Bund und Volk – Kontinuität und Diskontinuität

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In vielerlei Hinsicht ist es notwendig, sich mit dem alten und neuen Bund bzw. den biblischen Bündnissen ganz grundsätzlich zu beschäftigen. Üblicher Weise wird der griechische Begriff „diatheekee“ sowie der diesem zugrunde liegende hebräische Begriff „berith“ mit „Bund“ übersetzt. Das ist auch völlig in Ordnung, jedoch wird diese Übersetzung heute etwas missverständlich verstanden, weil wir im Deutschen bei „Bund“ meist an so etwas wie eine zweiseitige vertragliche Abmachung unter gleichrangigen Partnern denken.

Das hebräische Wort „bertih“ meint aber zunächst einmal eine einseitige Verpflichtung und Zusicherung mit schwurähnlicher Verbindlichkeit, die ein Mächtiger zu Gunsten eines Schwächeren vollzieht. Ein Bündnis/Vertrag so wie wir diesen heute verstehen, kann jedoch nur zwischen zwei gleichrangigen Partnern geschlossen werden (WiBiLex -> Das Bibellexikon).

Ein Bund

Der eine ewige Bund wurde vor bereits Grundlegung der Welt in der Ewigkeit zwischen den Personen der Dreieinigkeit zur Erlösung der Menschheit geschlossen.

Der Gott des Friedens aber, der unseren Herrn Jesus aus den Toten heraufgeführt hat, den großen Hirten der Schafe durch das Blut eines ewigen Bundes. Hebr13,20 (s.a.Eph1,4)

Dieser Bund wurde tatsächlich zwischen gleichrangigen „Personen“ geschlossen. Der Mensch ist Vorteilsnehmer dieses Bundes, kann die Bedingungen des Bundes beispielsweise jedoch nicht ändern.

Der Bund den Gott geschlossen hat, ist also ausschließlich ein Gnadenbund.  Dieser Bund bringt sowohl Segen wie auch Pflichten mit sich und wurde rechtsgültig durch ein ein Opfer. Darum heißt „einen Bund machen“ im Hebräischen eben auch (karat bertih) „einen Bund schneiden“!

»Versammelt mir meine Getreuen, die den Bund mit mir schlossen über dem Opfer!« Ps50:5

Der ewige Bund Gottes mit dem Menschen ist der Bund der Erlösung durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz. Dieses Opfer wurde durch die Tötung der at’lichen Opfertiere lediglich vorgeschattet. D.h. der at’liche Gläubige wurde ebenso durch Glauben gerecht, wie der nt’liche Gläubige. Zu diesem Bund sagt Gott in der Schrift auch „mein Bund“ (1Mo9:9-17).

Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit eurem Samen2, der nach euch kommt, 1Mo9:9

Dieser eine, ewige Bund wurde durch Gott in der Geschichte Gottes mit dem Menschen verschiedentlich entfaltet und erneuert. In der Theologie der Reformatoren unterscheidet man

  • den Bund der Erlösung,
  • den Bund der Werke und
  • den Gnadenbund .

Andere etwas simplere Unterscheidungen klingen etwas vertrauter (Adam: Schöpfungsbund, oder auch Davidsbund) ganz wesentlich bekannter sind jedoch der

  • Noahbund ► Bundeszeichen: Regenbogen und Opfer ► Verpflichtung: Blutgenuß zu meiden und sich vor Mord und Totschlag zurückzuhalten
  • Bund mit Abraham ► Bundeszeichen: Beschneidung ► Verpflichtung: Beschneidung
  • Sinaibund ► Bundeszeichen: Beschneidung ►, Verpflichtung: Sabbat, Gesetz (wurde nun im Laufe der Geschichte Israels immer wieder erneuert ->Josuabund->Josiabund )

mit jeweils eigenen Verpflichtungen und Zeichen welche die Diskonituität des Bundes ausmachen.

Auch die Bezeichnungen „alter“ und „neuer“ Bund sind lediglich Hinweise auf die Erneuerung des einen, ewigen Bundes den Gott in Christus geschlossen hat. Dispensationalisten lehren in ihrer reinen Form (inkonsistent und literalistisch…), das die Gemeinde keinen Anteil am neuen Bund habe, da dieser Israel (Jer31:31) verheissen sei. Das würde aber die Gemeinde von der Erlösung ausschließen.

Wenn nun auch durchaus allgemein bekannt ist, daß Unterschiede zwischen der Gemeinde des Alten und des Neuen Bundes existieren, wird dieser Umstand allzu oft nicht berücksichtigt bzw. punktuell Ausnahmen gemacht. Der alte Bund, mit seinen spezifischen Verpflichtungen und Rahmenbedingungen ist jedoch, so lesen wir in Hebräer, nicht nur veraltet und, sondern ein für allemal aufgehoben!

Ein Volk

Im griechischen Ausgangstext des NT wird für das, was in den verschiedenen Bibelübersetzungen mit „Kirche”, „Gemeinde” oder „Versammlung” übersetzt wird, der Begriff: „Ekklesia” verwandt. „Ekklesia” heißt wörtlich übersetzt: „die Herausgerufenen”. Ursprünglich ein politischer Begriff für die Zusammenkunft der stimmberechtigten Bürger einer griechischen Stadt.  Auch in der Septuaginta wird „Ekklesia” für das hebr. Wort „qahal” verwendet. Der Ausdruck „qahal” ist eine at’liche hebr. Bezeichnung für das Volk Gottes.

Diesen Sprachgebrauch greift Paulus in seinen Briefen verschiedentlich auf.  Wir können sagen, daß der ntl. Terminus „Ekklesia” für die christliche Gemeinde das versammelte Volk Gottes bezeichnet. Als „versammeltes Volk Gottes, als „Ekklesia”, wird im NT folgendes bezeichnet:

  • Das Volk Gottes zu allen Zeiten und an allen Orten:
    Eph 1,22f.: „Und alles hat er seinen Füße unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben.”
  • Das gesamte Volk Gottes zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort:
    1 Kor 1,1ff: Paulus, berufener Apostel Christi Jesu durch Gottes Wille, und Sosthenes, der Bruder, an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist.”
  • verschiedenen Versammlungen des Volkes Gottes eines Ortes, heute etwa Kirchengemeinden oder Hauskreise, in denen sich das eine Volk Gottes einer Stadt in verschiedenen Versammlungen traf, ohne daß es aufhörte, ein einziges Volk zu sein:
    Röm 16,3.5.: „Grüßt Priska und Aquila, … und die Gemeinde in ihrem Haus!”.
    Kol 4,15: Grüßt die Brüder in Laodizea und Nympha und die Gemeinde in ihrem Haus!”

Der Terminus „Ekklesia” mit seinen zahlreichen verwandten Bildern (Tempel, Stadt Gottes, Priesterschaft, auserwähltes Geschlecht, zwölf Stämme u.a.) betont daher die Kontinuität der nt’lichen Gemeinde mit dem Volk Gottes des Alten Bundes, mit Israel.

sdg

apologet

5 Kommentare

  1. Die reformierte Theologie
    Dieser eine, ewige Bund kennt nicht nur einen Bund, der „durch Gott in der Geschichte Gottes mit dem Menschen verschiedentlich entfaltet und erneuert“ (nämlich als Bund der Erlösung, Bund der Werke und Gnadenbund) wurde. Vielmehr wird radikal unterschieden zwischen dem Bund der Werke mit Adam (der als ein Aspekt des mosaischen Bundes „neu aufgelegt“ wurde) und dem ewigen Gnadenbund.
    Die beiden Bundesschlüsse stehen respektive für das Gesetz und das Evangelium. Wo man beide Bünde zu einem vermengt, vermengt man auch Gesetz & Evangelium.

    Leider tun das die Vertreter der so genannten „Federal Vision“ (zB Douglas Wilson, Peter Leithart, etc.) – mit disaströsen Folgen. Bei ihnen wird das Gesetz plötzlich „gnädig“ und das Evangelium/die Verheißung zum Gesetz.

    Die reformierte Theologie besagt, dass das Prinzip der Werke (Bund der Werke) der Unterbau des Evangeliums ist. Denn der Bundesschluss mit Adam, den er gebrochen hat, wird durch den zweiten Adam (=Christus) erfüllt. So gesehen ist alle Rettung aufgrund von Werken, nur nicht unseren Werken, sondern dem Werk Christi. Erst auf dieser Grundlage baut dann das Evangelium (d.h. der Gnadenbund auf).

  2. Lieber Sebastian,
    den Unterschied zwischen dem Bund der Werke und dem Gnadenbund – insbesondere mit den von Dir genannten Implikationen – möchte ich keineswegs bestreiten! Ich beziehe mich mit dieser Aussage auf eine Ausführung von Rev. Ronald Hanko (Die Bunde zusammengefasst):

    Wir glauben, dass wir aus der Schrift gezeigt haben, dass die verschiedenen in der Schrift erwähnten Bunde keine verschiedene Bunde sondern verschiedene Offenbarungen des einen ewigen Bundes Gottes sind. Jetzt wollen wir zusammenfassen, was wir vorher geschrieben haben, indem wir die verschiedenen Bunde auflisten, und hierdurch zeigen, was jeder Bund über jenen einen Bund offenbart.

    LG
    Andreas
    PS: Danke für die Hinweise auf die toten Links.

  3. Lieber Sebastian,

    würdest Du mit mir konform gehen wollen, wenn ich schreibe, dass die reformierte Theologie der Zwinglianer durchaus eine Einheit von Evangelium und Gesetz in ihrer reformierten Lehre vertritt und zwar als im Wirken des Heiligen Geistes gegründet. Entsprechend kann man hier nämlich auf Matthäus 23,23 Bezug nehmen. Des Weiteren würde ich die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium eher bei Martin Luther bemerken wollen als bei der reformierten Theologie. Hinsichtlich Johannes Calvin kann man außerdem auch nur das dreifache Amt des Gesetzes feststellen, so dass ich Dich gerne fragen möchte, worauf denn Deine Aussage beruht, wenn Du schreibst: “ Die beiden Bundesschlüsse stehen respektive für das Gesetz und das Evangelium. “

    Gnade und Frieden
    in Jesus

    LG
    Oliver

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