Artikelreihe – Wiedergeburt: Moment oder Prozeß?

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In dem Artikel „Bornagain“ habe ich kurz die drei wesentlichen Konzepte vorgestellt, die mit dem Begriff „Wiedergeburt“ verbunden werden. Weiterhin habe ich versucht die biblisch-reformierte Sichtweise darzustellen: Durch die Predigt des Evangeliums wird ein bis dato geistlich toter Mensch „erweckt“, erhält neues geistliches Leben (Eph2:4-6). Wiedergeburt ist somit ein Bild für den Übergang vom Tod zum Leben und beschreibt die Zueignung und Mitteilung der Erlösung durch Jesus Christus im Glauben.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,  auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, Eph2:4-6

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 1Petr1:3

Eine sich ergebene Frage lautet: Geschieht „Wiedergeburt“ in einem Moment, oder in einem Prozeß?

Mit der „Wiedergeburt“ sind bzw. werden im allgemeinen verschiedene geistliche Aspekte verbunden. Dazu gehört beispielsweise „Bekehrung“, „Sündenerkenntnis“, „Buße“, „Glaube“ etc.  Was lehrt die Schrift und welche Ableitungen für den Zusammenhang oder Reihenfolge ergeben sich aus den biblischen Beispielen?

Peter Masters, Pastor des Metropolitan Tabernacle in London und Nachfolger von C.H. Spurgeon, vertritt in seinem Buch „Kraftwort“ einen in „5-Phasen“ ablaufenden Prozeß, wobei er sich insbesondere auf das wiederkehrende biblische Motiv der GEBURT bezieht. Vermittelt das Bild der AUFERSTEHUNGwas“ geschieht, läßt sich anhand des Bildes der WIEDERGEBURT aufzeigen „wie“ es geschieht:

Genau wie im natürlichen Ablauf einer Geburt, steht zu Beginn der geistlichen Neugeburt eines Menschen ein konkreter Anfang: die ZEUGUNG.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?  Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. LUT Joh3:3-15

Dieser souveräne Akt Gottes von oben geschieht völlig losgelöst vom Willen des Menschen, durch Wasser und Geist, dort wo der Geist es will. Wobei sowohl „Wasser“, wie auch „Geist“ für das Wirken Gottes durch Sein Wort stehen (Joh6:63; Eph.6:17).

Das Bild der ZEUGUNG durch den Samen des Wortes Gottes – als Beginn der Wiedergeburt – wird sowohl von Paulus (1Kor4:15; Philemon1:10), Jakobus (Jak1:17-18), Petrus (1Petr1:3&23), Johannes (1Joh3:9) und Matthäus (Mt13) oder Lukas (Lk8) verwandt.

Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium. 1Kor4:15

Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis. Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir Erstlinge seiner Geschöpfe seien. Jak1,17-18

Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. 1Petr1,23

Wer aus Gott geboren ist, der tut keine Sünde; denn Gottes Kinder bleiben in ihm und können nicht sündigen; denn sie sind von Gott geboren. 1Joh3:9

In allen Fällen wird unzweifelhaft deutlich, das der Beginn des neuen Lebens bzw. Glaubens mit dem Samen des Wortes Gottes in der Verkündigung verbunden ist (Röm10,17). Durch das Wort geschieht die ZEUGUNG, welche wiederum eine Folge weiterer, notwendiger Vorgänge ausgelöst die grundsätzlich ablaufen.

Matthäus und Lukas betonen den Aspekt der unterschiedlichen Beschaffenheit des menschlichen Herzens bei der Aufnahme des Wortes. Das Gleichnis des Sämann’s zeigt auf, das der Same des Wortes Gottes letztlich nur auf guten Boden zur ZEUGUNG, also zu lebendigem Glauben führt.

Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. Lk8:11-15

Ähnliches sagt Paulus in 2Kor2:14-17 über die Wirkung des Evangeliums – den einen zum Leben, den anderen zum Tod – und läßt darüber hinaus die Wichtigkeit der Verkündigung bzw. die Beteiligung und Verantwortung des Verkündigers deutlich werden.

Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. Röm10:14-17

Zusammenfassend läßt sich feststellen: Das verkündigte Wort Gottes verursacht dem Willen Gottes entsprechend entweder den Prozeß der Wiedergeburt, oder bewirkt eine gegensätzliche Reation, aber es bleibt nie ohne Auswirkung:

Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Jes55:10-11

sdg
apologet

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Ein Kommentar

  1. Lieber apologet,
    dachte zuerst, ich hätte es mit Olympia zutun,nun gut, man darf ja Symbole ausleihen, um etwas verständlich zu machen, was Nikodemus schon als schwierige Frage empfand.Es kommt mir gerade ein Gedanke: die fleischliche Geburt eines Menschen ist ja auf Stunden begrenzt, dann ich das Baby atmungsfähig, kann trinken, verdauen, schreien und lächeln.Zu allem braucht es Hilfe, es muß gefüttert werden, geliebt werden, um Lächeln zu können.Bei der geistlichen
    Wiedergeburt ist auch ein Prozeß nötig und ein ständiges Bleiben am Weinstock, und bei allen Anfechtungen,bleibt die Heilsgewißheit, weil Gott die, die ihn lieben und ihm gehorchen,nicht aus der Hand läßt. Vielleicht ein bißchen zu intellektuell, aber andere werden sich auch nicht hierher verlaufen.
    Irma-Magdalena

    B

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