Lausanner Bewegung: Mission im 21. Jahrhundert

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Die Lausanner Bewegung, eine internationale evangelikale Bewegung. Entstanden 1974 unter der Führung des US-amerikanischen Evangelikalen Billy Graham. Thema des ersten Treffens war “Alle Welt soll Sein Wort hören”. 2500 evangelikale Führer aus 150 Ländern trafen in Lausanne zusammen und einigten sich auf die sogenannte Lausanner Verpflichtung.  Getragen wurde diese 1. von der unbedingten Autorität der Schrift, 2. der Dringlichkeit der Evangelisation und dies 3. in notwendiger Verbindung mit sozialer Verantwortung.

In der Verpflichtung heißt es:

Wir tun Buße für dieses unser Versäumnis und dafür, dass wir manchmal Evangelisation und soziale Verantwortung als sich gegenseitig ausschließend angesehen haben. Versöhnung zwischen Menschen ist nicht gleichzeitig Versöhnung mit Gott, soziale Aktion ist nicht E vangelisation, politische Befreiung ist nicht Heil. Dennoch bekräftigen wir, dass Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus. Lausanner Verpflichtung, Punkt 5

Der deutsche Zweig – die Koalition für Evangelisation in Deutschland –  zeichnet seitdem maßgeblich für viele solcher evangelistische Initiativen und Aktionen u.a. für ProChrist verantwortlich. Nach Lausanne I gab es das Lausanne II in Manila, auf dem die Fehlentwicklung einer Verflechtung aus Evangeliumsverkündigung und soziale Verantwortung aus der Verpflichtung von 1974 durch das Manila-Manifest von 1989 bekräftigt und weitergeführt wurde.

Die Proklamation des Reiches Gottes erfordert notwendigerweise die prophetische Verwerfung all dessen, was damit nicht vereinbar ist. Zu den Übeln, die wir beklagen, gehören zerstörerische Gewalt, auch in der Form von institutionalisierter Gewalt, politische Korruption, alle Formen der Ausbeutung von Menschen und der Erde, Aushöhlung der Familie, Abtreibung auf Verlangen, Drogenhandel und Nichtbeachtung der Menschenrechte. In unserer Fürsorge für die Armen sind wir betrübt über die Schuldenlast in der Zweidrittel-Welt. Wir sind auch empört über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen Millionen leben, die wie wir Gottes Ebenbild tragen. Manifest von Manila, Punkt 4

Nun also Lausanne III in Kapstadt. Müssen wir eine weitere Entfernung von dem biblischen Konzept der Mission respektive Evangelisation erwarten?

Pastor Dr. W. Nestvogel hat in seiner Dissertation über den bekannten und einflussreichen evangelikalen Prediger Londons,  Martyn Lloyd-Jones auf bestimmte „Eckpfeiler einer bibeltreuen Evangelisation“ hingewiesen:

  1. Das Wesen bibeltreuer Evangelisation: „Evangelisation“ bezeichnet nicht eine bestimmte Form der Veranstaltung, sondern die unverkürzte Weitergabe des „Evangeliums“ (1.Thess.1,9-10; Apg. 20,17-21).
  2. Das Ziel bibeltreuer Evangelisation: Evangelisation zielt primär nicht auf eine Erfüllung gefühlter menschlicher Bedürfnisse, sondern auf die Heilung des zerstörten Verhältnisses zu Gott (Versöhnung mit Gott). Sie ist nicht anthropozentrisch (menschenzentriert), sondern theozentrisch (gottzentriert) ausgerichtet.
  3. Das Mittel bibeltreuer Evangelisation: Evangelisation erzielt ihre Veränderungswirkung aufgrund der Durchsetzungskraft der Wahrheit selbst, die in Gottes Wort liegt. Dieses Wort ist darum unverkürzt auszurichten (der heilige Gott – der in Sünde verlorene Mensch – die Heilstat Christi – der Ruf zu Umkehr und Glauben vor dem Horizont des doppelten Ausgangs: Himmel oder Hölle).
  4. Der Verzicht bibeltreuer Evangelisation: Evangelisation verzichtet deshalb auf zusätzliche menschliche Beeinflussungsmethoden, die einen direkten psychologischen Druck auf den menschlichen Willen ausüben und Scheinbekehrungen provozieren.
  5. Der Träger bibeltreuer Evangelisation: Träger der Evangelisation ist nach biblischem Verständnis die Gemeinde, in der auch die weiterführende Begleitung und Belehrung der Bekehrten wahrgenommen werden kann. Die Gemeinde soll diese Verantwortung nicht an überregionale Spezialorganisationen delegieren. Bekennende Kirche 23 aus 2005, Seite 28

Oder ist eine Umkehr zu diesem biblischen Konzept von Evangelisation und Mission möglich? Der idea-Redakteur Matthias Pankau macht zumindest in seinem Zwischenbericht ein klein wenig Hoffnung:

Im Zentrum steht auch in Kapstadt die unbedingte Notwendigkeit von Mission und Evangelisation. Andere Herausforderungen wie Umweltprobleme, Armut oder Aids werden zwar auch angesprochen, aber im Kern geht es immer um die eine Frage: Wie kann die Botschaft von Jesus Christus allen Menschen zugänglich gemacht werden? Idea-Kommentar vom 20.10.2010

Unter dem Eindruck der Verfolgung von Konferenzteilnehmern aus Nordkorea und Nigeria, die aus ihrer Perspektive auf die schlichte Evangeliumsverkündigung dringen, kommt offensichtlich der eine oder andere ins Nachdenken.

Da ist beispielsweise der anglikanische Erzbischof aus Nigeria, der erzählt, wie ein muslimischer Mob mehrfach versuchte, ihn wegen seines Glaubens zu töten. Seine Frau wurde so zusammengeschlagen, dass sie erblindete. Und doch bekennt er freimütig: „So lange ich lebe, habe ich einen Auftrag: Die Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen.“ Idea-Kommentar vom 20.10.2010

Die Erfahrung lehrt skeptisch zu bleiben, aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben…

sdg
apologet

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