Feindesliebe

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Nicht selten ist zu hören, der Gott des Alten Testaments sei ein unbarmherziger, ja ein grausamer Gott. Der Gott des Neuen Testaments dagegen ein Gott der Liebe, sogar der Feindesliebe.

Dieser Vorwurf kommt nicht nur von ausgesprochenen Atheisten oder erklärten Gegnern des Christentums, nein, auch unter Christen ist diese Meinung zuweilen unterschwellig vorhanden. Man zitiert die Bergpredigt und meint dort zu lesen, daß das Alte Testament durchaus Hass auf Feinde toleriere. Kann das wirklich sein?

Abgeleitet wird dieses Denken aus den Antithesen der Bergpredigt:

  • Töten
  • Ehebruch
  • Ehescheidung,
  • Schwören,
  • Wiedervergeltung
  • Feindesliebe.

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. Mt5,43-48

Christus konfrontiert hier jedoch nicht den alten mit dem neuen Bund, sondern natürliches Denken mit dem göttlichen Gebot, menschliche Gerechtigkeit mit der Gerechtigkeit Gottes. Christus tadelt die Pharisäer und Schriftgelehrten vielmehr dahingehend, daß sie menschliche Überlieferungen – ihre eigene Gerechtigkeit (Röm 10,3) – über die Gebote, das Wort Gottes gestellt haben.

Gott war und ist jedoch derselbe.

Zu definieren wäre zunächst der Begriff „Liebe“. Dieser Begriff besitzt eine gewisse Bedeutungsbandbreite. Heute und in der westlichen Kultur allgemein, wird darunter zumeist ein romantisches Gefühl verstanden. Die Bibel definiert „Liebe“ jedoch etwas völlig anderes:

 

Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 1Joh.3,18

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 1.Kor13,4-7

Mit „Liebe“ und erst recht der „Feindesliebe“ sind demnach keine Gefühle, wie beispielsweise die Zuneigung oder Vertrautheit zu seiner Frau, Familie oder Freunde gemeint.

Gemeint ist vielmehr eine grundsätzliche Haltung, Einstellung bzw. Verhalten.

Wenn wir z.B. mitbekommen, daß ein Feind einen Nachteil oder Schaden erleidet, sollen wir ihn darauf aufmerksam machen, so dass er keinen Nachteil hat. Wenn also ein unbequemer Kollege/Chef/Nachbar bspw. Geld verliert und wir das mitbekommen, wir ihm das Geld aufheben und geben. Unzählige Beispiele denkbar…

Nie etwas tun, was unseren Feinden- Menschen die wir aus welchen Gründen auch immer nicht leiden können- schadet, keine Rache üben. Wir sind also keinesfalls gefordert Feinde inniglich zu lieben. Feindesliebe bedeutet, dass wir den Feind dennoch respektieren, weil er ein Geschöpf Gottes ist. Genau diese Forderung Gottes bestand schon im Alten Testament.

 

Wenn du das Rind deines Feindes oder seinen Esel umherirrend antriffst, sollst du sie ihm auf jeden Fall zurückbringen. 2Mo23,4

Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der HERR wird dir’s vergelten. Spr25,21-22

Dies ist mit Feindesliebe gemeint. Klar und deutlich geht aus Gottes Wort hervor, das Gottes Verhalten (bis zum Gericht), keinen Unterschied zwischen Gläubigen und Gottlosen macht. Er läßt die Sonne scheinen und es regnen für alle Menschen.

Genauso sollen sich Seine Kinder verhalten. „Feindesliebe“ üben, vollkommen sein wie Gott vollkommen ist. Wir sollen uns nicht rächen, oder Vergeltung üben, sondern Schaden abwenden, Gutes gegenüber jedermann tun.

 

Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Gal 6,10

Schließlich und endlich sollte uns bewußt sein, das Gott uns durch Christus mit sich versöhnt hat, als wir noch Feinde waren!

 

Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Röm5,10

sdg
apologet

Predigt zu Thema
Jürgen Fischer: Geliebter Feind (Mt 5,43-48)
[podcast]http://audio.kassettothek.de/mp3/ktn01020.mp3[/podcast]

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