Schlingensief: Kirche goes Disney

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Gibt der Glaube an Gott, dem einen Menschen Kraft, um Leid, Krankheit, ja Schmerzen selbst bis in den Tod zu ertragen, verzweifelt der andere an seinem Schicksal, an Gott und der Kirche. Wie kommt es zu dieser Unterschiedlichkeit hinsichtlich Erfahrung und Kraft? Christoph Schlingensief berichtete im aktuellen Cicero über eigene Erfahrungen, seinen Glauben, darüber, das ihm beispielsweise die moderne Kirche keine Freude bereitet, woher er sich Antwort auf die Frage nach der Unsterblichkeit erhofft, und ab welchem Punkt er ganz persönlich die Krippenfiguren und Schmusedecke der Religion benötigt.

Sie sind, was die breite Öffentlichkeit nicht weiß, gläubiger Christ. Ist ihnen der Glaube in der Krankheit ein Trost?

Leider habe ich den Glauben nicht wirklich als Hilfe empfunden. Seit der Reformation ist das Christentum für mich zu einer Disney World, zu einem Märchenpark geworden. Ich selber spüre erst seit zwei, drei Monaten eine wirkliche Besserung, weil ich den Systemtheologen Johannes Hoff kennengelernt habe, der in Wales Philosophie und Systemtheologie lehrt. Wie ein Archäologe gräbt er aus, was in unsere heutigen Kirchen in ihrem Märchenpark alles versteckt haben, und wie viel Freiheit und Freude sie den Gläubigen genommen haben. Glauben muss konkret sein, er benötigt Verantwortung und auch die Möglichkeit zu streiten – von all dem keine Spur.

Was genau verstehen Sie unter einem Märchenpark?

Ich habe das Gefühl, das die katholische Kirche den Gedanken des Christentums, die Liebe, die in dieser ganzen Unternehmung steckt, überhaupt nicht nutzt. In den Gemeinden gibt es unzählige wunderbare Mitglieder und Pilotprojekte, die gut sind, keine Frage. Im Großen und Ganzen habe ich aber das Gefühl, dass die Kirche mir keine Freude vermittelt. Sie vermittelt mir nicht das Gefühl, dass es wichtig und eine Freude sein kann, sich einer Minderheit anzuschließen, Andersdenkende und Andersliebende kennenzulernen. Mir scheint, als habe sich die katholische und auch die protestantische Kirche auf eine Art Abgesang eingelassen. Alles kommt mit einem Wimmerton daher. Die Kirchen haben die Verantwortung von der Freiheit in eine bittere Depression überführt. Sie sind in ihren Rituale hängen geblieben, es sind Absitzrituale. Wenn man böse wäre, würde man sagen: Die Rituale sind nicht mehr als Sesselhockerei. Das ist natürlich viel zu wenig.

Glauben Sie als Christ an die Unsterblichkeit der Seele?

Das habe ich immer noch zu verhandeln. In meiner neuen Arbeit in Zürich habe ich begonnen, den Tristan weiter zu erforschen, mit einer langsamen Annäherung. Eine Erste Frage beschäftigt sich damit: Was ist, wenn jemand weg ist und ich nicht mehr diese Liebe anwenden kann? Wenn also alles zu spät ist? Und was ist, wenn ich selber derjenige bin, der verschwunden ist? Ich habe durch die Gedanken mit Johannes Hoff sehr starken Mut bekommen, dass nichts verloren geht. Ich gebe zu, dass das meinen kindlichen, naiven Glauben rettet, weil ich sage: So lange ich, wie Hugo Ball, von einem Hypergott ausgehe, kann ich auch den Märchenpark ertragen – denn auch der ist nur Teil des Ganzen. Wenn ich dann allerdings sterben sollte und die Schmerzen, auch die Trennungsschmerzen kommen, das Verlassenmüssen des Hier und Jetzt, werde ich vielleicht wieder einige Krippenfiguren und die Schmusedecke der Religion brauchen. Aber ich glaube, ich beginne gerade, dem Glauben klarer gegenüberzutreten, und habe auch mehr zu formulieren als ich jemals geglaubt hätte. Meine Kraft des Formulierens ist noch lange nicht zu Ende. (vollständiger Artikel: Cicero)

Dem Glauben an den christlichen Gott, liegen sehr unterschiedliche, vielfältige Motive, Ursachen und Basic’s zu Grunde. Diese Erkenntnis ist nun keineswegs neu, jedoch entscheidend für dessen Natur und ausschlaggebend für dessen Tragfähigkeit.

Wenn auch die kulturelle Prägekraft des Christentums nahezu verschwunden ist, existieren jedoch offensichtlich immer noch Rituale, Traditionen, Feiertage – wie aktuell zu Weihnachten – welche eine gewisse Form von Glauben bzw. Versatz- und Mosaikstücke des Glaubens transportieren.

Findet der eine religiöse Momente in der Musik, sucht der andere Antwort auf existenzielle Fragen bei Tristan.

Biblischer Glaube jedoch, ist unmittelbare Gabe Gottes (Eph2:8), kommt ausschließlich aus dem Wort Gottes selbst (Röm10:17), bzw. stellt das Wort Gottes selbst das Samenkorn des Glaubens dar (1Petr1:23). Allein dieser Glaube ist tragfähig (Jak1:2ff) und läßt den Gläubigen bis ans Ende ausharren, dem Tod und schenkt Gewissheit auch darüber hinaus (Hebr11:1ff). Der Glaube, der sich auf die Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus gründet:

1Kor15:11 Es sei nun ich oder jene: also predigen wir, und also habt ihr geglaubt. 12 So aber Christus gepredigt wird, daß er sei von den Toten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch, die Auferstehung der Toten sei nichts? 13 Ist die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden. 14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 15 Wir würden aber auch erfunden als falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeugt hätten, er hätte Christum auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16 Denn so die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden. 17 Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden.

sdg
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