Evolusis – Evolution meets Genesis

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Unzählige Diskussionen über die Thematik Schöpfung/Evolution wurden und werden zwischen Christen und Atheisten, immer öfter aber auch zwischen Christen geführt. Ich möchte diese – unzweifelhaft auch in Zukunft anhaltende – Endlosdebatte in keinster Weise um eine weitere Diskussion, welche sich auf die Fragen der Wissenschaftlichkeit des „Kreationismus“ oder möglicher Schwächen in der Evolutiontheorie konzentriert, „bereichern“, sondern einen Versuch unternehmen, den theistischen Ansatz einer Evolution, literarisch in Worte zu fassen.

Diesem Ansatz liegen zwei wesentliche Aspekte zugrunde, zum einen der grundlegende Widerspruch der sich zwischen den Aussagen der Schrift und dem Ansatz einer theistischen Evolution ergibt und zum anderen, wieso eine Schöpfungsgeschichte dann nicht auch näher am tatsächlichen Ablauf orientiert formuliert werden können.

Ich versuche hier, derzeitige Aussagen der Naturwissenschaft über die Entstehungsgeschichte des Menschen in eine Form zu bringen, welche der biblischen Erzählweise in etwa entspricht. Und ich habe dies getan, weil sich nach meinem Dafürhalten ein eklatanter theologischer Widerspruch zwischen dem Genesisbericht des Wortes Gottes und einer theistischen Evolution auftut.

Evolusis Kapitel 1
1 Es begab sich zu Beginn, da schuf Gott das Weltall, die Sterne, die Sonne und später auch die Erde, setzte einen Kreislauf des Lebens und Sterbens in gang.
2 Die Erde war für lange Zeit wüst und leer.
3 Nach einer ganzen Weile entstand auf der Erde Wasser, bildeten sich Flüsse, Seen und Meere. Am Himmel sammelte sich das Wasser in Regenwolken.
4 Eine lange, lange Zeit verging und es setzte nach und nach der Prozeß ein, in welchem sich aus unbelebten Dingen Leben entwickelte.
5 In unvorstellbaren Zeiten türmten sich die Hügel und die Berge auf, bildeten sich Täler und Ebenen.
6 Und Gott sah, das sich aus dem ersten entstandenen Leben, eine Vielfalt an Pflanzen entwickelt hatte.
7 Und Gott war voller Erstaunen über das was sich entwickelte, über das Wachstum von den zuerst nur kleinen Pflanzen, bis hin zu riesig großen Bäumen.
8 Nach wiederum undenkbaren Zeiten hatten sich im Wasser das erste tierische Leben entwickelt und im Wettstreit des Lebens mit dem Tod, voller Brutalität und Grausamkeit, erklomm das Leben Stufe um Stufe, eroberte das Land und die Luft. Arten entstanden und vergingen.
9 Und Gott sah das Leid, den Kampf und den Tod und sah das es sehr gut war.
10 Das Leben auf der Erde entwickelte sich, verschiedenen Arten von Tieren entstanden und veränderten sich, bis eine Art, dem Menschen ähnlich, entstanden war.
11 Und dieser Mensch, in allen Dingen den Tieren gleich, wurde das gefährlichste Raubtier der Erde, begann zu denken und zu verstehen.
12 Und Gott hatte Gefallen an all dem und freute sich.

Evolusis Kapitel 2
1 Die Art des Menschen bestand aber aus vielen verschiedenen Formen, manche den Tieren ähnlicher als die anderen.
2 Der eigene Vorteil, Gewalt und Kampf um das Überleben beherrschte das Leben der menschlichen Arten.
3 Nach vielen Generationen der Entwicklung, setzte sich eine Art durch und begann sich auf der Erde zu verbreiten, wanderte von Ort zu Ort und entwickelte Sprache und Kultur führte Kriege im Großen und mordete im Kleinen.
4 Mit der Zeit, begannen die Menschen an Geister und Magie zu glauben, meinten in den Bäumen oder Sternen machtvolle Wesen, freundliche und bösartige zu erkennen.
5 Einzelne Menschen glaubten in Kontakt mit diesen Wesen treten zu können, Heiler und Priester entstanden und Gott freute sich darüber, weil sich die Menschen auf einem guten Weg befanden und religiös wurden.
6 Über die Jahre entwickelten sich die ersten Totenkulte, verschiedenste Gottesbilder und der Glaube an ein jenseitiges oder wiederkehrendes Leben.
7 Verschiedene Völkern glaubten an verschiedene Götter, andere hielten ihre Könige und Herrscher für Halbgötter.
8 Ein Volk jedoch, entwickelte eine andere Gottesvorstellung und begann, aus dem Glauben an einen Stammesgott, den einen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat zu entwickeln.
9 Dieses Volk führte viele Kriege im Namen ihres Gottes und begann religiöse Schriften anzufertigen und zu sammeln.

Feststellen muß ich natürlich, daß ich persönlich dem Schöpfungsbericht der Bibel umfänglich vertraue… wenn ich es jedoch richtig sehe, gehen heutzutage selbst manche Christen, mit grundsätzlich evangelikalen Hintergrund bzw. „bibeltreuen“ Verständnis von einer Vereinbarkeit von Evolution und Schöpfung aus.

Ein solches Verständnis wirft jedoch für Evangelikale diverse theologische Probleme auf, wie beispielsweise der Frage nach dem Tod,  der Sünde respektive Herkunft und Trennung des Menschen von Gott etc. pp. Bei einem liberalen Hintergrund bzw. historisch-kritischen Verständnis entsteht dagegen kein Problem mit der herkömlichen Schöpfungsgeschichte, da es ja schlicht als ein reizender Mythos bewertet wird.

Mein Versuch diesen Widerspruch mit einer Evolusis Evolution meets Genesis – aufzulösen, soll also zum einen die Unvereinbarkeit mancher evangelikaler Positionen mit der Evolution deutlich werden lassen und zum anderen die Behauptung in Frage stellen, es wäre nicht möglich gewesen eine Schöpfungserzählung zu verfassen, die dem behaupteten tatsächlichen Ablauf näher kommt.

sdg
apologet

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2 Kommentare

  1. Ich hab’s gern gelesen, der Text ist eine nette Form der Neuformulierung. Aber entspricht das nicht dem klassischen Deismus statt einem „theistischen Ansatz einer Evolution“, wie es in dem Blogeintrag heißt? Der lenkende und handelnde Gott des Theismus hat schließlich auch in der „Evolusis“ keinen Platz. Theismus und Deismus so zu vermischen, ist meines Erachtens irreführend. Schließlich gibt es beide Begriffe aus gutem Grund, und die Evolusis ist klassischer Deismus.

    1. Freut mich das es nicht vollkommen durchfällt 😉 Soweit mir bekannt ist, wird der „theistische Ansatz einer Evolution“ sowohl dem „lenkenden Gott“ als auch dem lediglich „beobachtenden Gott“ zugeordnet. Aber ich mag mich da auch irren.

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