassen uns auf Jesum, den Erzhirten. Wenn jeder dem Herrn und seinem Worte den Platz einräumt, der ihm gebührt, so wird ER das Werk seines Geistes, das Er in Deutschland so gnadenreich angefangen hat, zu seinem herrlichen, gottgewollten Ziele durchführen. Wir verlassen uns auf Ihn, der da spricht: „Meine Kinder und das Werk meiner Hände lasset mir anbefohlen sein!“ Jesaja 45,11. Berliner Erklärung

sdg
apologet

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Rolf Hille

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