„Ostergaffer“ oder historische Zeugen?

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ERF Online führt zusammen mit evangelisch.de ein gemeinsames Projekt durch: ostergaffer.de – das erste Twitter-Passionsspiel im WWW. Ab dem 15. März twittern bei einem Online-Theaterstück sechs fiktive Zeugen – „Gaffer“ genannt – aus der Zeit um 30 n. Chr. die Ostergeschichte aus ihrer Perspektive. Über Facebook und twitter.com/ostergaffer kann dies „live“ verfolgt werden.

Auch auf die Gefahr hin, als inovationsfeindlich, überempfindlich und dergleichen betitelt zu werden, sind bereits vor Beginn dieses Projektes einige kritische Anmerkungen nötig. Dieses Projekt wird bezeichnender Weise von dem Theologieprofessor für Neues Testament, Prof. Dr. Andreas Lindemann (Bielefeld) begleitet.

Andreas Lindemann steht für eine eindeutig bibelkritische Haltung und hat sich insbesondere zum Thema „Auferstehung“ eindeutig positioniert:

„Zum österlichen Satz „Der Herr ist auferstanden“ äußert sich Lindemann [Prof. Dr. Andreas Lindemann, Theologe an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel] so: Das leere Grab, die Begegnungen der Frauen und der Jünger mit dem Auferstandenen, die Himmelfahrt – alles Legende! Ob die Leiche Jesu im Grab oder außerhalb desselben war, tue nichts zur Sache. Mit der Leiche Jesu sei jedenfalls nichts Österliches passiert. Geschehen seien allenfalls „seelische Erregungen“, außerhalb deren nichts objektiviert werden kann. Lindemann resümiert: Glaube kommt vom Glauben. Es sei völlig egal, was damals wirklich mit diesem Jesus passierte.
Lindemanns Äußerungen sind der Extrakt einer Ostertheologie, wie sie heute zum Allgemeingut einer breiten Strömung in der deutschen Theologie geworden ist.
Sie geht im Wesentlichen auf den berühmten Neutestamentler Rudolf Bultmann (1884-1976) zurück. Für den galt der Grundsatz, dass der Mensch Jesus und sein reales Erdenleben für den Glauben keine Rolle spiele. Entscheidend war für Bultmann nur die Tatsache, dass Jesus in die Welt gekommen ist.“

Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt (21. April 2000, Nr. 16/2000)

Kann es noch als christlicher Glaube bezeichnet werden, wenn dessen zentrales Ereignis als unhistorisch und Legende bezeichnent wird? Ich meine nein. Nach Aussage Lindemann’s ist es offensichtlich völlig egal woran und was man „glaubt“, weil alles ohnehin nur „seelische Erregung“ ist. Kein solides Glaubensfundament und erst recht kein Grund zur Hoffnung.

Auch zur Zeit der Apostel wurde die historisch-leibliche Auferstehung des Herrn bereits innerhalb der Gemeinde angezweifelt. Und auch hier bezog ein Theologe eindeutig Stellung:

Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?  Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.  Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen.  Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.  Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden;  so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren.  Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 1Kor15:12-19

Macht bereits die Wahl des begleitenden Theologen grundlegend den geistlichen Gehalt dieses Online-Spektakels deutlich, zeigt auch der Titel „Ostergaffer“, mit welch‘ Ernsthaftigkeit und Ehrfurcht Glaube  an sich und der Auferstandene persönlich gesehen werden.

Der Begriff „Gaffer“ steht per Definition für Schaulust an einem Spektakel und besitzt eine eindeutig negative und abwertende Konnotation. Wenn Paulus in 1Kor15 von falschen „Zeugen“ (pseudomartur) spricht, benutzt er diesen Begriff jedoch in einer eindeutig juristisch-verwertbaren Hinsicht.

Der griechische Begriff „martus“ (μάρτυς) bezeichnete ursprünglich eine Person im forensisch-rechtlichen Sinne als Zeuge in einem Gerichtsverfahren. In diesem Sinne wurde er sowohl im säkularen, wie im geistlichen Sinn (AT und NT) verwandt.

sdg
apologet

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„Zum österlichen Satz „Der Herr ist auferstanden“ äußert sich Lindemann [Prof. Dr. Andreas Lindemann, Theologe an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel] so: Das leere Grab, die Begegnungen der Frauen und der Jünger mit dem Auferstandenen, die Himmelfahrt – alles Legende! Ob die Leiche Jesu im Grab oder außerhalb desselben war, tue nichts zur Sache.

Mit der Leiche Jesu sei jedenfalls nichts Österliches passiert. Geschehen seien allenfalls „seelische Erregungen“, außerhalb deren nichts objektiviert werden kann. Lindemann resümiert: Glaube kommt vom Glauben. Es sei völlig egal, was damals wirklich mit diesem Jesus passierte.

Lindemanns Äußerungen sind der Extrakt einer Ostertheologie, wie sie heute zum Allgemeingut einer breiten Strömung in der deutschen Theologie geworden ist.

Sie geht im Wesentlichen auf den berühmten Neutestamentler Rudolf Bultmann (1884-1976) zurück. Für den galt der Grundsatz, dass der Mensch Jesus und sein reales Erdenleben für den Glauben keine Rolle spiele. Entscheidend war für Bultmann nur die Tatsache, dass Jesus in die Welt gekommen ist.“

DS – DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT (21. April 2000, Nr. 16/2000)

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