Kommunismus in der Bibel?

Veröffentlicht von

Der deutsche Bundestag erlebt eine Kommunismusdebatte. Gesine Lötzsch, Urheberin der Debatte ist dabei nicht im Saal. Ein anderer Abgeordneter der Partei die Linke, Ulrich Maurer wirft anderen Rednern – zumeist ostdeutsche Abgeordnete – Unverschämtheit vor und das diese wenig vom Kommunismus verstünden. Kommunistische Ideen fänden sich schon in der Bibel, meint der „bekennende Christ“ Maurer und zitierte dazu aus der Apostelgeschichte. Ist das berechtigt?

Der besagte Text findet sich in der Apostelgeschichte.

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes -, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Apg4:32-37

Der Begriff Kommunismus bedeutet gemeinsam bzw. gemeinschaftlich (lat.  communis).

1. Freiwilligkeit

Daß die Gläubigen teilten, alles gemeinsam hatten, geschah durch Gnade Gottes veränderte Herzen und völlig freiwillig. Es gab weder Vorgaben durch die Apostel, noch ein Regelwerk, geschweige denn einen Zwang durch die Gemeinde.

2. Eigentum

Es gab weiterhin persönliches Eigentum. Nicht jeder Gläubige verkaufte alles was er hatte. Die Gläubigen behielten ihr Eigentum lediglich nicht nur für sich allein, sondern teilten es mit bedürftigen Geschwistern (nicht mit Ungläubigen!). Weiterhin trafen sie sich in „ihren Häusern„. Petrus macht später sogar, in der Situation mit Ananias und Saphira deutlich, dass diese keinesfalls dazu verpflichtet waren ihr Eigentum zu verkaufen und das Geld zu verschenken.

3. Fazit

Weder aus diesem Text – der oft von Kommunisten herangezogen wurde und wird – noch aus anderen Bibeltexten läßt sich eine Abschaffung von Privateigentum, oder gar eine Frühform des Kommunismus ableiten. Dies wird weder empfohlen und erst recht nicht gelehrt. Im Gegensatz zur kommunistischen Idee ist Reichtum aus biblischer Sicht sogar ausdrücklich erlaubt, soll jedoch nicht stolz machen (1Tim6:17-19; 1Tim 6:6-10). Der Text zeigt auf:

  • das Gottes Gnade Ursache für das Teilen war (verändertes Herz), Gott ist Geber und Eigentümer von allem
  • das diesbezüglich kein Gebot oder Regelwerk vorlag (vollständige Freiwilligkeit), niemand war zum Teilen verpflichtet
  • das die Veränderung irdischer Verhältnisse nicht das Ziel gewesen ist (begrenzte Teilnehmer: Gläubige)

Die Apostelgeschichte berichtet davon, daß Christen ihren Besitz mit anderen Christen gemeinsam  aus der Erkenntnis heraus genutzt haben, daß alles was sie besaßen Gottes Eigentum war. Der Verkauf von Eigentum und die Mitnutzung durch andere begründet kein gemeinsames Eigentum. D.h. die jeweiligen Güter gehörten nicht allen, sondern blieben im Besitz der einzelnen Gläubigen, die keinesfalls dazu verpflichtet waren oder wurden irgendetwas zu verkaufen oder abzugeben. Gläubige konnten ihre Produktionsgüter, ihren Besitz und Reichtümer ohne Probem behalten.

Damit ist der Kommunismus als philosophisches Konzept letztlich sogar ein Gegenentwurf zum christlichen Glauben. Er besitzt eine diesseitige Hoffnung, welche durch die Veränderung des Menschen durch den Menschen verwirklicht werden soll. Sogar Bezüge zum „Tausendjährigen Reich“ sind deutlich erkennbar. Man kann den Kommunismus also im Prinzip als eine säkularisiert Religion bezeichnen. Letztenendes interessiert dann nicht was die Schrift tatsächlich zu diesem Thema sagt, denn es gilt eine Weltanschauung zu verteidigen, die sicherlich zum einem eng mit der persönlichen Biographie verknüpft, zum anderen aber die tragende Überzeugung ist.

Da werden besagte Bibelfetzen im Sinne einer säkularen Religion, des Kommunismus, nicht nur mißverstanden, sondern mißbraucht.

sdg

apologet

Quelle: Die Süddeutsche

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.