Os Guinness – Bedürfnissorientierte Gemeinden

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„Diese übertriebene Halbwahrheit, dass die Gemeinde auf Bedürfnisse eingehen‚ müsse … bringt ungewollte Folgen mit sich. Genauso wie das moderne Streben der Gemeindewachstumsbewegung nach Relevanz‚ deren Weg in die Irrelevanz sein wird, so wird auch die moderne Sorge um Bedürfnisse‚ die Gemeinde zu einem Resonanzboden für modischen Bedürfnisse machen, der die eine Stimme übertönen wird, die das wirkliche menschliche Bedürfnis hinter allen wahrgenommenen Bedürfnissen anspricht. Denn wenn echte Bedürfnisse ein erster Schritt hin zum Glauben und Gebet sind, dann sind falsche Bedürfnisse deren Gegenteil. Wie George Macdonald beobachtete: Das Bedürfnis, das keines ist, ist ein Dämon, der deinem Leben den Saft aussaugt.‚“ Os Guinness, Dining with the Devil: The Megachurch Movement Flirts with Modernity

Kirche mit Vision„, der „Alpha-Kurs„, „ProChrist“ und diverse andere Konzepte und Methoden vermitteln den Eindruck, Gemeindewachstum sei machbar bzw. der Mensch müsse lediglich richtig angesprochen und dort abgeholt werden wo dessen Mangel, seine Not oder seine Bedürfnisse lägen. Verschiedene Autoren wie Os Guinnes oder A.W. Tozer haben im englischsprachigen Raum bereits gute Bücher zu dieser, nicht mehr wirklich neuen, Philosophie des Pragmatismus geschrieben.

Während die Bibel und die besten Denker der Kirchengeschichte die Suchenden einluden, an Gott zu glauben, weil die Botschaft, welche diese Einladung transportiert, wahr ist, glauben unzählige Christen heute aus verschiedenen anderen Gründen. Zum Beispiel glauben manche, der Glaube sei wahr »weil er funktioniert« (Pragmatismus), andere, weil sie »spüren, er ist wahr in ihrer Erfahrung« (Subjektivismus), wieder andere, weil sie ernstlich glauben, er sei »wahr für sie persönlich« (Relativusmus), und so weiter. Os Guinness, Time for Truth

Pragmatismus im weitesten Sinne meint ein Absehen von einer vorgegebenen Wahrheit zugunsten der Nützlichkeit. Demnach ist wahr, was der Bewältigung von Problemen, die sich gerade stellen, dient. Damit wird das Handeln wichtiger als Denken und Erkennen. Wahr ist, was sich gerade bewährt. Bible-Only.org

Wilfried Plock behandelt dieses Thema in seinem Buch: „Gott ist nicht pragmatisch – Wie Zweckmäßigkeitsdenken die Gemeinde zerstört“ grundlegend aus bibelorientierter Perspektive. Er begründet seine These gründlich und kommt zu dem Schluß, das der moderne Pragmatismus letztlich ein anderes Evangelium darstellt.

Das »neue« Evangelium

  • es geht um den Menschen (anthropozentrisch)
  • es wird nach Marketingmethoden an Konsumenten gebracht
  • es geht um Bedürfnisse
  • es geht um Lebenserfüllung
  • es ist attraktiv für Kirchenferne
  • es hat das Wohlgefallen der Welt

Das biblische Evangelium

  • es setzt bei Gott an (theozentrisch)
  • es wird prophetisch und konfrontativ präsentiert
  • es geht um Sünde
  • es geht um Rechtfertigung
  • es ist eine Torheit für die Verlorenen
  • es hat das Wohlgefallen Gottes (Wilfried Plock)

sdg
apologet

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