Erlösung – Das Werk des Sohnes – Begrenzte Versöhnung

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Jesus liebt Dich„, „Jesus starb auch für Deine Sünden am Kreuz„… So, oder so ähnlich, heißt es in vielen evangelistischen Veranstaltungen, Massenevangelisationen (ProChrist etc.). Aber ist das auch wirklich so? Erneut kann und muß ein unüberbrückbarer Wiederspruch zwischen evangelikaler und evangelischer bzw. reformierter Lehre konstatiert werden.

Was hat Christus wirklich am Kreuz bewirkt?

Evangelikale Sichtweise – universale Genugtuung

Die evangelikale Theologie vertritt den Standpunkt, dass Gott das Heil aller Menschen will und dieses in Christus anbietet. Christus starb für die Sünden der Welt und hat durch dieses Erlösungswerk, Versöhnung und Sühne für die gesamte Menschheit vollbracht.

Das Werk Christi am Kreuz sei jedoch allein für diejenigen wirksam, welche eine persönliche Entscheidung für Jesus träfen bzw. an das Evangelium glauben. Diejenigen, welche nicht glauben, gehen ins Gericht mit der unausweichlichen Konsequenz einer ewigen Strafe. Obwohl alle Sünde durch Christus gesühnt wurde, nützt es ihnen nichts, weil sie im Unglauben verharren. Der Zorn Gottes bleibt weiterhin auf ihnen.

Der arminianische Artikel formuliert dies folgendermaßen: „Sie blieben dabei, daß Jesus Christus für Alle und Jeden gestorben sei, wiewohl nur die Glaubenden den Genuß davon bekämen.“

Gott hat der evangelikalen, wie arminianischen Theologie zufolge, einen universalen Heilswillen, das Werk Christi besteht aus universalen Genugtuung. Die Versöhnung ist allumfassend. Sie wird aber nur wirksam, wenn sie mit dem persönlichen Glauben verbunden wird.

Die biblische Sichtweise – Bedingungslose Erwählung (Unconditinal Election)

Jesus Christus ist nicht gestorben, um alle Menschen zu retten. Sein Erlösungswerk ist ausschließlich an die auserwählten Sünder, die durch ihn gerettet sind, gerichtet (Mt26:28; Eph5:25).

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. […] Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein. Joh17:6; 9

Wenn Christus für die Sünden aller Menschen „Versöhnung“ erwirkt hätte, wären alle Menschen erlöst. Man kann und muß von dem Erlösungswerk Christi sprechen, davon, das Gott Menschen mit sich versöhnen will, aber nicht das allen Menschen die Schuld am Kreuz vergeben wurde.

Es sind manchmal nur einzelne Worte, „Kleinigkeiten“, wie beispielsweise dem Mißverständnis, Christus hätte die Sünden aller Menschen am Kreuz getragen, aus welchem in der Konsequenz mitunter fatale Irrlehren, wie die der Allversöhnung entstehen. Die Schrift lehrt jedoch die Erwählung von bestimmten Menschen.

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. […]  Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; Joh10:14-15;26-27

Versöhnung „- „ich lasse mein Leben für die Schafe“ – existiert nur für die Schafe, das sagt Christus hier…Wer nicht zu diesen Schafen, den Erwählten gehört, hört weder die Stimme Jesu, noch ist Christus für diese Menschen gestorben.

Deutlicher geht es kaum. Jesus ist für die Erwählten Gottes in der gesamten menschlichen Geschichte gestorben – nicht für alle Menschen. Die Lehraussage der Begrenzten Versöhnung fasst also diese und diverse andere Aussagen der Schrift lediglich in einem prägnanten Satz zusammen.

Richtig ist, dass Christus am Kreuz das grundsätzliche Problem der Sünde, ein für allemal (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) vollständig gelöst hat. Die Beeinträchtigung der Heiligkeit Gottes durch die Sündhaftigkeit der gefallenen Schöpfung ist am Kreuz durch Sühnung aufgelöst worden.

Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Hebr9:26

Der Tod eines unerlösten Menschen, als Lohn seiner Sünde, kann für sich genommen, keinen Ausgleich schaffen, ist nicht genug. In dieser Hinsicht ist Christus also zum einen auch für diese Sünde gestorben, hat als Lamm die Sünde der ganzen Welt getragen (Johannes 1,29).

Zum anderen zieht der Vater die Menschen zum Sohn die Er erwählt hat, führt der Heilige Geist diese zur Erkenntnis ihrer Schuld und rechnet in der Versöhnung/Stellvertretung durch den Sohn die persönliche Sünde durch den von Gott gewirkten Glauben nicht mehr an. Der Mensch wird von Gott mit Gott versöhnt:

Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 2Kor5:18

Begrenzt“ ist demzufolge die „Versöhnung„, keineswegs die „Sühnung„. Dies ist ein wesentlicher Unterschied der sich aus den zwei Aspekten des Heilswerkes Christi am Kreuz ergibt und bei dem das Prinzip der Erwählung eine entscheidende Rolle spielt.

In 3Mo16 findet sich eine typologische Darstellung dessen, was Christus am Kreuz bewirkt hat. Dort wird von dem jährlichen Versöhnungstag berichtet, bei dem das gesamte Volk zusammen traf, zur Vergebung der Sünden. Der Hebräerbrief nimmt darauf Bezug und macht unzweideutig klar, das der Versöhnungstag ein Schatten Golghata’s darstellt.

Interessanterweise spielen zwei Ziegenböcke in 3Mo16 eine zentrale Rolle.

der eine zur Sühnung [alle] – „Für den Herrn“ [Vers 9]
der andere Stellvertretung [viele] – „Für die Verwendung als Sündenbock“ [Vers 10]

Wenn man unter diesem Blickwinkel auch die oft angeführte Bibelstellen betrachtet, die eine universale Genugtuung andeuten, erkennt man bei unvoreingenommenem Blick, das sich die Unterscheidung zwischen „alle“ und „viele“ etc. recht leicht erklären läßt.

Sühnung [alle]- „Für den Herrn“

Der Bock, auf den das Los für den Herrn gefallen war (die Gott zugekehrte Seite des Werkes Christi), wurde geschlachtet und sein Blut wurde durch den Hohepriester in das Heiligtum gebracht und siebenmal auf und vor den Gnadenstuhl gesprengt. Danach konnte sich Gott wieder inmitten eines verkehrten und unreinen Volkes aufhalten und es in seinem sündigen Zustand ertragen. Dies steht für die Sühnung die Christus am Kreuz vollbracht hat, die den Heiligen Gott gerade da, wo Er durch den Sünder furchtbar verunehrt worden war, vollkommen verherrlicht hat.

Auf diese Wahrheit weisen verschiedene Stellen der Heiligen Schrift hin. «Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt» (Joh1:29). In Hebräer 9,26 heißt es: «Er (Christus) ist einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer.» Die Frage der Sünde ist also im Werk Christi vollkommen geregelt worden.

Gerade diese Tatsache ist der Ausgangspunkt für die Verkündigung der frohen Botschaft. Die gesamte Schöpfung ist eingeschlossen (Röm8), die Sühnung reicht für alle Schuld und Sünde aus.

Wenn nun aber alle an dem Werk und Blut der Sühnung Anteil hätten, ohne persönlich in Anerkennung und mit Bekenntnis der persönlichen Sünde und Schuld zu dem Erlöser der Sünder gekommen zu sein, wenn der Herr die Sünden aller getragen hätte, wären alle Menschen ohne Ausnahme und ohne Buße erlöst.

Aber die Sühnung geschah durch zwei Ziegenböcke, welche zusammengehören um einen einzigen Sachverhalt bildlich darzustellen. Das Ziel war, zu zeigen, daß die Sünden auf Christus gelegt werden würden (Sühnung), und dabei gleichzeitig weggetragen werden würden außer Sichtweite und niemals wieder auffindbar (Stellvertretung).

Stellvertretung [viele] – „Für die Verwendung als Sündenbock“

Der zweite der Ziegenbock war dagegen ein Stellvertreter für die betreffenden Personen. Er war der, auf dem die Sünden lagen, und diese mußten weggetan werden. Es existiert also einmal eine den Menschen betreffende Seite, und eine Gott betreffende Seite.

Stellvertretung ist sozusagen die entgegengesetzte Seite, die nur Bezug auf den Gläubigen hat. Am Kreuz ist Christus der Stellvertreter derer im Gericht geworden, die Ihn im Glauben annehmen. Deswegen lesen wir in der Heiligen Schrift: «Er aber hat die Sünden vieler getragen

Die Erlösung des Sünders ist und bleibt eine individuelle Sache. Der große Versöhnungstag stellt dies in dem anderen Bock dar. Auf den Kopf dieses Bockes legte der Hohepriester seine Hände und bekannte die Sünden des Volkes. Bildlich gesehen wurden die persönlichen Sünden durch jemand, der das ganze Volk vertrat, auf den Bock übertragen, der dann fortgeschickt wurde in die Wüste und nicht zurückkam. Die Sünden galten so als für immer weggetan.

Dies ist etwas ganz anderes als das, was wir im ersten Bock vorgestellt finden. Auf den Kopf des ersten Bockes gab es kein Sündenbekenntnis. Sein Schlachten war wegen der Sünde grundsätzlich nötig, und das Blut wurde in die Gegenwart Gottes gebracht.

Der zweite Bock redet von Vergebung, von dem Werk Christi für jene, für welche die Hände sinnbildlich auf den Bock gelegt, deren Sünden benannt wurden.

Wenn Gottes Wort von dieser Seite des Erlösungswerkes spricht, finden wir nie Ausdrücke wie «die ganze Welt», oder «alle», sondern es sagt «viele». Sein Blut wurde «für viele vergossen zur Vergebung der Sünden» (Mt26,28). Er ist «einmal geopfert worden, um vieler Sünden zu tragen» (Heb9:28). So wird auch nur zu Gläubigen gesagt, daß Er unsere Sünden getragen hat, und: «Christus ist für unsere Sünden gestorben» (1Petr2,24; 1Kor15,3). In 2Kor5,21 lesen wir noch: «Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht

Es ist daher folgerichtig falsch und irrig, wenn dem Sünder gesagt wird, daß er nur zu glauben brauche, Christus habe alle seine Sünden getragen. Nur für den Gläubigen gilt, daß alle seine Sünden dort gesühnt wurden, daß er mit Christus gekreuzigt, mit Ihm gestorben, begraben und auferweckt ist. Allein auf den Erwählten trifft zu, daß Christus ihn von allen seinen Sünden in seinem Blute gewaschen hat.

Das Lösegeld ist nur für jene da, die vom Vater zum Sohn gezogen werden, diese empfangen durch das Werk des Sohnes Vergebung und Frieden mit Gott. Die Schrift redet vom Tragen der Sünde und der Schuld nur im Hinblick auf jene, welche vom Vater erwählt und gezogen wurden.

sdg
apologet

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5 Kommentare

  1. Hallo Andreas,

    interessante Ansicht. Woher hast du diese Trennung von Sühnung und Versöhnung?

    Die Frage bleibt für mich noch: wenn Christus den Zorn gesühnt hat, der über den Sündern stand, auf welcher Basis werden sie dann in der Hölle bestraft? Habe ich dich damit richtig verstanden.
    Herzliche Grüße

    Raphael

  2. Hallo Raphael,
    angemessener wäre wohl die durchgängige Gegenüberstellung von Sühnung und Stellvertretung. Sühnung tilgt – so wie ich es verstehe und in 3Mo16 m.E. eindrücklich veranschaulicht – nicht den Zorn über jeden Sünder, beantwortet nicht die Frage der persönlichen Schuld und Sünde, sondern klärt die Verunehrung der Heiligkeit Gottes im gesamten (kosmischen) Rahmen. Der Makel des Sündenfalls ist durch Christus ausgeräumt.

    Ein grammatikalischer Gegensatz von
    -> Sühnung [griech. hilasmos; hebrä. kaphar]
    -> Versöhnung [griech. katallage; hebrä. kippur]
    ist nach meinen Kenntnissen so auch nicht vorhanden (dachte ich mal, wurde aber eines Besseren belehrt).

    Allerdings geschieht durch die Stellvertretung Christi letztlich die personale Versöhnung, daher mein – vielleicht etwas unscharfer Begriffsgebrauch…

    Die Stellvertretung Christi kommt dann nur für die zum Tragen, die erwählt sind. Das heißt, das die persönliche Verantwortlichkeit für alle anderen erhalten bleibt und die gerechte Forderung demnach weiterhin offen ist.

    Klärt das Deine Frage?
    LG
    Andreas

  3. Hallo Andreas,

    entschuldige bitte, dass ich etwas schwer von Begriff bin, aber ich muss nochmal nachfragen.
    Du hast geschrieben:

    „Die gesamte Schöpfung ist eingeschlossen (Röm8), die Sühnung reicht für alle Schuld und Sünde aus.

    Wenn nun aber alle an dem Werk und Blut der Sühnung Anteil hätten, ohne persönlich in Anerkennung und mit Bekenntnis der persönlichen Sünde und Schuld zu dem Erlöser der Sünder gekommen zu sein, wenn der Herr die Sünden aller getragen hätte, wären alle Menschen ohne Ausnahme und ohne Buße erlöst.

    Aber die Sühnung geschah durch zwei Ziegenböcke, welche zusammengehören um einen einzigen Sachverhalt bildlich darzustellen. Das Ziel war, zu zeigen, daß die Sünden auf Christus gelegt werden würden (Sühnung), und dabei gleichzeitig weggetragen werden würden außer Sichtweite und niemals wieder auffindbar (Stellvertretung).“

    Die Sühnung ist also ein unpersönliches Opfer, dass den heiligen Gott in irgendeiner Art und Weise mit den Menschen versöhnt hat, ohne dass es ihr Heil beträfe? Meine Frage ist dann, wie das möglich sein soll (die Frage nach der Methode die im Tode Jesu lag um dieses Ergebnis zu erreichen)?
    Gibt es sozusagen einen unpersönlichen Zorn Gottes, der durch Jesu Opfer für die ganze Welt gesühnt wurde, wobei der persönlich Zorn über vielen Sündern durch diese Opfer nicht weggenommen wird?

    Hast du eine Literaturempfehlung dazu?
    Vielen Dank für deine Antwort.
    Herzliche Grüße

    Raphael

  4. Hi Raphael,

    wenn es Dir recht ist, laß uns im Diskussionsbereich weiter diskutieren. Der Kommentarbreich ist doch recht unpraktisch.

    LG
    Andreas

  5. Hallo,

    aus dem Timotheusbrief verstehe ich folgendes:

    1.Timotheus 2,4 welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

    Der Auftrag lautet Christi lautet:

    Markus 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

    Christus mit Dir
    yimpas

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