Wesen und Inhalt biblischer Prophetie

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Was ist unter „biblischer Prophetie“ zu verstehen? Nicht selten, auch unter Christen, wird offensichtlich „Präkognikation“ bzw. Wahrsagerei oder Zukunftsvorhersage darunter verstanden. Der Schrift ist zu entnehmen, daß Propheten in der Geschichte des Gottesvolkes sehr selten waren (mit teilweise Jahrhunderte dauernden Unterbrechungen), und diesem jeweils spezifische Botschaften zu übermitteln hatten. Zwischen dem letzten AT-Propheten und dem Erscheinen des Messias lagen rund 400 Jahre. Was ist das Wesen biblischer Prophetie?

In den Evangelien und apostolischen Briefen ist das Reden Christi, das Ihn selbst und Sein Werk bezeugt, überliefert. Die Schrift bezeugt eindeutig, Apostel und Propheten waren nötig, bis das (Lehr-) Fundament der Gemeinde gelegt war (Eph2:20). Darüber hinaus warnt Christus selbst und auch die Apostel jedoch vor dem Auftreten vieler falscher Propheten. Der eigene Anspruch Prophet zu sein, oder einer dies bezeugenden Jüngerschaft, ist kein Argument… im Gegenteil. In der Regel wurde und wird dadurch versucht, bestimmte Lehren oder Praktiken zu legitimieren, welche die Schrift nicht belegt.

Auftrag der Propheten war stets Offenbarungen Gottes mit christologisch, soteriologisch und ekklesiologischem Inhalt zu kommunizieren, den Menschen letztlich ein kosmisches Geheimnis, das Zeugnis über das Kommen des Erlösers, Gott in Person mitzuteilen.

Offenbarung (apokálypsis) bedeutet zunächst einmal die Enthüllung konkreter, bisher unbekannter, Fakten, Wahrheiten die ein Geheimnis darstellen etc. und in diesem Zusammenhang ist der Offenbarungsursprung Gott selbst.

Philosophische Beweise für das Dasein Gottes gibt es nicht. Die rechte heilsame Überzeugung von dem Dasein Gottes wird aber für die Christen anders vermittelt; sie kommt auf einem anderen Wege uns zu. Was nützt es, um ungefähr zu wissen, dass ein Gott sei, wenn ich doch nicht weiss, wie er heisst, und von welcher Art seine Gesinnung gegen mich ist … Das Resultat ist also: für meine, des Christen Ansprüche, muss ein festeres Fundament, ein festerer Boden vorhanden sein. Dieser festere Boden ist die göttliche Offenbarung, wo Gott der Erste ist; in ihr haben wir den königlichen Weg, um zur Erkenntnis des Wesens Gottes zu gelangen. Eduart Böhl, Dogmatik

Die Notwendigkeit für „Offenbarungen Gottes“ besteht aus folgendem Grund: Weil wir uns durch unsere Sünde von Gott getrennt haben, muss Gott sprechen, damit wir Ihn überhaupt kennenzulernen wollen. Gott kann nicht erkannt werden, es sei denn, Er spricht. Gott muss sich dem Menschen offenbaren, da für uns unerreichbar (1Tim6:16) ist. Darin besteht  Sinn und Zweck des Wortes Gottes. Und dies hat Gott in der Menschheitsgeschichte spezifisch bzw. ausschließlich durch Propheten und Apostel getan. Das meint Paulus als Apostel, wenn er von den „Geheimnissen“ (Röm 16,25) spricht und sich als Apostel als Haushalter dieser Geheimnisse bezeichnet (1Kor 4,1). Es existiert darüber hinaus sicher noch allgemeine Offenbarung durch die Schöpfung (Röm1), aber die ist hier irrelevant. Durch sein Reden, durch Sein Wort erschafft Gott Sein Volk, Seine Gemeinde.

Prophetie (prophetheu) ist nun keinesfalls mit „Offenbarung“ gleichzusetzen. Prophetie ist das Reden von bzw. für Gott. Wenn aus der Heiligen Schrift vorgelesen oder zitiert wird, ist das nichts anderes als prophetische Rede, jedoch keine aktuelle , oder neue Offenbarung. Offenbarung vollzieht sich in einem geistgewirkten (theopneustos) Vorgang, bei dem der jeweilige Prophet oder Apostel das Geheimnis (was Christus betrifft) von Gott enthüllt bekam. Prophetie ist dann „lediglich“ der darauf folgende, äussere Vorgang, die Rede, das niedergeschriebene Dokument die prophetische Schrift.

„Propheten“ nennt der Apostel (Eph. 4,11) nicht jegliche Künder des Willens Gottes, sondern solche, die sich durch eine besondere Offenbarung auszeichneten. Derartige Menschen gibt es heutzutage entweder keine, oder aber sie sind weniger sichtbar. Institutio IV3,4

Prophetische Rede zeugt grundsätzlich von Christus (Offb19:10), verfolgt primär keinen anderen Zweck. Weder persönliche Situationen, Staats- oder Regierungsangelegenheiten, noch andere Informationen stehen im Mittelpunkt. Mose, die späteren Propheten, die Psalmen haben immer auf Christus hingewiesen (Lk 24,27ff). In 1Petr1, 10ff spricht Petrus darüber warum Christus stets Inhalt wahrer propetischer Rede ist: die Erlösung, das Heilswerk am Kreuz durch Christus!

Petrus sagt in diesen einleitenden Worten seines Briefes einige grundsätzliche Dinge: erstens, daß das prophetische Reden der at’lichen Propheten primär nicht ihnen selbst, nicht einmal den damaligen Gläubigen galt, sondern primär den Gläubigen nach dem offenbar gewordenen Sohn. Paulus schreibt Ähnliches in 2Kor3:15, wenn er sagt, daß das Volk Israel die Propheten bis zum Erscheinen Christi überhaupt nicht verstanden hat bzw. verstehen konnte, eine „Decke“ auf ihrem Herzen gewesen ist. Damit ist zweitens gesagt, das auch wenn den Propheten über den primären Auftrag hinaus Dinge, egal ob sie selbst, andere Personen oder Gruppen offenbart wurde, dies unwesentlich, ein sekundärer Aspekt gewesen ist. Drittens wird deutlich, das wenn bereits für die vorausgegangen Propheten der eigentliche Auftrag stets war, auf Christus und sein Heilswerk hinzuweisen, dies weder zur messianisch-apostolischen Zeit noch anderen Zeiten anders sein kann.

Jede echte – Gottes Offenbarung vermittelnde – Prophetie weißt jedoch auf das Kommen bzw. den Erlöser selbst hin. Wenn nun Christus aber gekommen ist, von dem die Propheten immer gezeugt haben, existiert kein Grund mehr für neue „Offenbarungen“ respektive „Prophetie“. Das wird in Hebräer 1,1ff auch explizit gesagt.

Nach dem Kommen Christi bestand keine Notwendigkeit für Offenbarung mehr. Wozu auch? Gott ist gekommen. Welches Geheimnisse aus der Gegenwart des ewigen Gottes sollten Propheten heute den Menschen mitteilen? Persönliche Lebenshilfe, politische Entwicklungen? Ich bitte Dich!

Wenn wir uns dem Wort Gottes zuwenden, finden wir die konkreten Inhalte der zu offenbarenden „Geheimnise“. Wir finden diverse, vormals unbekannte Wahrheiten – „Geheimnisse“ – im NT, welche durch den Heilige Geist (Joh16,13) den Aposteln offenbart wurden:

In der Bibel, dem Wort Gottes, ist der Gemeinde die Erkenntnis des Sohnes, und damit alle Wahrheit anvertraut, der Auftrag der Apostel und Propheten erfüllt.
sdg
apologet

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