Das Christentum und die „Emanzipation der Gläubigen“…

Veröffentlicht von

Das Internet. Information stets nur einen „Klick“ entfernt. Eine schier unübersehbare Fülle an Informationen steht zum Abruf bereit. Die so genannte „Wissensgesellschaft“ baut in nicht unerhebliche Maß darauf auf. Neben einschlägig bekannten Seiten wie Wikipedia, existieren zu fast allen denk und undenkbaren Themen, unzählige Nischenseiten. Darunter auch „Blogs“. Wer sich auf diese Seite verirrt, befindet sich auf genau auf einem solchen. Nun tritt fast jeder themenspezifische Blog – gewollt oder ungewollt – auch als „Expertenplattform“ auf.

Das dabei mitunter gewaltige Qualitätsunterschiede vorhanden sind, dürfte so offensichtlich wie zwangsläufig sein. Denn das WorldWideWeb ist von seinem Ansatz her basisdemokratisch. Für diese Seite stelle ich an dieser Stelle nochmals fest, daß veröffentlichte Artikel bzw. jegliche Aussagen und Informationen nur insofern korrekt sind, wie diese mit der Schrift respektive den reformierten Bekenntnissen übereinstimmen.

Worauf möchte ich hinaus? Auf der Community-Seite bzw. Werbeplattform des Bundesverlages aus Witten, „Jesus.de„, wird aktuell und unkommentiert auf die Artikelreihe Das Christentum und die Emanzipation der Gläubigeneiner sogenannten „Expertin“ hingewiesen. Man übernimmt zwar, wie allgemein üblich, keine inhaltliche Verantwortung, weist nichtsdestotrotz auf das „Expertenforum“ „Vnr.de“ – bei dem sich jeder als Experte bewerben kann – und besagte Artikelreihe hin.

Frau Dr. Britta Kanacher schreibt über sich selbst, nicht besonders gläubig zu sein, sich jedoch für das Themengebiet der Religion zu interessieren. Keine allzu große Überraschung für eine Religionswissenschaftlern.

Welches Anliegen treibt die selbsternannte Expertin nun mit ihrer Artikelreihe um? Sie möchte, wie es bereits im jeweiligen Titel anklingt, den Gläubigen zur „Emanzipation“ verhelfen… von der Kirche, von der Bibel, hin zu einem individualisierten, persönlichen und unmittelbaren Verhältnis zu Gott. Mit dieser „Expertenmeinung“ liegt Frau Dr. Kanacher ohne Zweifel im zeitgeistigen Trend und trifft auch die Meinung des einen oder anderen Users hier.

An dem Anspruch eines glaubensverbindlichen Kanons von Schriften, gar einer für das Heil notwendigen Kirche, stoßen sich viele Glaubende. Nun schreibt die Expertin Fr. Dr. Kanacher jedoch das eine oder andere, selbst Laien wie mich, Irritierende:

Die Kirche habe lange Zeit eine „urchristliche Vielfalt“ verschwiegen, habe Institutionen, wie Bischöfe, Priester und Diakone „geschaffen“, um den Untergang des Christentums in der frühkirchlichen Pluralität der religiösen „Vorstellungshorizonte“ zu verhindern.

Sie schreibt von „Wächtern“ des „einen wahren Glaubens“, welche andere Entwicklungen, Schriften etc. unterbunden hätten und klingt dabei, als habe es sich dabei um eine frühkirchliche Inquisition gehandelt. Dies habe eine Veränderung der christlichen bzw. von Jesus formulierten Grundgedanken bedeutet, und den „Geist gedämpft“. Die Institution Kirche habe die Emanzipation der Gläubigen des ursprünglichen Ur-Christentums zerstört.

Es drängt sich förmlich die Frage auf, ob diese „Expertin“, das Kirche überhaupt erst konstituierende Dokument, die Bibel eigentlich kennt? Oder ist sie darüber hinaus sogar im Besitz von Geheimdokumenten bisher unbekannter „Grundgedanken Jesu“?

Sie zählt einige alte Bekannte, deuterokanonische respektive gnostische Schriften, wie das Thomasevangelium, das Evangelium des Philippus, das Ägypterevangelium auf…

In den textkritisch bestens belegten Schriften der frühen Kirche – den neutestnamentlichen Schriften selbst, ist bereits von der – von der Expertin als durch die Kirche verschwiegen behaupteten – „urchristlichen Vielfalt“ die Rede. Vor dieser Vielfalt hatte jedoch Jesus selbst schon gewarnt und gefordert, an dem festzuhalten was Er gesagt hat (“ … viele werden in meinem Namen kommen … „). Die Apostel schreiben später von gefälschten Evangelien, Briefen und Aposteln. Berichten oft von jüdischen bzw. gnostischen Irrlehren und forderten ihrerseits an der Überlieferung des Evangeliums durch die Apostel festzuhalten.

Was bitte, hätte die Kirche also verschweigen können?

Gleiches gilt für die Institutionen. Jesus selbst hat Apostel eingesetzt, die Apostel wiederum Bischöfe, Presbyter und Diakone einsetzten. Alles explizit in den Dokumenten des Urchristentums nach lesbar. Weder Kritikansatz, noch Argumentation Fr. Dr. Kanachers sind besonders originell, beides jedoch schlecht recherchiert und aufbereitet.

Auf der einen Seite also zweifelhafte Experten, auf der anderen überflüssige, unkritische Berichterstattung. Andererseits, ein apologetisch orientierter Blog wie meiner hätte ohne dergleichen überhaupt gar keine Daseinsberechtigung…

sdg
apologet

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.