Sprachenrede – einfache Fremdsprachen oder ekstatisches Reden

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Im Neuen Testament wird einige, wenige Male ein Phänomen thematisiert, welches für sich genommen, als nicht besonders spektakulär zu bezeichnen ist: Das Reden in Fremdsprachen. In der pfingst-/charismatischen Bewegung wird eine gewisse (religions- und kultübergreifende) Praktik, die sogenannte Zungenrede bzw. Sprachenrede, auch Glossolalie (von altgr. γλῶσσα (glôssa), „Zunge, Sprache“ und λαλέω (laleô), „sprechen, reden“) damit identifiziert. Außerhalb dieser Bewegung steht man dieser Meinung äußerst kritisch gegenüber und verbindet mit dem Reden in fremden Sprachen in erster Hinsicht die verschiedenen Zeichen aus Mk16,17.

Kernsätze pfingstlich/charismatischer Lehre

  • Erweis der sogenannten Geistestaufe
  • persönliche Gebetssprache
  • der Verstand ist ausgeschaltet
  • unbekannte Sprache
  • geistliche Kriegsführung
  • Fürbitte
  • wenn die Worte fehlen/Geheimnise
  • mit Auslegung auch Botschaften

Was man zunächst feststellt, wenn man sich diesem Thema nähert ist, das im Wesentlichen sechs Bibelstellen, und ein ganzes Kapitel zu diesem Thema existieren. Das ist nicht wirklich viel. Zudem das Kapitel 14 des 1Korintherbriefes eine Kritik am Umgang mit dieser Thematik darstellt. Die erste Bibelstelle zu diesem Thema findet sich darüber hinaus im AT. Wenn man die Bibelstellen betrachtet, stellt sich die Frage, woher die pfingstlich/charismatischen Lehren stammen.

Textbetrachtung Jesaja 28,11

10 Erwarte Drangsal auf Drangsal, Hoffnung auf Hoffnung, noch ein bisschen, noch ein bisschen (Zeit) 11 wegen der Verachtung(, die) von den Lippen (floss) in einer anderen Sprache, denn sie werden zu diesem Volk sprechen 12 und ihm sagen: Dies ist die Erholung für den, der Hunger hat, und dies ist die Zerschmetterung, und sie wollten nicht hören. Septuaginta Deutsch

Situation: Im Zusammenhang dieser Textstelle wird dem Leser mitgeteilt, daß Israel das Reden Gottes – offensichtlich das der Propheten – als “kindlich” abgelehnt und sich von Gott abgewandt hat. Jesaja, ein Prophet, warnte vor der Eroberung und Zerstreuung Israels. Die Assyrirer eroberten Israel und die Israeliten hörten diese unter sich reden [SPRACHE, BOTSCHAFT und ZEICHEN], dies war die Bestätigung des angekündigten Gerichtes durch Jesaja, weil Israel Gottes Wort abgelehnt hatte. Das alles spielte sich ca. 700 Jahre v. Chr. ab. Alttestamentliche Begebenheiten werden im Hebräerbrief als Schatten auf die neutestamentliche Erfüllung beschrieben.

Drei grundlegende & wiederkehrende Merkmale:

  • BOTSCHAFT konkrete, faßbare Information (hier: Umkehr zu Gott oder Gericht -> Christus V16), Verkündigung, Predigt, Lob Gottes
  • ZEICHEN Bestätigung, Legitimation (hier: Gerichtsandrohung)
  • SPRACHE verständlich, irdisch (hier: Assyrisch)

Wir machen jetzt einen Sprung von – wie gesagt – ca. 700 Jahren in die Zukunft, direkt zu den letzten Augenblicken vor der Himmelfahrt:

Textbetrachtung Markus 16,15ff

15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. 16 Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. 17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, 18 Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden. LUT

Immer davon ausgehend, das man bei der Auslegung biblischer Texte mit verschiedenen, vernünftigen Fragestellungen herangehen sollte (zu wem sagt wer, was, wann in welchem Zusammenhang etc.), läßt sich – nach meinem Verständnis – in dieser Bibelstelle mindestens ein grundlegender ZWECK der neutestamentlichen GABE des Redens in anderen (FREMD-)SPRACHEN erkennen.

Situation: Christus spricht hier zu den elf Jüngern/Aposteln (Juden! 1Kor1,21ff) am Ende der gemeinsamen dreijährigen Reise und fährt gleich zum Himmel auf. Er spricht nicht zu den 70 Jüngern, erst recht nicht zu all denen die ihm im Verlauf der letzten Jahre gefolgt sind. Dies ist eine Prophetie für die Apostel. Von der Erfüllung dieser Prophetie lesen wir bereits in Vers 20 (bereits Vergangenheit, s. a. Heb2,4)! Auch die Parallelstelle in Lukas 24,48 zeigt, daß hier explizit die Apostel gemeint sind.

Er sendet an dieser Stelle konkret die anwesendes Apostel mit einem Missionsauftrag aus, um erstens das Evangelium der gesamten Schöpfung zu verkündigen [BOTSCHAFT] und verbindet dies zweitens mit einer Prophetie über begleitende ZEICHEN, zu welchen neben dem Austreiben von Dämonen (Apg16,18), Schlangen aufheben (Apg28,5), Schwachen die Hände aufzulegen (Apg9,12) eben auch drittens das Reden in FREMDSPRACHEN (Apg2,4) gehörte.

Merkmale:

  • BOTSCHAFT vom Reich Gottes, die gute Nachricht, Christus ist das Wesentliche in diesem Text, auch hier: Umkehr oder Gericht
  • ZEICHEN zur Bestätigung und Legitimation von neuen Botschaften und den Übermittlern, hier dem Evangelium und den Aposteln. Paulus weist in 2Kor12,12 konkret auf den Zweck von Zeichen hin!
  • SPRACHE nicht mehr nur Hebräisch wie bisher, sondern der ganzen Schöpfung in vielen neuen Sprachen

In der Apostelgeschichte 1,8 führt Lukas den Auftrag der Mission noch ein wenig detaillierter aus. In diesem kurzen Textabschnitt finden wir weitere interessante Aspekte. Wenn wir in Jesaja28,11 die Verheißung im AT finden, knüpft Christus in Markus16,15 und Apg1,8 daran an bzw. erneuert diese, lesen wir in Apg2, Apg8, 14, Apg10,44 und Apg19 von der Erfüllung. In der weiteren Stelle in 1Kor12-14 korrigiert Paulus die Handhabung.

Textbetrachtung Apostelgeschichte 2,1ff

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an „einem“ Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. LUT

Situation: Wie Jesus es ihnen vor seiner Himmelfahrt befohlen hatte, blieben die Jünger/Apostel in Jerusalem und waren am jüdischen Pfingstfest alle zusammen als sich die Verheißungen sowohl des Propheten Joel, wie auch Jesaja erfüllten.

Merkmale:

  • BOTSCHAFT verkündigt wurden die großen Taten Gottes, bzw. Christus denn Juden und explizit auch den Proselyten/Konvertiten in Jerusalem, wieder: Umkehr oder Gericht
  • ZEICHEN um die Erfüllung der Verheißung des Herrn an die Apostel (Markus 16), und den Juden die es verstanden an Israel (Jesaja28) zu bestätigen, wurde als Zeichen des Gerichts (Ablehnung von Christus) offensichtlich erkannt, da es sie entsetzte, Gottes Wort in anderen Sprachen als Hebräisch zu hören. Wenige Jahre später (66-70n.Chr) wurde Jerusalem zerstört und die Juden zerstreut.
  • SPRACHE es waren alles bekannte menschliche Sprachen und eine bewußte Verkündigung derjenigen, die in den für sie fremden und nicht erlernten Sprachen redeten bzw. predigten.

Textbetrachtung Apostelgeschichte 10,44ff

44 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. 45 Und alle Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich vor Staunen, daß die Gabe des Heiligen Geistes auch über die Heiden ausgegossen wurde. 46 Denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott hoch preisen. Da ergriff Petrus das Wort: 47 Kann auch jemand diesen das Wasser verwehren, daß sie nicht getauft werden sollten, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie wir? 48 Und er befahl, daß sie getauft würden im Namen des Herrn. Da baten sie ihn, etliche Tage zu bleiben. LUT

Situation: Petrus verkündigt das Evangelium in Judäa nachdem er von Gott auf eindrückliche Weise überzeugt worden ist (Situation Mischlinge/Samariter-Heiden). Die ersten Heiden werden zur Gemeinde hinzugefügt (in den Leib hinein getauft, 1Kor12,13) und das ohne vorherige Konvertierung zum Judentum (Beschneidung=Zeichen). Ein wenig später findet aus diesem Grund sogar ein Konzil in Jerusalem statt (Apg15).

Merkmale:

  • BOTSCHAFT Das Evangelium gilt im vollen Umfang auch den Heiden, was jedoch erst nach massiver Überzeugungsarbeit Gottes “akzeptiert” wird
  • ZEICHEN um Gottes Hinwendung zu den Völkern zu bestätigen: die Gläubigen aus den Juden mußten anerkennen, das Gott keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Heiden machte, denn sie hörten sie in anderen Sprachen reden, es war offensichtlich das sie wiedergeboren waren, da sie sichtbar den Heiligen Geist empfangen hatten.
  • SPRACHE wieder offensichtlich menschliche Sprachen, welche die Redenden zwar nicht kannten und gelernt hatten, aber den Juden bekannt waren (nicht unwahrscheinlich Hebräisch oder/und Aramäisch, ansonsten sprachen die Heiden Koine), da sie die Heiden Gott “hoch preisen” hörten.

Textbetrachtung Apostelgeschichte 19,1ff

1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die höhergelegenen Gebiete durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und als er einige Jünger fand, 2 sprach er zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber antworteten ihm: Wir haben nicht einmal gehört, daß der Heilige Geist da ist! 3 Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber erwiderten: Auf die Taufe des Johannes. 4 Da sprach Paulus: Johannes hat mit einer Taufe der Buße getauft und dem Volk gesagt, daß sie an den glauben sollten, der nach ihm kommt, das heißt an den Christus Jesus. 5 Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. 6 Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. 7 Es waren aber im ganzen etwa zwölf Männer. LUT

Situation: Paulus begegnete auf seiner Missionsreise in Ephesus einer Gruppe von Männern die sich als “Jünger” betrachteten, aber als er sie fragte, ob sie bereits mit dem Heiligen Geist getauft wären, war ihnen unbekannt, das die Ausgießung bereits geschehen ist.

Merkmale:

  • BOTSCHAFT nicht mehr die Bußtaufe des Johannes welche ein äußeres Zeichen der Identifikation mit dem gottesfürchtigen Israel war, sondern die Geistestaufe des Herrn welche zur Gemeinde hinzutat
  • ZEICHEN um den neuen Zeitabschnitt zu bestätigen: Der alte Bund ist durch den neuen Bund ersetzt, das Reden in anderen Sprachen bezeugte die verheißene Taufe des Herrn bzw. die Wiedergeburt.
  • SPRACHE wieder ist nichts anderes erkennbar, als daß es sich wohl um menschliche Sprachen und kein ekstatisches Lallen handelte, die die Redenden nicht kannten.

Predigt von Dr. W. Nestvogel über Apg19,1-7
[podcast]http://begh.podspot.de/files/2010-01-24_Apg19_1-7.mp3[/podcast]

Es existieren nun diese drei Fälle in der Apostelgeschichte in denen Menschen in anderen Sprachen (keine unbekannten Sprachen!) redeten und Gott verkündigten, jedesmal als Zeichen für die Juden, da der Glaube der Juden von Forderungen nach Zeichen gekennzeichnet war (Lk16,19-31; Joh12,37 Apg2,1-11, 10,44-46; 19,6-8, 1Kor1:22, 1Kor14:22). Und zwar einerseits als ein Gerichtszeichen für Israel (Jes28,11). Israel hat seinen Messias abgelehnt und andererseits als Zeichen der Hinwendung Gottes zu den Heiden. Die Reaktion eines Teils der Juden zu Pfingsten war dann ja auch Entsetzen (Apg2,12, Apg22,21-22). Darunter ist meines Erachtens das Sprachenreden der Heiden einzuordnen (Apg10,44-48), da es den Juden weiterhin zeigte, daß Gott auch diesen den Heiligen Geist gab bzw. diese wiedergeboren und errettet wurden.

In zweiter Hinsicht hat Gott die Sprachenrede nach Apg2,4 benutzt, um Christus zu verkündigen, zu predigen. Bei den Korinthern bemängelt Paulus später das Durcheinander der Sprachenrede und das es keiner verstand, womit dieser Zweck nicht erfüllt werden konnte. Daher kann das Reden in fremden Sprachenrede, nach meinem Verständnis, offensichtlich auch als Offenbarungsgabe, neben der Prophetie und der Erkenntnisrede eingeordnet werden. Das Neue Testament lag in den Gemeinden noch nicht vor und diese waren auf direktes Reden Gottes angewiesen.

Im 1Korintherbrief finden wir – unter dem Gesichtspunkt der Kritik an den Korinthern, sowohl bei der Anwendung wie auch der grundsätzlichen Haltung zu den Dienstgaben – eine Liste von geistlichen (Wunder/Zeichen-) Gaben, welche von den anderen Aufzählungen eklatant abweicht. Interessant und auffällig ist, daß ausschließlich die (fleischlichen) Korinther Korrektur beim Umgang mit diesen Gaben brauchten. Entweder gab es diese Gaben in den anderen Gemeinden nicht, oder es Bestand dort diesbezüglich weder Lehr- noch Korrekturbedarf.

Textbetrachtung 1Korinther 12,27[80]

27 Ihr aber seid [der] Leib des Christus, und jeder ist ein Glied [daran] nach seinem Teil. 28 Und Gott hat in der Gemeinde etliche eingesetzt, erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; sodann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, der Hilfeleistung, der Leitung, verschiedene Sprachen. 29 Sind etwa alle Apostel? Sind etwa alle Propheten? Sind etwa alle Lehrer? Haben etwa alle Wunderkräfte? 30 Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Können alle auslegen? 31 Strebt aber eifrig nach den vorzüglicheren Gnadengaben, und ich will euch einen noch weit vortrefflicheren Weg zeigen: 13,1 Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. „…“ 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. LUT

Situation: Die Gemeinde in Korinth wurde vom Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise (Apg 18) gegründet. Nachdem die dortigen Juden das Evangelium mehrheitlich ablehnten, wandte er sich den Heiden zu und blieb ca. 1 ½ Jahre. Korinth war zur damaligen Zeit ein richtiges „Sündenbabel“. Der erste Korintherbrief ist eine Antwort auf einen Brief der Korinther, in welchem diese von vielen Problemen berichteten und Lehrfragen gestellt haben.

Wenn man sich an den Anfang des Korintherbriefes erinnert, war es insbesondere für „Juden“[Matth12,39] kennzeichnend, Zeichen zu „fordern“ und nicht auf das Wort der Propheten, den Tanach, die Bibel zu vertrauen. Ihre Haltung war es, das sie erst dann glauben wollten, wenn sie Zeichen sähen. Nun wurden auch von den Korinthern, Paulus nennt sie „fleischlich“ und „Kinder im Glauben“ (1Kor3,1ff), Zeichen zu einer Hauptsache erhoben. Der 1Korintherbrief ist also in erster Linie ein Brief der Zurechtweisung und Korrektur einer konkreten historischen – und hier von Bedeutung – heidenchristlichen Gemeinde.

Die Korinther – ehemalige Götzendiener – haben das Entscheidende und Ewige mit dem Sekundären und Zeitweiligen vertauscht. Nicht die Vielfalt, sondern das Außergewöhnliche: “Zeichen”, “Wunder”, “Gaben” bzw. “Ämtern”, nicht aber die Liebe zu anderen war ihnen wichtig. Einzelne taten sich hervor und definierten sich z.B. über Ämter oder Gaben, soweit, daß es zu Spaltungen kam.

Genau dies kritisiert Paulus in 1Kor12,27ff. Nicht Gaben an sich, oder dem Wunsch Gaben zu haben wird hier kritisiert, sondern die falsche Prioritätensetzung und Intention.

  • BOTSCHAFT der Heilige Geist offenbart sich immer zum Nutzen aller, nicht jeder hat dieselbe Gabe
  • SPRACHE verschiedene Sprachen, kein Wort davon das keine menschliche Sprachen waren, welche die Redenden nicht kannten
  • ZEICHEN Es ist absolut auffällig, das in den anderen Gabenlisten (Eph4,8-12; Röm12,6-8; 1Petr4,10) die Zeichengaben und Wunderkräfte fehlen! Paulus baut hier erkennbar eine Argumentation auf, in welcher er die Prioritätensetzung der Korinther hinsichtlich der Zeichengaben – beispielhaft am Vergleich der Prophetie mit dem Reden in Fremdsprachen – und den Aposteln, dem Wort und der Liebe hinterfragt.

Ebenso wird beispielsweise bei der Erfüllung mit dem Heiligen Geist in Apg4,31; 9,17 und in Eph5,18-20 das Reden in anderen Sprachen nicht erwähnt. Nun kommen wir zu dem Kapitel in dem Paulus ausführlich seine Kritik am Beispiel der Gegenüberstellung des Redens in Fremdsprachen und der Weissagung/Prophetie festmacht.

Die einzelnen Verse des folgenden Kapitels eignen sich hervorragend dazu, diese je nach dem für oder gegen das moderne Zungenreden zu verwenden. Meiner Überzeugung kann man jedoch dieses Kapitel nicht ohne Berücksichtigung der herausgearbeiteten Merkmale aus den anderen Bibeltexten: Das daß Reden in Sprachen in allen anderen Bibelstellen eine menschliche, verständliche Sprache, mit konkreten Informationen und einem zeichenhaften Charakter ist, lesen!

Im Kapitel 13, dem schönsten Kapitel des Briefes endet Paulus mit den Worten: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.“ und leitet damit über zu den Ausführungen über das Reden in Sprachen.

Textbetrachtung 1Korinther 14

1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!
2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen.

1Kor14,2 ist, wie der gesamte Korintherbrief als Ermahnung zu verstehen. Wenn jemand in Sprachen redet und dies nicht ausgelegt wird, redet er zu Gott und niemand versteht ihn, er „erbaut“ sich nur selbst. Daher kann man nicht von zwei verschiedenen Arten des Sprachenredens, einmal als „private Auferbauung“ und das andere Mal als „Zeichen“ für die Menschen. sprechen. Nein, es ist grundsätzlich zur Auferbauung anderer Menschen gedacht, wie alle Gaben immer Dienstgaben sind (1Petr4,10). In Korinth waren nicht, wie zu Pfingsten in Jerusalem, viele Personen aus dem Ausland anwesend, man sprach grundsätzlich eine gemeinsame Sprache (Griechisch/Koine). Wenn man in der Korinther Gemeinde beispielsweise einen der in Apg2 angesprochenen Sprachen oder Dialekte gesprochen hätte, wäre dies für die Anwesenden in der Regel unverständlich, ein „Geheimnis“ geblieben. Nur Gott (und der Redende) verstanden das Gesagte.

Eine andere ebenso mögliche Bedeutung des Wortes „Geheimnis“ bezieht sich auf den Inhalt. Wir finden diverse, vorher unbekannte Wahrheiten – „Geheimnisse“ – im NT, welche durch den Heilige Geist (Joh16,13) offenbart wurden:

3 Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.

Paulus betont hier den besonderen Nutzen der Weissagung/prophetischen Rede, da diese im Gegensatz zur nicht übersetzten Sprachenrede alle erbaut! Das Wesen der Erbauung ist offenkundig informativer Natur, dahingestellt, ob es Ermahnung, Ermunterung, Offenbarung, Vorhersage oder Ähnliches darstellt.

4 Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde.

Wer in einer Fremdsprache redet, wird nicht verstanden und hat nur selber etwas davon. So wie ich diese Gabe verstehe, bekam der Redner von Gott die Fähigkeit, sich in einer nicht erlernten Sprache zu artikulieren und wurde demzufolge durch die geistliche Aussage selbst erbaut. Es soll aber prinzipiell darum gehen, daß man anderen zum Nutzen sein soll, nicht nur sich selbst. Das Reden in anderen Sprachen ist demnach keine mystische oder ekstatische Erfahrung, sondern eine sinnhafte Fähigkeit. Gott ist ein Gott der Ordnung, sein Geist hilft uns zur Selbstkontrolle/Zucht/Nüchternheit.

Roger Liebi und auch Heinz-Georg Wedel, sehen hier eine Verbindung zu einem anderen sehr bekannten Sprachwunder der Bibel: dem Turmbau zu Babel. Auch hier haben Menschen, die vorher allesamt nur eine Sprache sprechen konnten, von Gott in einem Augenblick neue, für sie fremde Sprachen erhalten in denen sie sich vollständig artikulieren konnten ohne diese Sprachen vorher erlernt zu haben.

Mit dem Gericht der Sprachverwirrung endete Gottes Wirken mit der Völkerwelt. Ein Kapitel später beginnt Gott in Abram, sein Volk, die Hebräer, Israel entstehen zu lassen und wendet sich durch die Propheten grundsätzlich an Israel und durch eine Sprache (Hebräisch). Erst zu Pfingsten zeigt Gott durch das Reden in fremden Sprachen (das Gegenteil der Sprachverwirrung), welches zeichenhaft die Sprachverwirrung aufhebt, daß er sich mit seinem Heilswirken den Nationen wieder zuwendet.

Das Reden in „neuen Zungen“ bzw. „Sprachen“ bezeugte folglich, daß Gottes Heilsbotschaft nun über den hebräisch-aramäischen Sprachraum hinausging. Kein anderes Zeichen konnte dafür geeigneter sein!

Es veranschaulichte den heilsgeschichtlichen Übergang des Heilsangebots: Beginnend bei den Juden in Apg2, ging es dann über die Samariter (Mischvolk) in Apg8 bis hin zu den Heiden (Nationen) in Apg10 – genau entsprechend der in Apg1,8 angezeigten Reihenfolge. In den Evangelien ist noch die strikte Trennung Israel’s von den Heiden erkennbar, in der Apostelgeschichte wird die Hinwendung und Öffnung zu den Nationen bzw. Heiden deutlich.

5 Ich wollte, dass ihr alle in Zungen reden könntet; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch reden könntet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, damit die Gemeinde dadurch erbaut werde.

Man kann hier sowohl mit „auslegen“, wie „übersetzen“ übersetzen. Das Reden in Sprachen ist eine Gabe Gottes und hatte ihren Platz. Der Vergleich mit der Weissagung/Prophetie deutet darauf hin, daß hier ein ähnlicher Vorgang vonstatten ging, wie z.B. bei der Inspiration der Autoren der prophetischen Bücher der Bibel, die jeweils ihre eigene Persönlichkeit und eigenen Verstand nicht verloren. Das passierte sicherlich auch nicht bei den Personen die in anderen Sprachen redeten. Ein übernatürliches, mystisches Phänomen an sich (z.B. ekstatisches Reden) erbaut nicht, sondern der Inhalt des Gesprochenen, eben entweder übersetzt, oder gleich als Weissagung, bringt geistliches Wachstum, „erbaut“. Der Apostel Paulus hebt erneut deutlich hervor, das die inhaltlich für alle verständliche Weitergabe prophetischen Redens, nicht übersetzter Rede in fremden Sprachen vorzuziehen ist.

6 Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre?

Paulus stellt hier das Reden in Sprachen in eine Reihenfolge mit verschiedenen anderen Offenbarungsgaben und macht klar, daß es um den lehrreichen Nutzen bzw. Gewinn verständlicher Information für die Gemeinde an sich gehen soll. In den folgenden Beispielen/Analogien zeigt er deutlich auf, daß Laute oder Töne an sich nutzlos sind, es nicht um seelisch-mystische Erfahrung gehen kann.

7 Verhält sich’s doch auch so mit leblosen Dingen, die Töne hervorbringen, es sei eine Flöte oder eine Harfe: wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird?8 Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten?
9 So auch ihr: wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden.

Egal ob Weissagung oder Reden in Sprachen, es ist nur dann brauchbar, wenn man weiß was gesprochen wird, wenn es verständlich ist, oder verständlich gemacht und eine geistliche Information vermittelt wird. Laute die man nicht versteht sind wertlos, egal ob für den Redenden, oder den Zuhörer.

10 Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt und nichts ist ohne Sprache.
11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen.

In anderen Übersetzungen wird hier der Begriff „Barbar“ benutzt. Dieser kommt aus dem Griechischen: bárbaros, und war die Bezeichnung im antiken Griechenland für alle, die nicht (oder schlecht) griechisch sprachen (wortwörtlich: „Stammler“). Hier fällt die Ähnlichkeit zu den „stammelnden Lippen“ auf. Die Inder verwenden das Sanskrit-Wort barbarāh (Plur.) ‚Stammler, Laller‘ zur Bezeichnung fremdartiger Völker. (deutsche Redensart: „Rhabarber Rhabarber“). Paulus variiert immer wieder ein und dasselbe Argument: Auf den Inhalt und die Verständlichkeit zum Nutzen aller kommt es an!

12 So auch ihr: da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr die Gemeinde erbaut und alles reichlich habt.

Wiederum: Wenn wir geistliche Gaben anstreben und anwenden, dann grundsätzlich dafür der Gemeinde, den Geschwistern zu dienen!

13 Wer also in Zungen redet, der bete, dass er’s auch auslegen könne.

Nach meinem Verständnis ist dieser Vers sehr einfach zu verstehen und besagt, das der, welcher in einer Fremdsprache spricht, betet, singt, dies auch übersetzen soll.

14 Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber was ich im Sinn habe, bleibt ohne Frucht.

Keinesfalls eine einfach zu verstehende Aussage, und wenn wir schon die verschiedensten, voneinander abweichenden Bibelübersetzungen wahrnehmen müssen, gibt es darüber hinaus völlig konträre Auslegungen. Hier ist grundlegend jedoch zum einen die Rede vom dem menschlichen Geist „pneuma“ (1Thess5,23; Ps77,7; Röm8,16). Und wenn vom Sinn „nous mou“ (Sinn, Bedeutung, Aussage, Aussagekraft) die Rede ist, geht es um den Verstand, das Denken und Verstehen. Der Heilige Geist inspiriert den Geist des Menschen mit bisher unbekanntem Wissen. Paulus sagt hier also, daß der Geist eines Menschen beim Reden in anderen Sprachen inspiriert betet, der Sinn, die Aussage jedoch anderen – so wie es eigentlich sein sollte – keinen Nutzen, keine Frucht bringt weil sie die Sprache nicht verstehen. Lediglich der Redner selbst wird, wie Vers 4 sagt, selbst erbaut durch das was er sagt.

15 Wie soll es denn nun sein? Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand.
16 Wenn du Gott lobst im Geist, wie soll der, der als Unkundiger dabeisteht, das Amen sagen auf dein Dankgebet, da er doch nicht weiß, was du sagst?

Der Redner weiß, was er sagt, der Sprachunkundige hingegen nicht. Der Redner kann „Amen“ sagen, wird erbaut, der sprachunkundige Hörer nicht. Dies ergibt Sinn, weil Paulus ja im gesamten Kapitel 14 den Vorzug der Prophetie gegenüber dem Reden in Fremdsprachen mit dem Argument herausstellt, das diese alle erbaut, Reden in Fremdsprachen jedoch nur den Redner selbst. Womit? Durch den Inhalt dessen was er redet.

17 Dein Dankgebet mag schön sein; aber der andere wird dadurch nicht erbaut.

Noch einmal: Wenn wir geistliche Gaben anstreben und anwenden, dann grundsätzlich dafür der Gemeinde, den Geschwistern zu dienen!

18 Ich danke Gott, dass ich mehr in Zungen rede als ihr alle.

Paulus hätte es gut gebrauchen können, da er auf seinen vielen Missionsreisen mit allen möglichen Fremdsprachen zu tun hatte (vgl. die Barbaren auf Malta [Apg 28,1], die Lykaonisch sprechenden Heiden in Lystra [Apg 14,11] etc.). Wobei hier auch an die natürlich Fremdsprachigkeit gedacht werden muß.

19 Aber ich will in der Gemeinde lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in Zungen.

In Vers 6 hat Paulus deutlich gemacht was er hier meint, Worte mit dem Verstand, verständliche Worte, sind Worte der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre. All das ist dem nicht übersetzten Reden in anderen Sprachen vorzuziehen.

20 Liebe Brüder, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen.
21 Im Gesetz steht geschrieben (Jesaja28%2C11-12″ class=“bibleserver extern“ target=“_blank“>Jesaja28%2C11-12″ target=“_blank“>Jesaja 28,11-12): »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch so nicht hören, spricht der Herr.«

Wenn Juden vom „Gesetz“ bzw. von den „Weisungen“ sprachen, wurde damit der gesamte Tanach, das AT gemeint. Hier wird die Stelle, die wir als erstens angesehen haben zitiert: Jes28,11-12. Die Prophezeiung hat sich einmal vor 700 Jahren erfüllt (Naherfüllung) und zu Pfingsten in Jerusalem (Fernerfüllung). Ich sehe hier die wichtigere Bedeutung, da Gott schon damals wußte, daß Israel Christus den Eckstein (Jesaja 28,16) ablehnen würde. Es ist also ein Zeichen des Gerichts (Israel lehnte den Messias ab und nur ein Überrest von 3000 Menschen bekehrte sich zu Pfingsten) gewesen, aber darüber hinaus auch ein Zeichen der Hinwendung zur gesamten Schöpfung (Mk16,15ff): Gott sprach zu den Juden in Jerusalem in vielen fremden Sprachen und Dialekten.

Die Juden konnten das Sprachwunder biblisch einordnen, die Heidenchristen und ehemaligen Götzendiener in Korinth jedoch nicht, daher der konkrete Hinweis von Paulus auf Jesaja28,11. Er erklärt den Korinthern hier den Zweck dieser Gabe:

22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.

So wie bereits die Jesajastelle angedeutet hat und in Markus 16 zu lesen war, stellt Paulus hier auch noch mal fest, das diese Gabe zu den Zeichen zu zählen ist und eben keine private Gebetssprache der Gläubigen war, sondern von Gott ausdrücklich für Ungläubige bestimmt war, für die Ungläubigen aus Israel.

23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen?

Der Zusammenhang zu dem Ereignis in Jerusalem bzw. der Jesajaprophetie wird hier ganz offenkundig. Die Juden welche die Sprachen nicht verstanden haben, werden die so Redenden für betrunken, also von Sinnen halten.

24 Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt;
25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.

Prophetie/Weissagen kommt von „propheteuo“; und bedeutet etwas gerade “herauszusprechen”. Prophetie ist jedoch keinesfalls mit “Offenbarung” gleichzusetzen, sondern ist das Reden von bzw. für Gott. Wenn aus der Heiligen Schrift vorgelesen oder zitiert wird, ist das nichts anderes als prophetische Rede, jedoch keine aktuelle , oder neue Offenbarung. Offenbarung vollzieht sich in einem geistgewirkten (theopneustos) Vorgang, bei dem der jeweilige Prophet oder Apostel das Geheimnis (was Christus betrifft) von Gott enthüllt bekam. Prophetie ist dann “lediglich” der darauf folgende, äussere Vorgang, die Rede, das niedergeschriebene Dokument die prophetische Schrift. etwas das bis dahin nicht bekannt, verborgen war und durch den Propheten ans Licht gebracht wird.

26 Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!27 Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus.
28 Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott.
29 Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst darüber urteilen.
30 Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der Erste.
31 Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden.
32 Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.
33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens. Wie in allen Gemeinden der Heiligen

Hier spricht Paulus konkret in die Situation der historischen Korinther Gemeinde hinein. Der Ablauf der Versammlungen war offensichtlich von Unordnung und – wie wir zu Beginn des Briefes lesen – von Streit geprägt. Egal ob Prophetie oder Botschaften in Sprachen, beides sollte erstens nicht durcheinander, nicht in zu großer Menge weitergegeben werden. Die prophetischen Botschaften bedurften der Korrektur, die in fremden Sprachen der Übersetzung, zudem ist man hinsichtlich der Menge des Gesagten nur bedingt aufnahmefähig. Etwas ist dann „untertan“ wenn man es kontrollieren kann, weiß was man sagt und tut. Wir sollen uns beherrschen, haben einen Geist der Selbstbeherrschung und Zucht bekommen und sollen nüchtern sein. Daher konnte man sich auf keinen Fall darauf berufen, der Geist hätte einen dazu gedrängt Dinge überhaupt zu sagen bzw. man habe nicht schweigen können.

34 sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.
35 Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden.
36 Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist’s allein zu euch gekommen?
37 Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder vom Geist erfüllt, der erkenne, dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe.
38 Wer aber das nicht anerkennt, der wird auch nicht anerkannt.
39 Darum, liebe Brüder, bemüht euch um die prophetische Rede und wehrt nicht der Zungenrede.
40 Lasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen.

Fazit

Das Reden in fremden Sprachen war die Befähigung eines Menschen durch Gott, in einer, oder mehreren nicht erlernten Fremdsprachen zu sprechen.

Als Zeichen hatte es zwei Funktionen. Zum einen als Gerichtszeichen für den ungläubigen Teil Israels, zum andern als Gnadenzeichen für die Nationen. Hier geschah eine zeichenhafte Umkehrung des ersten biblischen Sprachwunders in der Bibel, der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel.

Eine weitere Funktion war offensichtlich, zur Auferbauung der Gemeinde zu dienen, mußte daher zwingend übersetzt werden. Entweder durch die Person selbst, der ja verstand was er sagte, oder eine andere, welche von Gott dazu befähigt wurde. In diesem Fall hatte diese Gabe dieselbe Qualität wie die Weissagung/Prophetie.

Diese Zeichen- und Offenbarungsgabe existiert meiner Meinung nach heute grundsätzlich nicht mehr, da kein Erfordernis mehr dafür existiert. Die heilsgeschichtliche Situation in der damals entstehenden Urgemeinde war eine völlig andere als heute, eine Zeit des Umbruchs. Letztlich bleibt Gott der Souverän und der Geist teilt aus wie er will, aber weder die Zeichenfunktion wird heute gebraucht, noch als Offenbarungsgabe besteht eine Notwendigkeit, da wir die vollständige Offenbarung dessen, was Gott uns hier und heute offenbaren wollte, vorliegen haben in dem vollständigen Wort Gottes. Das was in den Pfingstgemeinden und der charismatischen Bewegung als “Sprachenrede” praktiziert wird, ist nach meinem Verständnis zu fast 100% eine “Spontansprache” (ich dachte selber über zwanzig Jahre in anderen Sprachen zu reden…).

Persönliches Nachwort

Man mag nun fragen, wie ich zu dieser neuen Sichtweise gekommen bin, da doch eine ganze Biographie in Frage gestellt ist. Nach meinem Verständnis existiert ausschließlich eine verbindliche Norm (norma normans) an der sich alles zu orientieren hat – unabhängig von dem was Menschen denken, der eigenen Glaubwürdigkeit und all dem was ich bisher für Richtig hielt – Gottes Wort!

Die Veränderung meiner Position vollzog sich letztlich in einem Prozeß, der über mehrere Jahre andauerte. Anfangs eher schleichende, mit der Zeit immer stärker aufkommende Zweifel an bisher unkritisch übernommenen Glaubenssätzen. Begonnen hat alles mit der Erkenntnis über die eklatante Diskrepanz zwischen dem Anspruch und der Realität innerhalb der pfingstlichen und charismatischen Bewegung. Heilungsversprechen, Prophetien die sich nicht erfüllten, nichtbiblische Praktiken und Lehren.

Dazu kamen viele Gespräche mit Geschwistern deren Position ich anfänglich keineswegs teilte, denen ich widersprach, deren Argumentation mich aber immer tiefer in die Beschäftigung mit dem Wort Gottes zu diesem Thema führte.

Die wesentlichen Grundzüge des hier vorliegenden Ausarbeitung geht vor allem auf das intensive Studium der Schrift zurück, viele Anregungen, hilfreiche Argumente und weiterführende Gedankengänge, bis hin zu völlig neuen Sichtweisen habe ich jedoch diversen hilfreichen Büchern, Aufsätzen und Arbeiten[1] der unterschiedlichsten Standpunkte entnommen, auf die ich im Einzelnen nicht weiter hingewiesen habe, die ich aber nicht unerwähnt lassen möchte.

Wichtig bei alledem ist und bleibt, daß ich mich weiterhin mit meinen Geschwistern besonders in der Pfingstbewegung verbunden weiß, auch wenn unterschiedliche Positionen vorhanden sind. Wichtig ist mir weiterhin, daß ich Rechenschaft[1Petr3,15] ablege über das, was ich erkannt habe.

sdg
apologet

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Wolfgang Bühne, „Die Propheten kommen“
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Werner Bartl, „Hinter den Kulissen – Toronto – Segen oder Fluch ?“
Roger Liebi, „Sprachenreden oder Zungenreden?“
Fritz Wolf, „Warum ich kein Charismatiker mehr bin“

15 Kommentare

  1. Moin Apologet,

    ein sehr interessanter Beitrag! Leider habe ich momentan nicht die Gelegenheit, Satz für Satz darauf einzugehen.
    Deshalb „meine Knackpunkte“ kurz aufgezählt:

    Beim „Urpfingsten“ Apostelgeschichte 2 hatte das Sprechen in – irdischen Sprachen, die der Sprecher selbst nicht gelernt hatte, eine „Beweisfunktion“ für die Zuhörer von außerhalb: Hier wurde ihnen verkündet, was die Sprecher ihnen (ohne den heiligen Geist) nicht hätten in ihrer Sprache vermitteln können. Das war – für die Zuhörer – ein Wunder oder für die (sich irrenden) damaligen Skeptiker ein Zeichen von „Trunkeheit“.

    Im Korintherbrief geht es um etwas anderes. Dort spielt sich alles innerhalb der Gemeinde ab.
    Paulus empfiehlt zwar das Streben nach den Gaben des Heiligen Geistes, predigt dies aber im Kontext zu einer Gemeinde, die es im Bestreben der einzelnen, möglichst „supernatural“ zu wirken, völlig übertreibt.

    Wenn Paulus sagt, er spreche (im stillen Kämmerlein) mehr in anderen Zungen, als alle anderen zusammen, will er sich nicht herausstellen. Sondern sagen, dass dies Phänomen etwas ist, was keiner Übersetzung bedarf (und deshalb dahingestellt sein kann, um welche Sprache es sich handelt. Das ist etwas direkt zwischen Mensch und Gott.

    Warum es so etwas heute nicht mehr geben soll, ist wohl mehr „Ansichtssache“. Dass – wie Paulus – ein Individuum etwas unbeobachtet „spricht“, was nur Gott versteht – dieses Geschehen könnte auch heute noch bestehen.

    Anders dagegen heutiges „öffentliches“ Reden in anderen Sprachen. Im Pfingstlich-Charismatischen Lager scheinen viele den Korintherbrief nicht zu Ende zu lesen. Heißt, dass „echtes“ öffentliches Reden in anderen Sprachen schon einer Auslegung für alle bedarf – wenn es nicht gerade in einer Sprache erfolgt, die ein Anwesender „Ausländer“ verstehen kann. Gerade das kommt heute praktisch nicht vor. Also weder Auslegung noch Verständnis durch Fremdsprachler. Womit zumindest diese „öffentliche praktizierte Variante“ regelmäßig scheitert.

    Doppelt problematisch sehe ich dagegen die Wertung beim „Sprachengebet im stillen Kämmerlein“. Einmal, weil hier kaum ein Maßstab existiert, um (für sich allein) zu prüfen, ob dies echt oder Selbstsuggestion ist. Andererseits, weil das oft gehörte Postulat „das gibt es heute nicht mehr“ auch nicht mehr als eben diese subjektive Feststellung von Theologen ist, die das entsprechende Ergebnis von vorn herein ablehren.

    Fazit: Ich kann von beiden Seiten vom Pferd fallen.
    Einmal, indem ich jede Art von Sprachengebet anerkenne, egal. Ob es für Dritte verständlich oder zumindest auslegbar ist.
    Andererseits, indem ich alles verleugne, auch wenn es nur einzelne Individuen „privat“ betrifft“.

    Vielleicht haben „wir“ uns – von „Lutheranern und Reformierten“ bis hin zu „Pfingstlern“ in unseren Lehren auch nur soweit von allem entfernt, dass wir vor lauter „pro“ und „kontra“ den eigentlichen Sinn dieser biblischen Phänomene verloren haben?

    Vielleicht wäre es sinnvoller, „öffentliche“ Zungenrede danach zu prüfen, ob natives Sprachverständnis bei der Zuhörerschaft vorhanden ist, oder zumindest eine glaubwürdige Auslegung – und wenn nicht, diese „Rede“ komplett und unmissverständlich zu verwerfen?

    Gottes Segen

    Heiko

  2. Hallo Heiko,
    es existieren grundlegend zwei unterschiedliche Lager. Das eine geht von der heutigen Existenz modernen Propheten, Zungenredner, Zeichen und Wundern etc. aus, die anderen nicht:

    1. Cessationisten -> lehren, daß die apostolischen Gaben wie die Prophetie oder das Zungenreden mit dem Sterben der Apostel aufgehört haben zu existieren.
    2. Charismatiker/Pfingstler -> lehren, daß diese Gaben fortdauernd existent wären.

    Ich gehöre als reformierter Christ zum ersten Lager und bestreite die fortdauernde Existenz der Zeichen- und Offenbarungsgaben. Wir haben das prophetische Wort.

    Die zweite Position ist ein modernes Phänomen bzw. in der Kirchengeschichte auf Sekten und einzelne Mystiker begrenzt.

    Deine Unterscheidung von zwei verschiedenen Versionen der „Sprachenrede“ ist aus der Schrift so nicht abzuleiten.

    1Kor14,2 ist, wie der gesamte Korintherbrief als Ermahnung einer Gemeinde mit diversen Problemenzu verstehen. Wenn jemand in Sprachen redet und dies nicht ausgelegt wird, redet er zu Gott und niemand versteht ihn, er „erbaut“ sich nur selbst.

    Man kann nicht von einer zweiten Art des Sprachenredens, einmal als private Auferbauung im „stillen Kämmerlein“ und das andere Mal als öffentliches Zeichen“ für die Menschen. sprechen. Das sagt Paulus an keiner Stelle.

    Nein, es war grundsätzlich als Zeichen für die Ungläubigen, oder eben, ausgelegt zur Auferbauung anderer Menschen gedacht, wie alle Gaben immer Dienstgaben sind (1Petr4,10).
    sdg
    apologet

  3. Moin Apologet,

    viele Deiner Gedanken schwirren mir auch im Kopf herum.
    Hier meine Knackpunkte:
    Beim „Urpfingsten“ ist für mich klar, dass in realen, weltlichen Sprachen geredet wird – den alles richtet sich als Zeichen an die Besucher Jerusalems, die die Botschaft in ihrer jeweiligen „Muttersprache“ verstanden, obwohl sie von weither zum Fest angereist waren. Hätten alle Juden dies als nur eine Sprache verstanden, hätte wohl niemand gefragt, ob die Sprecher betrunken seien – dann hätten es ja alle in derselben Sprache verstanden.

    Nun zu den Korinthern. Ginge es dort tatsächlich darum, dass weiter in realen Fremdsprachen gesprochen wird, die der Sprecher selbst nicht gelernt hat – warum benutzt Paulus, immerhin ein rhetorischer Florettfechter, den Terminus „Auslegung“ und nicht „Übersetzung“?
    Bin kein Altsprachler und weiß nicht, inwieweit die damaligen Ausdrücke dafür unterschiedlich waren. „Auslegung“ ist für mein Verständnis das Kommunizieren einer Botschaft, die nicht direkt übersetzbar ist.
    Vielleicht irre ich mich da?
    Hätte Paulus von „Übersetzen“ gesprochen, wäre die ganze „Zungenrede“ ein einheitliches Phänomen.

    Gottes Segen

    Heiko

  4. Hallo Heiko,
    Paulus verwendet den Begriff „διερμηνευω=diermēneuō“ was mit „auslegen“, „erklären“, „verdolmetschen“ oder „übersetzen“ übersetzt werden kann. Ansonsten bin ich auf Deine Knackpunkte eigentlich schon im Artikel selbst eingegangen.
    sdg
    apologet

  5. Moin Apologet,

    richtig, mir fehlte die altsprachliche Sprachkenntnis dazu.
    Danke, dass das „Übersetzen“ offenbar schon in der Wortbedeutung enthalten ist.
    Dennoch habe ich noch einige vertiefte Fragen im Zusammenhang von Apostelgeschichte und 1. Korintherbrief.
    Weil dein Artikel sehr komplex ist (gehört zu den besten, die ich bisher gelesen habe), gehe ich in den nächsten Tagen alles von oben nach unten durch.
    Auslassen werde ich allerdings die leider viel verbreiteten Pfingst-These, Zungenrede sei quasi „Zwangsbestätigung“ der „Geistestaufe“ (auch da gibt es im Pfingstlager seltene ausnahmen…) – diese These halte ich persönlich für abwegig.
    Genausowenig gehe ich auf die – in charismatiscvhen Kreisen beliebte – „geistliche Kriegsführung“ ein, mit der ich ohnehin auf Kriegsfuß“ stehe.

    Also demnächst mehr 😉

    Gottes Segen

    Heiko

  6. Moin apologet,

    nichts gegen Foren – aber bisher habe ich noch niemanden getroffen, der die entsprechenden Bibelstellen so gut seziert hat, wie Du.
    Das gibt bessere Möglichkeiten, im Detail einzuhaken, ohne den Überblick zu verlieren.
    Deshalb erhoffe ich mir gerade von Dir ein Feedback.
    Also werde ich zunächst lieber hier posten – auf ein Forum umschwenken könen wir ja immer noch. Mir geht es nicht um Streiten, sondern um Verständnis – da sind Foren manchmal kontra-produktiv… 😉

    Gottes Segen

    Heiko

  7. Hallo Heiko,
    in meinem Artikel habe ich ja auf diverse Quellen hingewiesen. Habe also nur bedingt selbst „seziert“ 😉 . Ich werde Dir keineswegs ausweichen – auch wenn ich ein Forum wie dieses für geeignet halte. Da gibt es einige User von denen ich eine Menge gelernt habe.
    sdg
    apologet

  8. Moin Apologet,

    ich gehe jetzt etwas vertiefter auf Deinen sehr interessanten und gut durchgearbeiteten Beitrag ein. Sicherheitshalber: Nicht etwa als advocatus diaboli (aus Sicht der Pfingstbewegung), sondern weil der Bereich viele Knackpunkte hat, die ich immer noch zu durchschauen versuche…

    Zitat apologet:
    Im Neuen Testament wird einige, wenige Male ein Phänomen thematisiert, welches für sich genommen, als nicht besonders spektakulär zu bezeichnen ist: Das Reden in Fremdsprachen. (…)
    Was man zunächst feststellt, wenn man sich diesem Thema nähert ist, dass im Wesentlichen sechs Bibelstellen, und ein ganzes Kapitel zu diesem Thema existieren. Das ist nicht wirklich viel. Zudem das Kapitel 14 des 1Korintherbriefes eine Kritik am Umgang mit dieser Thematik darstellt.
    Zitat Ende.

    Da legst Du schon gleich mit einer unterschwelligen Gesamtwertung los 😉
    Sollte es göttliche „Zeichen“ (darunter ordnest Du es ja später ein) geben, die schon per se „unspektakulär“ sind? Aus meiner Sicht wäre das so wie ein „ unbeachtliches Allerweltswunder“. Zumindest beim Pfingstereignis wurden die meisten Zuhörer „bestürzt“ und „entsetzten sich aber alle“ (Apg 2, 6+7)
    Und zum Umfang der biblischen Ausführungen: Hätte Paulus derart detailliert auch zum Thema Taufe geschrieben, gäbe es da heute vielleicht weniger Streit (oder doch noch mehr?).

    Zitat apologet:
    Textbetrachtung Markus 16,15ff
    Dies ist eine Prophetie für die Apostel. Von der Erfüllung dieser Prophetie lesen wir bereits in Vers 20 (bereits Vergangenheit, s. a. Heb2,4)! Auch die Parallelstelle in Lukas 24,48 zeigt, daß hier explizit die Apostel gemeint sind.
    Er sendet an dieser Stelle konkret die anwesendes Apostel mit einem Missionsauftrag aus, um erstens das Evangelium der gesamten Schöpfung zu verkündigen [BOTSCHAFT] und verbindet dies zweitens mit einer Prophetie über begleitende ZEICHEN, zu welchen neben dem Austreiben von Dämonen (Apg16,18), Schlangen aufheben (Apg28,5), Schwachen die Hände aufzulegen (Apg9,12) eben auch drittens das Reden in FREMDSPRACHEN (Apg2,4) gehörte.
    Zitat Ende.

    Frage: Aber warum schreibt Paulus den Korinthern dann nicht, dass diese etwas tun, was nur den Aposteln zusteht? Warum fordert er sie dagegen noch zum Reden in Fremdsprachen auf?
    1. Kor 14,5: Ich möchte aber, dass ihr alle in Sprachen redet, mehr aber , dass ihr weissagt. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, dass er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfange.
    Hier empfiehlt Paulus nicht die Weissagung allein, sondern auch das Reden in Sprachen das er allerdings als nachrangig ansieht.
    Mein Ausgangspunkt ist die Frage, ob es in der Apostelgeschichte und im 1. Korintherbrief dasselbe – oder ein unterschiedliches Phänomen it. Und ob dieses heute noch vorkommt.
    Dabei ist mir bewusst, dass es einerseits „Glaubenstheoretiker“ gibt, die sich vor der Praxis scheuen, wie auch „Erfahrende“, die ihre (vermeintliche?) „Erfahrung“ nicht überprüfen.

    Zitat apologet:
    Textbetrachtung Apostelgeschichte 2,1ff
    • SPRACHE es waren alles bekannte menschliche Sprachen und eine bewußte Verkündigung derjenigen, die in den für sie fremden und nicht erlernten Sprachen redeten bzw. predigten.
    Zitat Ende.

    Richtig, es waren hier wirklich bekannte Sprachen – sonst hätte das Zeichen ja auch nicht funktioniert. Das ist auch mein Hauptknackpunkt an Schilderungen aus dem Pfingstbereich. Mir ist persönlich (!) kein (nachweisbarer!) Fall bekannt, bei dem jemand in der Neuzeit in einer nicht erlernten, realen Fremdsprache geredet hat. Auf Hörensagen gebe ich da nicht allzu viel….
    Wenn schon die alten Zeichen immer noch aktiv sind, müsste es nicht nur eine persönliche Gebetssprache, sondern auch das Reden in – von anderen verständlichen – Fremdsprachen geben. Der Teil wird in der charismatischen Bewegung „untergebuttert“.
    Ob wirklich „bewusst“ gesprochen wurde, geht – (1. Kor. 14, 16) nicht klar daraus hervor, wenn es sich überhaupt um dasselbe Phänomen handelt. Frage: ist das „Verständnis“ der Botschaft hier aus Sprecher- oder Zuhörersicht gemeint?

    Zitat apologet:
    1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die höhergelegenen Gebiete durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und als er einige Jünger fand, 2 sprach er zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie aber antworteten ihm: Wir haben nicht einmal gehört, daß der Heilige Geist da ist! 3 Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber erwiderten: Auf die Taufe des Johannes. 4 Da sprach Paulus: Johannes hat mit einer Taufe der Buße getauft und dem Volk gesagt, daß sie an den glauben sollten, der nach ihm kommt, das heißt an den Christus Jesus. 5 Als sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus. 6 Und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. 7 Es waren aber im ganzen etwa zwölf Männer. LUT
    Situation: Paulus begegnete auf seiner Missionsreise in Ephesus einer Gruppe von Männern die sich als “Jünger” betrachteten, aber als er sie fragte, ob sie bereits mit dem Heiligen Geist getauft wären, war ihnen unbekannt, das die Ausgießung bereits geschehen ist.
    Zitat Ende.

    Frage: Diese Jünger „betrachteten“ sich als solche – waren sie es tatsächlich? Wurde der Heilige Geist nur unter den Anwesenden beim Pfingstereignis ausgegossen? Oder auch noch unter den „echten“ Jüngern?

    Zitat apologet:
    In zweiter Hinsicht hat Gott die Sprachenrede nach Apg2,4 benutzt, um Christus zu verkündigen, zu predigen. Bei den Korinthern bemängelt Paulus später das Durcheinander der Sprachenrede und das es keiner verstand, womit dieser Zweck nicht erfüllt werden konnte. Daher kann das Reden in fremden Sprachenrede, nach meinem Verständnis, offensichtlich auch als Offenbarungsgabe, neben der Prophetie und der Erkenntnisrede eingeordnet werden. Das Neue Testament lag in den Gemeinden noch nicht vor und diese waren auf direktes Reden Gottes angewiesen.
    Zitat Ende.

    Diese Sicht ist so nicht zwingend. Die Gemeinden waren nicht nur auf das direkte Reden Gottes angewiesen – die Apostel haben ja Kontakt gehalten. Mit u.A. genau den Briefen, die wir heute im NT lesen können. Auch wenn nicht alle Briefe der Apostel an uns überliefert sind, gab es schon damals dieses wichtige Korrektiv.
    „1. Kor 14,3: Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid?“
    Der Vers passt nicht so ganz dazu, dass Sprachenrede (innerhalb der Gemeinde) sich von Vornherein nur an Außenstehende richtet. Die Außenstehenden werden nicht als Zielgruppe vorausgesetzt, sondern als Menschen, die „dazukommen“. Hier geht es klar um Fremdsprachenrede innerhalb der Gemeinde.

    Paulus (der wirklich klar mit Worten umgehen konnte) sagt ja gerade nicht:
    „Liebe Korinther, Fremdsprachenrede ist allein ein Zeichen für Ungläubige – deshalb hat sie in der Gemeinde nichts zu suchen. Es sei denn, dass ein auswärtiger Ungläubiger anwesend ist und Gott ihn dieses Zeichen erkennen lässt“

    Nein Paulus bemängelt zuerst die Fremdsprachenrede ohne Auslegung – das richtet sich aber an die Gemeinde. Denn die bedarf ja keines Zeichens – sondern „nur“ der Vermittlung der Botschaft der Rede. Gehen wir dagegen davon aus, dass die Situation dieselbe wäre, wie in Apg 2,4 – sollte dass die Fremdsprachenrede nicht nur dann (ungeplant) erfolgen, wenn Auswärtige anwesend sind, und dann auch in deren Sprache geschehen, so dass diese alles verstehen? Denn die aktuelle Gabe ist ja von Gott, dem Allwissenden der jeden Anwesenden kennt.

    „1.Kor 14, 24 Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; 25 das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist.“

    Innerhalb der Versammlung werden Außenstehende durch Weissagung „überführt“. Trotzdem sagt Paulus nicht, dass Sprachenrede in der Versammlung generell nichts zu suchen hat – es gibt ja noch die Möglichkeit der Auslegung. Letztlich verneint Paulus nur die innergemeindliche Sprachenrede ohne Auslegung. Für Dritte gibt es in diesem Zusammenhang die Weissagung.

    Zitat apologet:
    Interessant und auffällig ist, dass ausschließlich die (fleischlichen) Korinther Korrektur beim Umgang mit diesen Gaben brauchten. Entweder gab es diese Gaben in den anderen Gemeinden nicht, oder es Bestand dort diesbezüglich weder Lehr- noch Korrekturbedarf.
    Zitat Ende.

    Soweit Du ausschließlich ein Problem oder Phänomen der Korinther ausmachst, halte ich diese Wertung für sehr zweifelhaft. Gott hat längst nicht alle Briefe der Apostel in der Bibel überliefert. Nur diejenigen, die für uns beispielhaft wichtig sind. Die verschiedenen Briefe an Gemeinden mit Problemen gehen primär auf den lokalen Handlungsbedarf ein. Gleichzeitig zeigen das auf, was auch andere Gemeinden betreffen kann. Hätte Paulus etwa seinen wundervollen Römerbrief nur an die Gemeinde in Rom geschrieben, weil das Thema für alle anderen „selbstverständlich“ war? Auch in den sieben Sendschreiben aus der Offenbarung an Johannes spricht Jesus verschiedene Gemeindeprobleme an. Sollten auch diese nur für die genannten Gemeinden gelten – und wirklich nirgendwo anders vorkommen? Übrigens fordert Paulus die Korinther sogar zur Sprachenrede auf und verweist darauf, dass er selbst mehr in Fremdsprachen spricht, als alle anderen.

    Zitat apologet:
    Textbetrachtung 1Korinther 12,27
    28 Und Gott hat in der Gemeinde etliche eingesetzt, erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; sodann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, der Hilfeleistung, der Leitung, verschiedene Sprachen. 29 Sind etwa alle Apostel? Sind etwa alle Propheten? Sind etwa alle Lehrer? Haben etwa alle Wunderkräfte? 30 Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Können alle auslegen? 31 Strebt aber eifrig nach den vorzüglicheren Gnadengaben, und ich will euch einen noch weit vortrefflicheren Weg zeigen: 13,1 Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. „…“ 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. LUT
    (…) Nun wurden auch von den Korinthern, Paulus nennt sie „fleischlich“ und „Kinder im Glauben“ (1Kor3,1ff), Zeichen zu einer Hauptsache erhoben. Der 1Korintherbrief ist also in erster Linie ein Brief der Zurechtweisung und Korrektur einer konkreten historischen – und hier von Bedeutung – heidenchristlichen Gemeinde.
    Die Korinther (…) haben das Entscheidende und Ewige mit dem Sekundären und Zeitweiligen vertauscht. Nicht die Vielfalt, sondern das Außergewöhnliche: “Zeichen”, “Wunder”, “Gaben” bzw. “Ämtern”, nicht aber die Liebe zu anderen war ihnen wichtig. Einzelne taten sich hervor und definierten sich z.B. über Ämter oder Gaben, soweit, daß es zu Spaltungen kam.
    Genau dies kritisiert Paulus in 1Kor12,27ff. Nicht Gaben an sich, oder dem Wunsch Gaben zu haben wird hier kritisiert, sondern die falsche Prioritätensetzung und Intention.
    Zitat Ende.

    Das ist der springende Punkt. Und da liegt auch die große Schwachstelle moderner „charismatischer“ Gemeinden. Wunder-Orientiertheit, starkes Verlangen nach ständigen übernatürlichen Erlebnissen und „Vollmacht“ stehen im Vordergrund. Aber die Liebe zum Nächsten fehlt oft – und damit überhaupt der Grund für den Einsatz von Gaben des Heiligen Geistes. Diese dienen ja nicht als Selbstzweck oder als Special Effects für eine Fromme Show. Heute würde Paulus den Brief wohl mit „Liebe Pfingstler“ einleiten…
    1Kor 13,1 Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. „…“
    Genau das richtet sich an die „Sprachbegabten“ Korinther. Aber auch wir sollten die Ohren spitzen. Denn jede Glaubensrichtung hat so ihre eigenen „Eigenheiten“. Lesen wir mal weiter:

    „1Kor 13, 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.“ LUT
    Diese Liebe geht heutzutage übrigens auch anderen verloren. Da gibt es auch mal „Pfings-Fresser“, die sich Ihrer Erkenntnis, reinen Lehre, ihres Bibelwissens, Ihres sozialen Engagements oder Ihrer Glaubensstärke rühmen. Aber ohne die Liebe (auch zum Nächsten) ist alles letztlich zweckfrei.

    Mir fallen in der modernen Anwendung des 1. Korintherbriefes zwei „merkwürdige“ Ansätze auf.
    1. Charismatiker lesen offenbar fast nur die Aufforderung zum Streben nach den Gaben des Heiligen Geistes, insbesondere der „Sprachenrede“ heraus. Dabei „übersehen“ sie den Kontext, dass Paulus alles einer Gemeinde schreibt, die Missbrauch treibt und vor lauter Wundersucht den Sinn des Ganzen vergessen hat. Die Hinweise zur „richtigen Anwendung“ werden kaum zitiert.
    2. Anti-Charismatiker (nenn ich mal so) suchen in ihrem Bestreben, den Unsinn der Charismatiker aufzuzeigen, auch gleich alle erwähnten Gaben des Geistes per se als rein lokale Phänomene oder Irrungen abzutun, die für andere Gemeinden nicht existent oder relevant gewesen seien.

    Beides geht m.E. daneben. Paulus geht es um drei Themen, die sich bei den Korinthern verbinden:
    1. Bestimmte Gaben des heiligen Geistes
    2. Vermeidung von Missbrauch
    3. Herzenshaltung

    Zitat apologet:
    Die einzelnen Verse des folgenden Kapitels eignen sich hervorragend dazu, diese je nach dem für oder gegen das moderne Zungenreden zu verwenden. Meiner Überzeugung kann man jedoch dieses Kapitel nicht ohne Berücksichtigung der herausgearbeiteten Merkmale aus den anderen Bibeltexten: Das daß Reden in Sprachen in allen anderen Bibelstellen eine menschliche, verständliche Sprache, mit konkreten Informationen und einem zeichenhaften Charakter ist, lesen!
    Zitat Ende.

    Dem kann ich nur zustimmen! Allerdings sollte man beim Zerlegen und dem Bezugnehmen auf andere Bibelstellen nicht den Gesamttext des Briefes aus den Augen verlieren. Paulus konnte seine Briefe gekonnt aufbauen und auf den Punkt bringen. Das ist weit mehr als allgemeine Prosa, die nur im Zusammenhang mit anderen Informationen wirklich verständlich wird.

    Hoffentlich schaffe ich es noch, detaillierter auf Deine weiteren Ausführungen einzugehen.

    Gottes Segen

    Heiko

  9. Hallo Heiko, es kommt offensichtlich ganz darauf an, was der einzelne mit den Begriffen „Sprache“ bzw. „Zeichen“ verbindet. Vorweg: Vielen Dank für das Kompliment, aber „gut durchgearbeitet“ erscheint er Dir wohl vor allem, weil ich versuche nah am Text zu bleiben und Vers für Vers untersuche. Liegt demnach weniger an mir, als an der Vorgabe des Textes.

    Die von mir gewählte Überschrift deutet ja bereits an, das wer von vornherein ein mystisches Phänomen erwartet, ein solches finden wird. Ohne nachhaltigen Rückhalt in der Schrift gehen manche von einem heidnisch-ekstatischen Phänomen aus, legen damit jedoch etwas in den Text hinein. Solche obskuren Praktiken sind sowohl aus historischen, wie auch zeitgenössischen Kulten bekannt. Das hat sicher etwas außergewöhnlich-spektakuläres. Wenn man jedoch – wie ich es versucht habe – einfach nur den Text betrachtet, stellt man fest, daß es unzweifelhaft normale respektive verständliche menschliche Sprachen gewesen sind.

    Die Funktion als „Zeichen“ besaß dieses Phänomen ohnehin ausschließlich für (ungläubige) Juden. Allein diese konnten diese als solche überhaupt erkennen, da bei diesen die notwendige Kenntnis vorhanden war. Deshalb auch das konkrete Jesaja-Zitat in 1Kor14:21.
    Aus eben diesem Grund auch das Entsetzen der Juden zu Pfingsten. Weder sinnlos rumbabbelnde oder betrunken fallende Personen hatten eine solche Wirkung gehabt, aber als Gerichtszeichen war das Reden in anderen Sprachen aus dem Buch Jesaja bekannt. Es existierte eine grundsätzliche kritisch-religiöse Trennung zwischen Juden und Heiden. Das Wort Gottes war allein dem Volk Gottes vorbehalten und nun wurde dieses in den bekannten Sprachen der unreinen, ungläubigen Völker verkündigt. Das hatte Jesaja vorhergesagt als ein Gerichtszeichen für ein unbußfertiges Volk.

    Kleiner Exkurs zum Thema „Zeichen„: Zeichen und Wunder sind nicht dasselbe. Zeichen erfüllen eine bestimmte Funktion, sind Aus- bzw. Beweis göttlicher Sendung. Legitimieren sowohl den Botschafter als auch die Botschaft. Hatten jedoch noch nie die Aufgabe rettenden Glauben zu wirken.

    Zum Thema „Umfang„. Damit deute ich lediglich an, daß eine Betonung dieses Themas nicht im Verhältnis zur biblischen Gewichtung steht. Die wenigen Stellen behandeln dieses Thema zudem primär nicht lehrmäßig, sondern schlicht als Wiedergabe einer Begebenheit, oder eben als Ermahnung bzw. Korrektur.
    Das Taufthema geht erstens auf eine klare und grundsätzliche Anweisung Christi zurück und wird in diversen Briefen lehrmäßig behandelt.

    Wie gesagt… insbesondere Pfingstler & Charismatiker lesen dieses Kapitel völlig anders… Der gesamte 1Korintherbrief ist ein Mahn- und Korrekturbrief. In Kapitel 12 wird das Reden in Fremdsprachen und deren Übersetzung an letzter Stelle der geistlichen Gaben genannt, in vergleichbaren Aufzählung (bspw. Röm12) werden diese überhaupt nicht erwähnt, in Kapitel 13 der Vorrang der Liebe verdeutlicht bzw. das allmähliche Verschwinden angekündigt.

    Der griechische Begriff „pauō“ der in 1Kor1,8 für „aufhören“ steht: „Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören (pauō) wird und die Erkenntnis aufhören wird.“, bedeutet = aufhören, abklingen (vgl. das allmähliche Abklingen des Tumultes in Ephesus, Apg 20,1: „aufhören“ = pauo). Die Sprachenrede wird nicht in einem Nu weggetan werden (wie z.B. Erkenntnis und Weissagung), sondern zu einem früheren Zeitpunkt allmählich abklingen (mit dem Sterben der Inhaber dieser Gaben).

    Wenn Paulus in Kapitel 14 nun eindeutig und wiederholt die Überbetonung dieser Gabe kritisiert, deren mißbräuchliche Verwendung untersagt und auf deren Zeichenfunktion hinweist, erscheint mir das sehr deutlich keine Aufforderung zu sein, diese Gabe vermehrt zu benutzen, denn indem er dies sagt, fordert er die Korinther im nächsten Halbsatz nachdrücklich mehr zum weissagen auf. Das ist ein rhetorisches Stilmittel, mit welchem er das eine nicht ausdrücklich verbietet, aber impliziert empfiehlt, das eine zu vernachlässigen um das andere tun zu können. Ähnlich verfährt man oft in der Erziehung, wenn man den Kindern sagt:

    „was Du da machst ist gut und schön, aber tue doch lieber das“

    Wie bereits angemerkt, scheint das grundlegende Verständnis primär entscheidend für die Beantwortung der Frage, ob es zwei Arten dieser Gabe gibt. Denn die Existenz der modernen Zungenrede an sich, stellt ja für sich genommen kein exegetischen Beweis dar, zudem dieses Phänomen religionsübergreifend in analoger Art und Weise vorhanden ist.

    Es existiert darüber hinaus nicht eine biblische Aussage dahingehend, daß es sich um zwei verschiedene Gaben handelte. Die Rede ist wenn, dann von verschiedenen Sprachen. Das habe versucht ausführlich und übersichtlich darzulegen. Es scheint sich doch vielmehr um eine Spitzfindigkeit zu handeln, um das zeitgenössische Zungenreden zu legitimieren. Als „Argument“ ist mir das (als Ex-Pfingstler hinlänglich) bekannt, aber es besitzt keinen exegetischen Rückhalt. Es ist zudem nicht unwahrscheinlich, das Beteiligte des Pfingstereignisses auch aus Korinth bzw. Umgebung kamen.

    Aus 25-30jähriger persönlicher Erfahrung im In- und Ausland, ist mir auch kein Beispiel bekannt einer echten Fremdsprache bekannt. Seriöse Untersuchungen haben zudem festgestellt, daß das Gestammel (Es gibt auch neutralere Begriffe wie „Spontansprache„, „Pseudosprache“ oder „seelisches Sprechen“ – 2000 Jahre Zungenreden – Glossolalie in biblischer, historischer und psychologischer Sicht – Hinson – Stagg – Oates Oncken Verlag Kassel. 1968.) der jeweiligen Zungenredner sich stets im Lautumfang des heimischen Idioms befindet.

    Merkwürdig, nicht wahr? Dann kommt oft der Hinweis auf „himmlische“ Sprachen. Mal ab davon, daß diese nicht wirklich „himmlisch“ klingen, gibt es keinerlei biblischen Hinweis darauf, daß diese eine eigene bzw. Explizit „himmlische“ Sprache haben.

    Ich kann nur nochmal auf meinen Artikel verweisen. Dort habe ich anhand des Bibeltextes versucht nachzuweisen, daß eine erbauende Funktion grundsätzlich und ausschließlich über den Inhalt stattfinden kann bzw. konnte. Dies sowohl bei dem Sprecher, als auch dem Zuhörer.

    Jünger“ heißt nichts anderes als „Schüler„. Dieser Begriff wird in pietistischen Kreisen zwar im Sinne „konsequenter Nachfolge“ verwandt, besitzt diese Bedeutung jedoch schlicht nicht. Es handelt sich hier um Schüler des Täufers. Es ist historisch überliefert, das vereinzelte johannische Gruppen noch eine ganze Zeitlang isoliert bzw. getrennt von den christlichen Gemeinden existierten. Die Ephesus-Jünger waren schlicht nicht wiedergeboren. Ich muß dazu sagen, das ich wiederum das pietistisch-/charismatische Erfüllungsverständnis mit dem Heiligen Geist bzw. dem was bei der Wiedergeburt passiert nicht teile. Was darunter zu verstehen ist, behandle ich aktuell bzw. bin in einem älteren Artikel auf den Zusammenhang zwischen Wort und Geist eingegangen.

    Sicher ist es nicht zwingend, daß die ersten Gemeinden auf direktes Reden Gottes angewiesen waren, aber innerhalb meines Verständnisses logisch.
    Die uns vorliegenden biblischen Texte sind verschriftlichte Propethie (graphē prophētikos) und offensichtlich von allgemeiner Bedeutung für die Kirche. Ansonsten unterscheidet Paulus nicht zwischen seinem damals gesprochenen oder schriftlichen Worten (2These2:15; 1These2:13 etc.). Die konkrete Erwähnung von Propheten bzw. die Mitnennung bei den Aposteln und deren Anteil an der Grundlegung der Gemeinde, erscheint mir jedoch ein stärkerer Beleg für mein Argument zu sein.

    Paulus verdeutlicht in 1Kor14:3 bzw. im gesamten Kapitel meinem Verständnis exemplarisch und zugespitzt die Sinnlosigkeit nichtausgelegter Fremdsprachen. Er baut ja im Kapitel 14 eine regelrechte Argumentationskette auf. Die Interpretation einzelner Verse ist grundsätzlich am schwierigsten. Und gerade hier verbietet es sich. Paulus baut im Kapitel 14 – wie gesagt – eine Argumentationskette auf, und wiederholt gebetsmühlenartig das die Gaben grundsätzlich zur gegenseitigen Erbauung da sind (vgl. 1.Petr4,10: „Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes„)

    Die Argumentationskette grob im Überblick:
    • Bedingung der Erbauung der Gemeinde durch die Gaben des Geistes
    • Erbauung geschieht durch nutzbringende (Offenbarung, Erkenntnis, Prophetie, Lehre)
    • Laute ohne Struktur und Inhalt sind wert- bzw. Bedeutungslos
    • wenn Fremdsprachen ohne Übersetzung bleiben, kann niemand verstehen oder prüfen was gesagt wird, niemand wird erbaut, nur der Sprecher selbst
    • Es geht darum in der Erkenntnis Christi zu wachsen (Eph4:14)
    • das Zeichen der Fremdsprachen ist ein Gerichtszeichen
    • Fremdsprachen müssen übersetzt werden, sonst muß geschwiegen werden

    Und wenn man, wie Du selber schreibst, noch die Zielrichtung des Briefes insgesamt im Blick behält, wird nochmal deutlicher, das es sich hier keinesfalls um eine Anleitung zur Ausübung von Sprachenrede handelt, sondern eine explizite Ermahnung und Korrektur bezüglich einer falschen Handhabung.
    sdg
    apologet

  10. Hallo apologet,

    da hatte ich wieder einiges zu „verdauen“. Macht aber Freude, denn Dein Niveau ist hoch (ist keine Bauchpinselei!).
    Klar stimme ich zu, dass Paulus keinen spontanen Anleitungsbrief an die Korinther geschrieben hat. Motto: Es wäre gut, wenn Ihr das auch könntet“.
    Ebenso klar, dass es eher ein Brandbrief an Gemeinden war, die mißbäuchlich handelten.

    Wie schon gesagt, versuche ich das damalige Geschehen anhand der Bibel zu verstehen – egal, was die heutige Pfingstbwegung daraus macht.

    Deshalb ist für mich die Sprachenrede zu Pfingsten schon außergewöhnlich auch wenn es sich nur um „gewöhnliche“ Sprachen handelte. Der Clou aber war, dass die Sprecher diese Sprachen nie gelernt hatten. Würde heute ein Deutscher spontan Spanisch reden obwohl er es nie lernte (und sich vielleicht nicht einmal bewußt ist, was er da sagt), wäre das wohl aus weltlicher Sicht ein „Wunder“. (Ob „Wunder“ oder „Zeichen“ – darüber dürfen sich die Theologen streiten…)

    Dass mir ebenfalls im ‚real life‘ der Pfingstbewegung so etwas noch nicht untergekommen ist, sagte ich ja schon. Mag sein, dass diese Phänomene ausgestorben sind – mag aber auch sein, dass die Pfingstbewegung derart Pseudo-Phänomene kultiviert, dass „echte“ Sprachenrede praktisch untergebuttert wird.

    Ansonsten sollten wir vielleicht einen Thread im von Dir genannten Forum aufmachen. Da läßt sich einfacher zitieren. Übernimmst Du das?

    Gottes Segen

    Heiko

  11. viel zu kompliziert er sagt doch in markus 16. 15 ff, dass es ein merkmal sein wird .. man wird uns daran erkennen!!! wenn ein gottloser chinese zu dir kommt und deutsch redet, weil ers es gelernt hat, ist das kein zeichen, dass er ein nachfolger jesu ist, wenn er aber kein deutsch kann, lässt sich leiten und vom heiligen geist die worte geben und redet deutsch, dann ist das sehr wohl ein merkmal. das ist eine eigene auslegung… du hast dir sachen gesucht mit der du deine meinung vertreten kannst. richtige argumente sind es jedoch nicht. ich finde wir sollten gottes wort so nehem wie es da steht!!!! hätte gott nicht gewollt das wir in zungen reden hätte er das klipp und klar gesagt und hätte anweisungen gegeben wann es aufhören würde. und er hätte uns gewarnt. aber es steht doch im 1. korinther ganz klar, das es eine gabe ist, die zur eigenen erbauung gilt. dann glaub ich das auch. SO WIE ES DA STEHT…, und versuche nicht andere textstellen zu suchen, die es widerlegen… SEGEN!!!

  12. Hallo giaco, Dein „Argument“ ist also, weil etwas „da steht“, gilt es Dir in jedem Fall. Das ist auch eine Herangehensweise an biblische Texte. Aber wie Du siehst, nicht der meine.
    sdg
    apologet

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