Dürfen Christen Schweinefleisch essen?

Veröffentlicht von

wildschwein2Im Regelfall scheint diese Frage lange geklärt. Bereits Petrus durfte sich durch eine Erscheinung (Apg10) erneut eindrücklich belehren lassen, das nichts was der Mensch zu sich nimmt, den Menschen verunreinigt. Christus hatte die Apostel bereits zu seinen irdischen Lebzeiten belehrt das alle Speise rein ist (Mk7). Auch das Apostelkozil in Jerusalem (Apg15) stellt die Freiheit in Christus in Abwägung zu den Befindlichkeiten der damaligen Judenchristen heraus. Jedoch scheinen nicht nur Sekten und Sondergruppen, sondern auch ganz normale Christen immer wieder irritiert zu sein. Was hat es also mit dem Verbot des Verzehr’s von Schweinefleisch und andere Tieren auf sich, was meint der Begriff „Greul“ in 3Mo11?

Ich behaupte nun erstens, daß ein Verbot Schweinefleisch zu verzehren für den Menschen an sich bzw. für die Völker und Nationen, sprich Heiden grundsätzlich nie bestanden hat, zweitens, das dieses auch für das Volk Israel, welchem dieses Verbot am Sinai – in der Tat – auferlegt wurde, mit dem Heilswerk Christi aufgehoben worden ist.

Gott hat insofern Seine Meinung niemals – wie oft behauptet – geändert. Nachstehend werde ich dies kurz und knapp, aber auch so nachvollziehbar wie in einem kurzen Artikel möglich, belegen.

I. Das Schweinefleischverbot gehören zu einem konkreten Bund
Das konkrete Schweinefleischverbot (3Mo11) gehört zu einem umfassenden Katalog von Ge- und Verboten, respektive dem sogenannten „Gesetz“ welches Gott beim Sinaibund mit dem Volk Israel eingesetzt hat. Das Zeichen dieses Bundes ist der Sabbat.

Die Schrift berichtet jedoch auch von zeitlich davor liegenden und davon zu unterscheidenden Bündnissen. Ein früherer Bund, ist der Noahbund, welchen Gott mit Noah – und in diesem stellvertretend mit allen Menschen – geschlossen hat. Bestandteil dieses Bundes war ebenfalls ein Katalog an Bedingungen/Forderungen zu welchem u.a. auch Speisegebote gehörten. Zeichen dieses Bundes ist der Regenbogen.

„[…]Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben. 4 Allein eßt das Fleisch nicht, das noch lebt in seinem Blut.“ […] „12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen mir und euch und allen lebendigen Seelen bei euch hinfort ewiglich: 13 Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ 1.Mose 9

Wir stellen fest, daß „alles, was sich regt und lebt“ als Speise für den Menschen an sich durch Gott verfügt wurde. „Alles“ schließt kein tierisches Leben aus bzw. Schweine mit ein. Das heißt: es existieren keine artspezifischen Aspekte, nach denen für Gott der Verzehr von Schweinfleisch durch Menschen grundsätzlich ein Greul wäre. Demzufolge existieren also andere Gründe. Dazu später mehr.

Ein weiterer Bund Gottes, der vor demjenigen mit Israel lag, ist der Abrahambund. Gott schloss diesen mit Abraham und der Segen dieses Bundes sollte zu allen Menschen kommen (1Mo12; Gal3:7ff ). Die einzige Bedingung dieses Bundes war Glaube und als Zeichen dieses Bundes setzte Gott die (äussere wie innere 5Mo30:6) Beschneidung ein. Gott setzte innerhalb des Abrahambundes keine Änderung hinsichtlich der Speisegebote in Kraft.

Was können wir also bisher konstatieren?

1. Die Schrift spricht von zu unterscheidenden Bündnissen. Diese Bündnisse haben unterschiedliche Bündnisspartner, unterschiedliche Bedingungen und Zeichen.
2. Noah- und Abrahambund besitzen Geltung für alle Menschen und kennen kein Verbot Schweinefleisch zu verzehren. Der Sinaibund galt exklusiv Israel und kennt dieses Verbot.

Was sagt die Schrift über den Sinaibund und dem dazugekommen Gesetz und Zeichen?

Israel wurde durch verschiedene Propheten ein neuer Bund verheißen (Jer31:31ff). Wie wir gesehen haben gilt stets, daß zu einem Bund spezifische Bedingungen und Zeichen gehören. Fakt ist, das die Heiden nicht zum Sinaibund gehörten, demnach das dazu gehörende Gesetz nie zur Bedingung hatten (Röm2:14), ebenso, daß das Gesetz lediglich eine temporäre Funktion (Mt5:17; Röm5:20) hatte, war doch der Bund Abraham’s (Gerechtigkeit durch Glauben) auch nie aufgehoben (Hab2:4; Gal3:15ff) worden. Dieser Bund ist der ewige Christusbund, geschlossen in der Ewigkeit und in Kraft gesetzt durch das Blut Christi. Die einzige Bedingung ist der Glaube und sein Zeichen ist die Taufe.

II. Funktion des Verbots bzw. dessen Natur als Greul
Die Funktion ist die, daß sich Israel als Volk Gottes von den Völkern umher unterscheiden, heilig, also abgesondert sein sollte. Dies geschah vor allem durch kultische bzw. kulturelle Abgrenzung.

Das Gesetz stellte als Mauer oder Zaun diese Abgrenzung dar.

Deswegen auch das Verbot der Vermischung mit anderen Völkern, denn diese beteten andere Götter an, kannten und hielten die Ordnungen Gottes nicht. Damit wird bereits die besondere Natur bestimmter Übertretung und damit deren besondere Qualität als „Greul“ definiert: es geht um die Ablehnung Gottes und Seiner Gebote. Eine Greulsünde greift auf besonders eklatante Art und Weise – sittlich wie geistlich – die Ordnungen Gottes an.
Sei es in Form des Götzendienstes, der Zauberei, Homosexualität oder hier die spezifisch-kultischen Ordnungen für das Volk Israel.

Dies war entscheidend um zum einen Israel nach aussen für alle anderen Völker sichtbar zu unterscheiden als das Volk des lebendigen Gottes (vergleiche auch die nochmals gesonderten Anweisungen an Daniel und seine Freunde am Königshof), zum andern nach innen den Bestand Israel’s als Volk zu garantieren und vor allem um das Kommen des Messias vorzubereiten.

Das Gesetz hat nach dem Zeugnis der Schrift die Funktion

  • Sünde erkennbar zu machen bzw.
  • den menschlich nicht erreichbaren Maßstab Gottes zu verdeutlichen,

darüber hinaus

  • einen abgrenzenden Schutz, einen Zaun um Israel zu errichten.

III. Der Zaun ist niedergerissen
Christus greift das Bild Israels als umzäunten Weinberg auf (Mt15), und Paulus thematisiert diesen Zaun in Hinblick auf die Trennung Israel von den Heiden ebenfalls:

daß ihr zur selben Zeit waret ohne Christum, fremd und außer der Bürgerschaft Israels und fremd den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet und waret ohne Gott in der Welt. 13 Nun aber seid ihr, die ihr in Christo Jesu seid und weiland ferne gewesen, nahe geworden durch das Blut Christi. 14 Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines hat gemacht und hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch wegnahm die Feindschaft, Eph2,12

Hatte das Gesetz also für die Heiden bereits vorher keine Geltung, verlor es diese für Israel durch Christus auch vollständig. Der Zaun, das Gesetz auch mit seinen Speisegeboten, ist niedergerissen worden in dem Augenblick in dem Christus am Kreuz starb, der Vorhang zerriss! Der Hebräerbrief erklärt dies in eindringlicher Deutlichkeit. Der Sinaibund, mit seinen Bedingungen/Forderungen war von Anfang an nur ein Schatten des Originals, veraltete mit dem Beginn des neuen, verheissenen Bundes, denn Christus selbst hat diesen ausser Kraft gesetzt.

Fazit
Paulus warnt im Galaterbrief, daß wer auch nur ein Gebot – dazu zählen explizit an diversen Stellen (Mk7:19ff; Ag10:12ff; Kol2:16ff; 1Kor8:7; Röm14) genannt, auch die Speisegebote – wieder aufrichtet, sich dem gesamten Gesetzt unterstellt, damit Christus missachtet und die Gnade verliert.
sdg
apologet

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.