Multi-Ethik-Blabla

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Welche Berufung hat die Kirche Christi? Geht es darum, sich für eine gerechtere Welt, eine christliche Ethik einzusetzen? Oder darum einer verlorenenen und gottesfeindlichen, unter dem Gericht Gottes stehenden Welt zuzurufen: Laßt euch versöhnen mit Gott! Die Manhattan-Erklärung stellt das aktuellste Beispiel einer Positionierung dar. Ohne Zweifel, der gesellschaftspolitische Schutz menschlichen Lebens, der Institution Ehe oder der Freiheit der Meinung und Religion, sind wichtig und nicht zuletzt Ausdruck einer vormals christlich geprägten Kultur. In der schweizer Weltwoche heißt es:

Wenn eine Kirche ihren religiösen Schwingungsraum verliert, unterscheidet sie kaum mehr etwas von einer NGO. Der reformierte Zürcher Kirchenbote liest sich jedenfalls wie ein rot-grüner Katechismus. Auf der aktuellen Titelseite wird ausgiebig dem Klimagott gehuldigt («Gärtnern gegen den Klimakollaps»), und der Leitartikel denunziert in geübter Selbstanprangerung kirchliche Gebäude als «regelrechte Energieschleudern». Die «Arbeitsstelle Kirche und Umwelt» – so was gibt es tatsächlich – regt an, auf das Durchheizen der Gotteshäuser zu verzichten und die «Heizung vor Veranstaltungen nicht auf 20, sondern nur auf 18 Grad einzustellen». Man könne auch im Mantel einem Gottesdienst beiwohnen. Sicher kann man. Noch klimafreundlicher wäre, die «Energieschleudern» gleich ganz abzureissen. Peter Keller, Weltwoche

Mag man berechtigter Weise fragen, was ein „religiöser Schwingungsraum“ ist, aber im Kern ist die Analyse des Weltwoche-Autoren, Peter Keller korrekt. Dort, wo Kirche nicht mehr primär den religiösen Raum besetzt, das Wort Gottes verkündigt bzw. sich in ihrer Zielsetzung lediglich ethisch oder politisch positioniert, verliert sie ihre Unterscheidbarkeit zu anderen, säkularen Organisation. Nicht selten sind diese sogar kompetenter und effizienter, als es religiöse Organisationen in diesen Fragen sind.

Das christliche Fundament bröckelt weg. In den Schulen gibt es keinen konfessionellen Religionsunterricht mehr – dafür ein diffuses Multi-Ethik-Blabla, wie es die herrschende Political Correctness mit Nachdruck einfordert. Peter Keller, Weltwoche

Es ist – so dramatisch der Werteverfall der westlichen Gesellschaften auch ist – eben nicht Aufgabe der Kirche, oder im Namen des Christentum sprechender Organisationen, ethische Forderungskataloge – oder wie Peter Keller es ausdrückt diffuses Multi-Ethik-Blabla – zu formulieren, sondern das Evangelium von der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und vom stellvertretenden Kreuzestod Christi in aller Schlichtheit zu verkündigen. Denn der Mensch braucht keine Veränderung oder Verbesserung, sondern eine Erneuerung durch das Wort Gottes.

Denn überall, wo wir wahrnehmen, dass Gottes Wort lauter gepredigt und gehört wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwaltet werden, lässt sich auf keinerlei Weise daran zweifeln, dass wir eine Kirche Gottes vor uns haben. – CALVIN, Inst. IV,1,9

Dort jedoch, wo das Wort Christi nicht in Eindeutigkeit verkündigt wird (1Kor2,2), geht der Anspruch Kirche zu sein verloren, wird die Berufung als Botschafter Christi, zur Versöhnung mit Gott aufzurufen verfehlt (2Kor5,20). Letztlich wird nicht einmal dem angestrebten Ziel, einer gesellschaftlichen Veränderung gedient, denn die Verkündigung des Wortes Gottes besitzt Auswirkung in alle Lebensbereiche hinein, sei es individuell im privaten, oder gesellschaftlich im öffentlichen Bereich. Das sagt die Schrift und bezeugt die Geschichte. Die westliche Kultur ist entstanden in der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Nicht ohne Fehlentwicklungen und Irrtümer. Aber dort, wo Mensch und Gesellschaft geprägt werden durch das Wort Gottes, dem Evangelium, wird auch das menschliche Leben, die Ehe oder die Freiheit des Einzelnen geachtet.

Zunehmende Politisierung unter Evangelikalen Evangelikale scheinen ihr Augenmerk immer mehr auf politische Bereiche zu fixieren. In den USA kam es nun zu einer Kontroverse, weil sich eine „Evangelikale Klima-Initiative“ (ECI), die von 86 führenden Evangelikalen ins Leben gerufen wurde, stark für die Reduzierung von Treibhausgasen einsetzt. Die Nationale Evangelische Allianz (NEA) der USA hat sich aber nicht zu einer Beteiligung bewegen lassen. 22 konservative NEA-Mitglieder hatten sich gegen eine Beteiligung ausgesprochen. Die ECI setzt sich für den Kauf von Autos mit umweltfreundlichem Hybrid-Antrieb ein. Dies würde letztlich den Dritte-Welt-Ländern zugute kommen, die unter einer Klimaerwärmung durch Treibhausgase am meisten zu leiden hätten. Pastor Jim Ball von der ECI hat dazu sogar eine Aktion „Was würde Jesus fahren?“ gestartet. Zu den Frontmännern der ECI gehören unter anderem der Erfolgsautor und -prediger Rick Warren, der Vorsitzende der „Koalition Mission Amerika“ (Lausanner Bewegung), Paul Cedar, der Pfingstpastor Jack Hayford, der Heilsarmee-Kommandeur Todd Bassett, der Präsident des Hilfswerks World Vision, Richard Stearns, der Sozialethiker Prof. Ron Sider und der Herausgeber von Christianity Today, David Neff. Dies ist nur ein Beispiel für die auch hierzulande zu beobachten Tendenzen von Evangelikalen, verstärkt politischen Einfluss zu gewinnen. Das Neue Testament lehrt einen solchen Auftrag für Christen, die „Himmelsbürger“ sind, jedoch nicht. Ihr heiligender Einfluss auf die Gesellschaft basiert vielmehr auf vier Elementen: 1. Gebet, insbesondere für die Obrigkeit (1Tim 2,1-2), 2. ein heiliger Lebenswandel als Orientierung bietende „Lichter inmitten eines verkehrten und verdrehten Geschlechts“ (Phil 2,15), dazu gehört auch der Aufbau schriftgemäßer Gemeinden, die nicht der umgebenden Kultur angepasst sind, 3. Evangelisation aller Gesellschaftsschichten. Hans Werner Deppe, Betanien Nachrichten

Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern;  und meine Rede und meine Predigt bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe. 1Kor1,1-5

sdg
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