Schöpfung – aber wie?

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In meinem aktuellen Newsletter habe ich schon darauf hingewiesen das Thema der Schöpfung ein wenig vertiefen zu wollen. „Wozu“, mag der eine oder andere denken?

Im Allgemeinen scheinen die Positionen doch klar unterscheidbar auf der Hand zu liegen.

  • Auf der einen Seite existiert der atheistische Standpunkt der „Evolution“. Ohne Gott und jegliche Metaphysik, 110%tig naturalistisch…
  • Auf der anderen der Glaube an eine Schöpfung durch einen Gott, „Kreationismus“ bzw. daneben noch die sogenannte „Theistische Evolution“.

Da für Christen die naturalistische Position unvereinbar mit ihrem Glauben ist, bleiben demzufolge nur die beiden letztgenannte Ansichten vertretbar, wobei auch hier oberflächlich betrachtet klare Fronten zu existieren scheinen.

  • Die theistische Evolution wird der „liberalen“,
  • der Kreationismus der „bibeltreuen“ Fraktion zugeordnet.

Bereits in meinem letzten Artikel – Evangelikalismus – der theologische Absturz – wurde jedoch bereits eine wesentlich größere Bandbreite an Ansichten deutlich. Die sich darauf beziehende Umfrage thematisiert daher lediglich einen Aspekt der Schöpfung, den Zeitraum.

  1. die 24-Stunden-Kalender-Tag-Sicht, welcher ein wortwörtliches Textverständnis zugrunde liegt
  2. die Tag-Zeitalter-Theorie, welche ausgehend von der Annahme, daß die Bedeutung des hebräischen Wortes “yom” undefinierte bzw. lange Zeiträume zuläßt, davon ausgeht, daß es sich bei den “Tagen” um Zeitalter handelt.
  3. die Rahmen-Theorie, welche die Länge der Tage völlig außer Acht läßt und den Schöpfungsbericht als literarische Rahmenerzählung begreift
  4. der Mythos-Befund, welcher die biblische Erzählung als literarischen Mythos betrachtet

Jean-Louis vom Blog Christozentrisch hat mich in einer Reaktion auf meinen Newsletter weiter darauf hingewiesen, daß die Thematik als solches jedoch breiter angegangen werden muß. Beispielsweise zwischen den Konzepten (Konkordanzhypothese, „Gap Theory“, Rahmentheorie etc.) an sich und der jeweils zugrundeliegenden Hermeneutik unterschieden werden sollte.

Nicht aufzugegeben ist das Primat der Heiligen Schrift. Die Frage die sich stellt lautet daher: wie viel „Spielraum“ lassen die Genesisberichte zu bzw. welche Auslegung wird dem Text am besten gerecht?

Im deutschsprachigen Bereich ist, wie so oft, wenig Literatur zu diesem Thema vorhanden bzw. wird das Thema wie Eingangs kurz angerissen, zu schnell auf den Gegensatz Evolution/Kreationismus verengt. Was m.K.n. fehlt ist die theologische Beschäftigung mit diesem Thema. Da nun jedoch zwischen Schöpfungslehre und Erlösungslehre ein direkter und nicht trennbarer Zusammenhang existiert, dieser sowohl von Christus wie auch Paulus hergestellt wird, kann dieses Thema m.E. nicht als unbedeutend angesehen werden.

Auf ein paar Seiten die sich mit dieser Thematik beschäftigen, möchte ich an dieser Stelle  hinweisen:

sdg

Andreas

Christozentrisch: Schöpfung und Evolution

Christozentrisch: Adam wo bist Du? Schöpfung vs. Evolution

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35 Kommentare

  1. Hallo zusammen,

    vielleicht ist es möglich dieses:

    Zitat: „Beispielsweise zwischen den Konzepten (Konkordanzhypothese, “Gap Theory”, Rahmentheorie etc.) an sich und der jeweils zugrundeliegenden Hermeneutik unterschieden werden sollte.“

    etwas transparenter für den deutschen Leser zu machen?
    Zwischen welchen Hermeneutiken ist hier zu unterscheiden?
    und
    Welche Notwendigkeit besteht überhaupt verschiedene Theorien in Erwägung zu ziehen?

    Danke,
    Anna.

  2. Hi Anna,
    verschiedene hermeneutischen Herangehensweisen mit den Genesis-Berichten umzugehen (wortwörtlich, literarische Rahmenerzählung, Mythos) habe ich bereits in den Artikeln genannt.

    Die Notwendigkeit ergibt sich m.E. grundlegend daraus, Gottes Wort und Wirken verstehen zu wollen. Erst dann und nur dann sind wir in der Lage die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen.

    Oder wie siehst Du das?
    LG
    Andreas

  3. Ich würde es gern einfach halten:

    Gottes Wort ist nicht sinnlos gegeben. Der Gläubige will sogar mit Lust (sag ich mal) Gottes Wort und Wirken verstehen. Insofern gibt es eine Notwendigkeit, stimme ich zu.

    Was macht der Gläubige mit dem Schöpfungsbericht?

    Ist der Schöpfungsbericht „wortwörtlich“ zu verstehen?
    Ist der Schöpfungsbericht als „literarische Rahmenerzählung“ zu verstehen?
    Ist der Schöpfungsbericht als „Mythos“ zu verstehen?

    Die erste Frage, die sich hier stellt, ist doch die:
    was ist falsch an einer wortwörtlichen Verständnisweise?
    Weil ich mir nicht erklären kann, wie eine Pflanze innerhalb eines Tages ohne Regen Frucht usw. bringt …?
    Weil ich mir nicht erklären kann, wie ein Tier, wie ein Mensch …. so wortwörtlich geschaffen worden sind?

    Jeder „frisch“ Gläubige favorisiert doch das wortwörtliche Verstehen.
    Er ist doch auf das wortwörtliche Verständnis der Verheißungen angewiesen …
    Welchen Schriftgrund gäbe es, das wortwörtliche Verständnis des Schöpfungsberichts aufzugeben?

    Ungläubige beugen sich nicht unter die Evangelien als Augenzeugenberichte mit einer ähnlichen Begründung. Auf die Weise „literarische Rahmenerzählung“ oder „Mythos“ sind letztlich auch die Wunder der Evangelien interpretatorisch frei gestellt.
    Wer legt denn die entsprechende Hermeneutik fest? Anerkannte Namen ??? Menschen ???
    Also ich bleibe dabei, dass es letztlich eine Autoritätsfrage ist – der allwissende Gott oder ….
    Also ich bleibe dabei, dass es ein Augenzeugenbericht ist von dem, der die Welt erschaffen hat, weil mir keine Formulierung Anlass bietet von weniger auszugehen als einem Augenzeugenbericht, der unter Tagen nichts anderes versteht als wir heute unter Tagen verstehen.

    Tut mir leid, aber ich kann in dieser Diskussion – egal wie viel Namen man hier noch anführen möchte oder wie man den HK jetzt lesen kann …. keinen wesentlichen Unterschied zur Bibelkritik erkennen.
    Ich möchte es aber wirklich noch einmal betonen, es geht mir nicht um die Absichten von Menschen, sondern nur um die Position für sich genommen.

    Es ist und bleibt mir momentan ein Rätsel, was hier überhaupt warum zur Diskussion steht!
    Anna

    1. Hi Anna,

      leider ist es mit dem Wort Gottes nicht immer möglich, alles „einfach zu halten„. Die Beröer werden explizit dafür gelobt das sie im Wort Gottes „geforscht“ haben. Das griechische Wort für „forschen“, anakrinontes bedeutet soviel wie: „befragen, hinterfragen, zu erkennen, zu prüfen, zu beurteilen, zu suchen„. D.h. bei einfacher Lektüre durch Gläubige – egal ob frisch oder altgläubig, zumal ohne jemanden der einen unterweist (Beispiel: Kämmerer/Philippus), kommt man u.U. zu vollkommen falschen Ergebnissen.

      Gottes Wort ist uns – so wie ich es sehe – in Form einer Offenbarung „gegeben“: Aus der Ewigkeit Seiner Gegenwart in unsere Welt hinein. Das bedeutet, daß Gottes Wort, also Sprache/Literatur auch mit Mitteln dieser Welt, Hermeneutik und Exegese untersucht werden kann und muß.

      Als Anhalt wie mit der Schrift umgegangen werden sollte, sind uns Christus selbst und die Apostel beispielgebend. Diese haben keinesfalls jedes Wort der Schrift „wortwörtlich“ genommen. Acht da mal drauf… Hier gilt das Prinzip, der sich selbst auslegenden Schrift (scriptura sui ipsius interpres). Insofern wird man den Genesisberichten nur dann wirklich gerecht, wenn man danach fragt wie es der Autor selbst gemeint hat. Dazu gilt weiterhin den Kultur und Zeitunterschied zu überbrücken und viele andere Dinge mehr. Insofern sehe ich die Diskussion, egal ob hier oder grundsätzlich, für mehr als gerechtfertigt.

      Und das sage ich als jemand, der bisher uneingeschränkter Verteidiger der 24-Stunden-Theorie gewesen ist.

      LG
      Andreas

  4. Anna,

    eine richtige Hermeneutik ist äußerst wichtig. Was machst du z. B. mit den zahlreichen Metaphern, Allegorien und Gleichnissen in der Bibel?
    Die Frage ist nicht: kann Gott manchmal sinnbildlich reden?
    Die Frage ist: wann redet die Bibel wortwörtlich und wann nicht?

    Zu deiner Frage: Wer legt denn die entsprechende Hermeneutik fest? Antwort: nicht namhafte Theologen, sondern die Bibel selbst natürlich!!! So verstehe ich auch sola scriptura und Analogie des Glaubens.

    Wenn Johannes von der Auferstehung Jesu spricht, dann meint er eine leibliche Auferstehung (1Joh 1,1). Wer die Botschaft der Auferstehung nur als „kerygma“ versteht, macht einen klaren Interpretationsfehler, weil er seine Vernunft in den Mittelpunkt stellt.

    Wenn Johannes in Offenbarung 12,9 in der alten Schlange Satan sieht, dann möchte er uns einen wichtigen Schlüssel zur Interpretation von 1 Mose 3 geben. Oder wie siehst du das?

    Gruß Jean-Louis

  5. Hi Andreas,

    mir geht es darum nicht zu schnell „Sinnbilder“ in der Auslegung zu favorisieren. Jeder, der die Bibel liest, liest: Wort für Wort für Wort. Der Sinn, der sich dann ergibt, ergibt sich über Wort für Wort für Wort. Was ich dann erhalte, ob es Unsinn oder Sinn macht, entscheide nicht ich. (Damit negiere ich niemals Lehrer, von denen die Schrift spricht, dass sie der Gemeinde mit dem Wort Gottes dienen … Aber ich bin auch nicht gehalten solchen Lehrern blind zu folgen.)
    Das Ganze entscheidet schon gar nicht eine Wissenschaft, die in Rebellion gegen Gott Schlussfolgerungen aus Naturbeobachtungen zusammenträgt.

    Das heißt nicht, dass ich keine Fehler mache. Das heißt nicht, dass ich überall total sicher bin, ob es sich um die wörtliche oder eine bildliche Bedeutung handelt.
    Es geht um: Welcher Schriftgrund bietet dir Anlass, genauso zu denken, wie du denkst? Nicht welche Wissenschaft bietet dir Anlass … nicht welche eigene Erfahrung bietet dir Anlass …
    Ausgangspunkt kann nur die Offenbarung Gottes im Wort sein und verstärkend muss doch hier noch hinzugesetzt werden, bei einem Thema vom Beginn der Schöpfung, einer Schöpfung aus dem Nichts.

    LG Anna

  6. Jean-Louis,

    In Offenbarung 12, 9 haben wir „Drache“ und „Schlange“ und „Teufel“ und „Satan“. Ist Satan wortwörtlich ein Drache oder eine Schlange? Ist Satan wortwörtlich ein Tier? Die Schrift sagt uns: nein. Es wird aber hier verknüpft, im Sinne von „der Drache steht hier für“, „die Schlange steht hier für“. Warum eignet sich bspw. die Schlange gut, um das Wesen Satans so zu beschreiben, dass sie „Satan“ genannt werden kann? So gehe ich in 1. Mose 3 hinein.

    1. Mose 3, 1 gibt mir keinen Anlass davon auszugehen, dass hier nicht das Tier gemeint ist. Die Leseweise von „Satan war listiger als alle Tiere des Feldes“ würde ich hier also nicht annehmen.
    1. Mose 3, 14 würde ich auch nicht lesen als: „der Satan soll verflucht sein mehr als alle Tiere des Feldes.“
    Wo taucht hier überhaupt der Begriff „Satan“ auf?
    Wenn ich jetzt Satan als Urheber der Verführung ausmachen kann (nach Offb. 12, 9), dann ist Satan hier nicht weniger der Urheber auch wenn ganz konkret historisch hier eine Schlange handelt.

    Wir haben in 1. Mose 3, 15 eine Zusage. Und die Frage ist dann hier? Wortwörtlich? Ich habe keinen Anlass davon auszugehen, dass die Schlange und die Frau hier nicht direkt angesprochen sind, obwohl das Gesagte weit über die historisch Handelnden hinausweist.
    (Bspw. Matth. 16, 23: Petrus wird hier ganz konkret historisch angesprochen und doch ist Petrus nicht „der Satan“, diese Stelle weist auf mehr hin als auf die Person des Petrus)

    Wie verhält es sich jetzt mit „Samen“? – hier können wir mit Sicherheit durch die Schrift sagen, dass die Variante: „die Schlange gebiert den Satan“ und „Eva gebiert Jesus“ ausgeschlossen ist. Die Bedeutung von „Samen“ muss also anders sein, als die „einer direkten Geburt“. Das wäre die Frage nach dem Verständnis des Wortes „Same“, ist aber für sich genommen kein Anhaltspunkt für eine sinnbildliche Verständnisweise von 1. Mose 3. Auch wissen wir durch die Schrift, dass es in der Erlösung nicht darum geht, Schlangen (Tiere) zu zertreten im buchstäblichen Sinne. Der Bedeutungsgehalt dieser Zusage ist aber kein Argument gegen die konkrete historische Situation, in der sie gemacht wurde.

    Eine offensichtlich bildliche Verwendung hebt die historische Faktenlage an anderer Stelle nicht auf.
    Ich sehe im Schöpfungsbericht selbst keinen Anlass weniger anzunehmen als konkrete historische Fakten.

    Gruß Anna

  7. Anna,

    nimm es mir bitte nicht Übel, aber leider zeigst du in deinem letzten Beitrag, dass du reale Fakten von sinnbildlichen Formen nicht korrekt dissoziieren kannst.
    Der Sündenfall ist in der Tat ein historisches Ereignis (es hat auch historische Konsequenzen), aber die Beschreibung dieses Ereignisses kann wohl symbolische Elemente enthalten.
    Du kannst doch nicht ignorieren, dass die Schlange in dem biblischen Text eine enorme religiöse Bedeutung hat; sie symbolisiert die Verführung der ägyptischen und anderer heidnischen Religionen. Das Seeungeheuer Rahab hat auch im AT eine ähnliche Bedeutung. Gott will in erster Linie sein Volk vor den heidnischen Kulten des Landes Kanaans warnen.
    Der Same der Schlange kann, wie du richtig gesehen hast, nicht wortwörtlich verstanden sein. Gemeint sind im Protoevangelium „geistliche“ Nachkommenschaft. Was erlaubt dir dennoch zu sagen, dass die Schlange eine echte Schlange ist? Der Grund dafür ist vielleicht, dass du den symbolischen Wert von vielen Bewohnern des Gartens in der Schrift noch nicht erkannt hast.
    Eine letzte Sache: Matthäus 16, 23 ist offensichtlich ein Dialog mit einer einzigen Allegorie, während 1 Mose 1-3 voll mit Symbolen ist. Ganz offensichtlich ist es eine besondere Textgattung.

    Gruß, Jean-Louis

  8. Jean-Louis,

    welchen Schriftgrund im Schöpfungsbericht gibt es denn dafür:
    „sie symbolisiert die Verführung der ägyptischen und anderer heidnischen Religionen“?

    Vielleicht wiederhole ich mal die eigentliche Frage: Warum wird der Schöpfungsbericht nicht als Augenzeugenbericht anerkannt?

    Gruß Anna

  9. An der Stelle möchte ich auf zwei Betrachtungen in Deutsch hinweisen, die genauer verschiedene Positionen betrachten. Synthesen dieser Positionen sind nicht aufgeführt.
    Das Ganze ist nicht immer einfach allgemein verständlich, aber es finden sich immer wieder längere Passagen, die auch ohne „theologisches Spezialwissen“ leicht zu verstehen sind.

    http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a04/a04-1.pdf

    WIE GESCHAH DIE SCHÖPFUNG ?
    DIE FRAGE DER LITERATUR UND DER
    HISTORIZITÄT VON GENESIS 1-3 (TEIL 1)
    Dr. Hendrik Koorevaar,
    Hier werden folgende Positionen dargestellt:
    der orthodoxe Standpunkt
    die Wiederherstellungstheorie
    ein Schöpfungstag ist ebenso lang wie 7000 Jahre
    die Schöpfung ist ein Sieg über die Mächte des Chaos
    die Schöpfungstage entsprechen den verschiedenen Phasen des geologischen Zeitschemas
    Gen. 1 ist Dichtkunst
    Gen. 1, 1 – 2, 3 ist apokalyptisch

    http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a04/a04-2.pdf

    WAS GESCHAH IM GARTEN EDEN?
    DIE FRAGE DER LITERATUR UND DER
    HISTORIZITÄT VON GENESIS 1-3 (TEIL 2)
    Hier werden folgende Positionen dargestellt:
    orthodoxe Position
    mythisches Verständnis
    literarisches Verständnis

    Anna

  10. Hallo Anna,

    erst mal vielen Dank! Ich bin gerade dabei einen Text zur Rahmen-Hypothese aus dem Englischen zu übersetzen weil ich keinen deutschen Artikel dazu gefunden habe.

    Zwar habe ich beim Überfliegen der erstgenannten Betrachtung auch diese Position vorgefunden, aber ich halte es für angebracht die Proargumentation dennoch zu übersetzen.

    Die Rahmen-Hypothese scheint – im Gegensatz zu den anderen Positionen – den Text aus einem klar geistlichen Blickwinkel zu betrachten. Will sagen, sie versucht nicht Wissenschaft und Schrift zu versöhnen, sondern dem Text selbst gerecht zu werden.

    Wird aber heute sicher nicht fertig.
    sdg
    Andreas

  11. Anna,

    habe ich bisher nur unsachgemäße Gründe vorgelegt? Du nennst den Schöpfungsbericht einen Augenzeugenbericht. Welchen Schriftgrund gibst DU für eine solche Aussage? Bist du der Meinung, so kann man am besten die Irrtumslosigkeit der Schrift verteidigen? Waren Mose (oder Hiob – siehe Hiob 38,4) Augenzeugen der Schöpfung?
    Die Inspiration der Schrift mag worttreu sein, es ist aber keine „mechanische“ Inspiration. Der Heilige Geist bedient sich auch des menschlichen Geistes, der sein Ebenbild ist. Die meisten Reformatoren hielten auch nicht an eine „naive“ Exegese der Schrift, sondern an die grammatisch-historische Methode fest.
    Aus diesen Grund haben sie auch in ihrer Endzeitslehre die chiliastischen Märchen abgelehnt. In deiner Logik müssten sich auch die Endzeitprophetien „materialisieren“?
    „Historisch“ heißt zum einen, dass wir von historischen Fakten ausgehen aber auch den damaligen Kontext berücksichtigen müssen. 1 Mose ist nicht nur für moderne Menschen geschrieben worden, sondern auch für die damaligen Israeliten (mit ihren mythischen Vorstellungen).
    „Grammatisch“ heißt, dass wir uns schon mit der Textart auseinandersetzen sollen, und uns nicht mit der Aussage begnügen:“Der Sinn muss sofort ins Auge fallen“.

    Jetzt zu der Schlange! Das hebräische Wort „nâhâsch“ (Schlange) ist mit dem Wort „nahasch“ verwandt, das in 4Mose 23,23 für „Zaubern“ und in 4 Mose 24,1 für „Wahrsagung“ verwendet wird. Das ist die Kraft, die sich Gott widersetzt. Nicht umsonst nennt das NT den Widersacher „Satan“.
    Wir lesen auch in Jesaja 27,1:
    „Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.“
    In diesem Kontext ist der Leviathan ein eindeutiges Symbol für die Macht des Bösen, die Gott am Ende vernichten wird (1Mose 3,15 – Römer 16,20).

    Gruß
    Jean-Louis

  12. Jean-Louis,

    ich denke, ich kann gut die deutsche Übersetzung einer „Pro-argumentation“ abwarten.
    Wie ich auf den Begriff „Augenzeugenbericht“ komme?
    Das ergibt sich einfach aus der Leseart.
    „Die Erde aber war …. Und Gott sprach … Und Gott machte … Und Gott nannte …Und es wurde … usw. usw.“
    Es ist eine Beschreibung als ob jemand dabei gewesen wäre.
    Ich identifiziere also gemäß der vorliegenden Sprachweise.

    Ob ich damit am besten die Irrtumslosigkeit der Schrift verteidigen kann?
    Weiß ich nicht. Aber ich kann damit Wissen gegen Vermutung, Wissen gegen Wahrscheinlichkeit stellen!
    (Ich weiß nicht wie gut du dich mit Wissenschaftstheorie auskennst und was der Ungläubige als „Wissen“ definiert.)
    Den Vorteil, den ich hier in „Händen habe“, würde ich ohne weiteres nie aufgeben. Das Ganze ist auch in der Erfahrung erprobt. Momentan sehe ich nur Nachteile sowohl im Verkehr mit Ungläubigen als auch für den Gläubigen bei praktizierter Konsequenz solcher Gedanken, die ich deiner Annahme entnehmen muss.
    Aber wie oben schon gesagt – vielleicht bringt die angekündigte „Pro-argumentation“ etwas anderes, oder mehr Verständnis meinerseits dieser Sichtweise gegenüber.

    Übrigens ich habe die Auslegung des Schöpfungsberichtes von Calvin in Deutsch hier vorliegen. Naiv – würde ich sie nicht nennen.

    Über die Art und Weise, wie Mose zu diesem Bericht gekommen ist, kann ich nichts Genaues sagen – in dem Falle werde ich auch nicht Spekulieren.

    Und nein, der Sinn muss einem gar nicht sofort ins Auge springen. Manchmal ist es so, manchmal ist es lange Arbeit, manchmal erschließt sich der Sinn gar nicht. Im letzteren Fall bekenne ich entsprechend. Mehr nicht.

    Gruß Anna

  13. Anna,

    vielen Dank für deine Recherchen! In der Zwischenzeit habe ich die Äußerungen von Dr. Hendrik Koorevaar über Prof. Henri Blocher gelesen (WAS GESCHAH IM GARTEN EDEN? DIE FRAGE DER LITERATUR UND DER
    HISTORIZITÄT VON GENESIS 1-3 (TEIL 2)). Blocher ist wie Meredith Kline ein Befürworter der Rahmen-Theorie (literarischer Ansatz).
    Was Koorevar behauptet, ist einfach unerhört: Blocher wäre ein Befürworter der dialektischen Theologie (Ende S.4) Er sagt auch (S.4):
    „Es ist aber methodisch nicht zu verantworten, einen Teil des Buches Genesis, das in einer historischen Linie steht und aus einer früheren Zeit stammt, durch ein apokalyptisches Buch aus einer viel späteren Zeit auszulegen. Die Genesis hat eine unveränderliche Botschaft, die viele Jahrhunderte lang in sich selbst einen bestimmten Inhalt hatte, lange bevor das Buch der Offenbarung verfasst wurde. In der Offenbarung wird in apokalyptischer Form über die Zukunft gesprochen.“

    Offensichtlich hat Koorevaar weder von der Analogie des Schrift gehört (Offg 20,2) noch begriffen, dass die Offenbarung fast nur alttestamentliches Material ausleiht.
    Koorkevar ist ein Rationalist, der mit der Idee nicht fertig werden kann, dass man auch über historische Fakten in bildlicher Sprache reden kann. Als Beispiel für diese TATSACHE erwähnt Derek Kidner in seine Einleitung zu 1 Mose das Gleichnis von Nathan in 2 Samuel 12,1-6.
    Gruß Jean-Louis

  14. Anna,

    es stimmt schon, dass der große Calvin eine „echte“ Schlange sah.
    Wahrscheinlich hat er Augustinus nicht gut gelesen ,-)
    Übrigens Calvin ist in 1Mose 1,24 der theistischen Evolution nicht abgeneigt 😉

    Gruß Jean-Louis

  15. Jean-Louis,

    ich nehme jetzt mal als Anlass dieses Zitat von dir:

    „der mit der Idee nicht fertig werden kann, dass man auch über historische Fakten in bildlicher Sprache reden kann.“

    und möchte versuchen, dir zu erklären, womit ich hier momentan nicht zurechtkomme.

    Die Schrift kennt eine Menge Augenzeugenberichte. Berichte, die so gestaltet sind, dass jemand, der dabei war, berichtet, was er gesehen und gehört hat. Wir haben auch (Lk. 1) Sammlungen von Augenzeugenberichten anderer.

    Fakt ist, dass es Augenzeugenberichte gibt, die viele Symbole enthalten (Offenbarung, Prophetien).
    Nichtsdestotrotz ist hier niedergeschrieben, was man tatsächlich gesehen und gehört hat.
    Würdest du sagen, dass nach deiner Ansicht, der Schöpfungsbericht dieses Kriterium erfüllt?

    Denn ich müsste momentan sagen: nein, dieses Kriterium ist nicht erfüllt.
    Wir hätten somit einen Text, der zwar den Anschein erweckt, dass es so geschehen ist (Am Anfang war …, dann geschah …, dann geschah ….) – aber letztlich nur eine so nie stattgefundene Beschreibung wäre.
    Der Text selbst sagt uns nicht, dass so nicht gewesen wäre. Mir ist auch keine Verwendung des Schöpfungsberichts bekannt, die darauf schließen lässt, dass es sich hier um eine so nicht stattgefundene Beschreibung handelt.

    Wie würden denn Menschen im Allgemeinen einen solchen Text beurteilen?
    Einen Text, der den Eindruck vermittelt, es war so. Weiter sagt dieser Text nichts. Bei Überprüfung stellt sich dann heraus: nein, so war es nicht, so hat es keiner gesehen und gehört.

    Gruß Anna

  16. Anna,

    ich stelle immer wieder bei dir 2 Fehlgedanken fest:

    1. Du gehst davon aus, dass bestimmte Textformen (wie z.B. die Prophetie) immer auf Visionen oder Hörerlebnissen basieren müssen. Wer sagt dir, dass es so ist? Kann der Geist Gottes nicht „Wahrheiten“ durch alle Arten von Einbildungen und verbalen Ausdrucksformen kommunizieren. Leider wollen christliche „Rationalisten“ oft nicht verstehen, wie mächtig Gott in uns wirken kann und was es heißt, dass wir in Ihm leben, weben und sind (Apg 17,28)

    2. Weil 1Mose über die Enstehung der Welt spricht (Fakt!) muss dieses Geschehen zwangsweise in moderner rationaler Form beschrieben werden?
    Du hast vorher gefragt, ob ich von Wissenschaft Ahnung hätte. In der Wissenschaft ist es so (zumindest in der Atomphysik), dass man mit Modellen arbeitet, welche die Realität annähernd abbilden und trotzdem dieser Realität nicht genau entsprechen. Auch was du mit bloßem Auge siehst, enstpricht nicht genau der Realität.
    Weil Mose bei der Schöpfung nicht dabei war und nicht verstehen konnte, was ein DNA-Molekül ist, wie konnte Gott ihm solche komplexe Zusammenhänge nahebringen? Reicht es nicht, wenn Gott das Bild eines Töpfers verwendet? Gott erklärt uns komplexe Dinge, dass wir sie verstehen, wie Eltern mit ihren Kleinkindern in kindgerechter Sprache reden.

    Gruß Jean-Louis

  17. Jean-Louis,

    weißt du was, ich warte jetzt erst einmal ab. Nach den folgenden Zeilen werde ich erst einmal beenden.

    1. … „Du gehst davon aus, dass bestimmte Textformen (wie z.B. die Prophetie) immer auf Visionen oder Hörerlebnissen basieren müssen. Wer sagt dir, dass es so ist?“

    Nun gut, ich denke an solche Stellen wie: „Nach diesem schaute ich, und siehe, …“ (Offb. 4, 1)? Ob sie das nun „in sich“ oder „auf der Leinwand“ oder … geschaut haben, ist jetzt gar nicht so wichtig.
    Dass sie es real „geschaut haben“ ist wichtig. Wie soll ich mich einfach ausdrücken: es war real vorhanden und davon wurde gezeugt mit Worten.

    2. „… Weil 1Mose über die Entstehung der Welt spricht (Fakt!) muss dieses Geschehen zwangsweise in moderner rationaler Form beschrieben werden?“

    Mir ging es eigentlich darum: es wird beschrieben als wäre jemand dabei gewesen, der den Ablauf schildert. Also mal in Anpassung an 1.: Es war real so vorhanden.
    Ob dieser Ablauf nun eine Vereinfachung von komplexen Dingen darstellt oder nicht – spielt doch dabei keine Rolle. Es ist ein Ablauf, der auch in der Vereinfachung das Prädikat: „So ist es geschehen.“ erhalten muss.
    Etwas anderes ist nicht zu lesen.

    Ob oder wie viele „Symbole“ in diesem Ablauf auftauchen, ist für die Frage nach dem „Augenzeugenbericht“ auch erst einmal vernachlässigbar. Dem kann man sich in Folge widmen.

    Gruß Anna

  18. Zu Beginn möchte ich aus Calvins Auslegung zitieren. Er gehört zwar nicht zu den „moderneren“ Kommentatoren, aber seine Antworten auf so manche kritische Stimme sind doch bedenkenswert.

    Auszüge aus „Johannes Calvins Auslegung der Heiligen Schrift in deutscher Übersetzung; 1. Band, Das erste Buch Mose“; Neukirchen; Kapitel 1 – 43 wurden übersetzt von Professor D. Wilhelm Goeters in Bonn.

    Einleitung:
    „…Mose will uns Gott den Herrn selbst gleichsam sichtbar in der Welt vor Augen stellen. Darum beginnt er sein Buch mit der Schöpfungsgeschichte. Aber hier erhebt sich nun alsbald der zweifelnde Spott und fragt: Wie konnte Mose von der Weltentstehung etwas wissen? Er ist doch nicht mit dabei gewesen und kann auch aus Büchern keine Kunde empfangen haben! Sollte wirklich die Erzählung darum unglaubwürdig sein, weil sie aus so viel späterer Zeit stammt? Müsste man dann nicht auch die Weissagungen für unglaubwürdig erklären, die von demselben Verfasser genau so lange Zeit vor ihrem Eintreten niedergeschrieben worden sind? … Wahrlich, wer durch den Geist die Dinge einer späteren Zukunft erschaute, die keinem Zeitgenossen in den Sinn kommen konnten, der war auch imstande, von Gottes Weltschöpfung zu reden; er war von Gott selbst gelehrt. Nicht aus sich selbst hat er solche Dinge erdacht, sondern der heilige Geist hat durch ihn kundgetan, was für alle zu wissen wichtig ist. …“

    Kapitel 1:
    V.3. „…Das Licht sollte die erste von allen Zierden zum Schmuck der Welt sein. Hiermit war zugleich ein Anfang der Scheidung gemacht. Es hat einen besonderen Sinn, wenn hier das Licht der Sonne und dem Mond vorangeht. Unsre Neigung will uns immer wieder veranlassen, dem dienenden Geschöpf zur Ehre anzurechnen, was doch Gottes Werk ist. Wir können uns kein Licht in der Welt denken ohne Sonne, Mond und Sterne als Lichtträger. So soll dieser Verlauf der Schöpfungsgeschichte uns sagen, dass Gott selbst in seiner Hand das Licht hat, dass er´ s uns geben kann, auch ohne Sonne und Mond. … Die Ordnung besteht in einem Wechsel von Licht und Finsternis.“

    V.11. … Man beachte, dass von Kräutern und Bäumen die Rede ist, ehe Sonne und Mond geschaffen wurden. Für unsere Beobachtung wirkt die Sonne das Wachstum und die Frucht der Erde. Gott selbst hat diese Naturordnung gestiftet, wie wir sie wahrnehmen; sie richtet dienend seinen Willen aus. Aber es wäre verkehrt, wenn wir der Sonne allein zuschrieben, was einer besonderen Anordnung Gottes entstammt. … an dem Gang der Schöpfung sollen wir uns einprägen, dass Gott frei schaltet in seinem Tun und nicht von der Mitwirkung seiner Kreaturen abhängig ist. …“

    Kapitel 2:
    V.1. „… Es folgt eine kurze Wiederholung wie in sechs Tagen Himmel und Erde erschaffen wurde. …“

    V. 2. „ …Der Plan war verwirklicht. Also der ganze Ausdruck geht nur auf den Zustand der Vollendung in der Schöpfung und berührt nicht das fortdauernde Verhältnis Gottes zu seinem Werk. Man bedenke, dass das Werk der sechs Schöpfungstage nur das umfasste, was zum rechten und ordnungsmäßigen Schmuck der Welt gehört.
    Erst nachher heißt es: Dornen und Disteln soll die Erde tragen. Vieles, was wir heute in der Welt finden, verunziert und schändet sie vielmehr. Aber es ist die Abkehr des Menschen von seinem ersten Ursprung, die jene Verkehrung und Entartung im Gefolge hat. … Wenn wir die Natur in ihrem heutigen Zustand anschauen, dann kommt uns das Wort des Paulus (Röm. 8, 20) in den Sinn, …“

    V. 5. „… Damals aber war es anders: Gottes Geheiß und Befehl ließ sie plötzlich entstehen: nicht durch Regen und menschliche Pflege hatten sie ihren Bestand, sondern durch den Nebel, der alles Land feuchtete. …“

    V. 8. „…Damit muss eine Ortsangabe [In Eden] gemeint sein, denn es heißt (4, 16), dass Kain „jenseits Eden gewohnt“ habe. … Freilich, die ganze Erde war von Gott gesegnet, … Doch darf man darum noch nicht Paradies und Erdkreis für dasselbe halten, da ja hier ein besonderes Gebiet bezeichnet wird. … Weiter ergibt sich damit, dass jener Garten nicht irgendwo in der Luft zu suchen ist. Auch das ist aufs entschiedenste abzuweisen, als wenn die ganze Erzählung nur eine Allegorie wäre, wie Origenes will. Es ist geradezu Teufelswerk, von einem Doppelsinn der Schrift zu reden und dadurch alles ungewiss und schwankend zu machen. Freilich findet man nirgends in der ganzen Welt einen solchen Landstrich, wie ihn Mose beschreibt. Aber muss man darum annehmen, seine Rede sei uneigentlich zu verstehen?…“

    V. 21. „… Und mit welchem Recht bestreitet man diese Erzählung? Sollte man es nicht für ebenso unmöglich erklären, dass das Menschengeschlecht sich fort und fort aus vergänglichem Samen verjüngt? Und was soll die spitzfindige Frage, entweder habe Adam eine Rippe zuviel gehabt, oder nun sei sein Leib nicht mehr vollständig? Wer weiß, wie der Weltenschöpfer im Anfang vorausschauend alles gestaltet hat?…“

    Anna

  19. Danke, Andreas, für die Übersetzung und es stellt sich nun die Frage: Wo fängt man hier an?

    Nach der Rahmen-Hypothese sind Genesis 1, 1 – 2, 3 ein Bild des Schöpfungsaktes, ein sinnbildlicher Rahmen, keine chronologische Reihenfolge. Es ist in diesem Sinne eine Erzählung, die von realen historischen Ereignissen des göttlichen Schaffens berichtet.

    Ich komme also nicht umhin davon auszugehen, dass nach dieser Hypothese ein „wahrer Kern“ über eine bildliche Sprache transportiert werden soll. Das Ganze hat dann „so“ nicht stattgefunden. Stattgefunden hat der „wahre Kern“, nicht die bildliche „Verpackung“.

    Begonnen wird mit einer Problemstellung, die sich nur daraus ergibt, dass der erste Schöpfungstag nach Menschenmeinung zu wenige Informationen enthält. Welcher Art war das Licht vor der Erschaffung der Sonne? Wer soll denn darauf überhaupt antworten können? Ist das nicht ein konstruiertes Problem?
    Dann wird die Interpretation durch die Rahmenhypothese (temporäre Rekapitulation) erklärt mit der hebräischen Art und Weise von Erzählungen, die nicht immer chronologisch sein müssen. Sofort stellt sich die Frage: Handelt es sich denn hier überhaupt um eine Erzählung in der gewöhnlichen hebräischen Art und Weise? Das Ganze wird aber vorausgesetzt. Warum?
    Nun schreitet man weiter fort und erklärt, dass der vierte und der erste Schöpfungstag die gleiche Wirklichkeit beschreiben. Damit habe man nun die physikalische Ursache für den ersten Schöpfungstag. Die Frage, die hier sofort aufkommt: Ist das die gewöhnliche Art und Weise der Hebräer miteinander zu sprechen? 1., 2., 3., 4., … – völlig klar, 1. und 4. sind gleich und 4. ist die Wiederholung von 1. …?
    Dabei bleibt man nicht stehen, sondern erklärt nun, dass das Ganze noch bestätigt wird durch die Schrift selbst, weil nämlich 2. und 5. bzw. 3. und 6. parallel zu sehen wären.
    Sofort stellt sich die Frage: Wo kam noch mal die so genannte Plausibilität her, dass 1. und 4. das gleiche Ereignis beschreiben? (es fehlt eine physikalische Ursache, zu wenig Informationen, ein anderes, geschaffenes Licht kann es keinesfalls sein, die zu beobachtende Erzählweise der Hebräer …)
    Es wird auch darauf hingewiesen, dass die meisten modernen Kommentatoren dieser Interpretation zustimmen. Nun könnte man wieder fragen: Was hat denn ein moderner Kommentator, was ein alter Kommentator keinesfalls besaß?

    Auffällig ist bspw., dass in der Argumentation die Auslegung von 1. Mose 2, 5 eine grundlegende Bedeutung besitzt, denn damit wird ein „Grundsatz“ gewonnen (der für sich auch schon wieder zu hinterfragen wäre), mit welchem man zum „Problem“ von Tageslicht, … vor der Erschaffung der Sonne zurückgeht. Auffällig in der Auslegung, dass hier sehr wörtlich verstanden wird (Pflanze ist eine Pflanze, wachsen ist wachsen, Nebel ist Nebel, befeuchten ist befeuchten …). Warum wird dann in Konsequenz dessen nicht auch so wörtlich auf alle anderen Tage geschlossen? Stattdessen versucht man mit einem wörtlichen Verständnis eines Teils den Rest als „literarisch“ zu belegen? Ist der dritte Tag nun ausnahmsweise wörtlich zu verstehen, wenn auch nur teilweise? Nach welchen Kriterien gehe ich hier in der Exegese vor bzgl. einer Unterscheidung zwischen „wörtlich“ und „sinnbildlich“? Wieso ist denn nicht 1. Mose 2, 5 „sinnbildlich“? Mir erschließt sich die Vorgehensweise in ihrer Systematik überhaupt nicht. …

    Bis hierher erst einmal dazu.

    Anna

  20. Jetzt möchte ich aber auf das zurückkommen, worum es mir die ganze Zeit eigentlich ging und immer noch geht:
    Darauf finde ich in der Übersetzung keine Antwort, weil darauf überhaupt nicht Bezug genommen wird.

    Wie schlüssig ist die Vorstellung?:
    Mose transportiert mit dem Schöpfungsbericht historische Wahrheit in Bildersprache.
    Schreibt Mose den Schöpfungsbericht im Stil eines Gleichnisses?
    Mose beschreibt die Entstehung einer realen Schöpfung – aber der Ablauf ist so nicht gewesen.

    Dabei dürfen mindestens diese zwei Gedankengänge nicht ignoriert werden.
    Mose schreibt in 2. Mose 20, 7:
    „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen!; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“
    Mose schreibt im Schöpfungsbericht so:
    „Im Anfang schuf Gott … Da sprach Gott … Und Gott sah … Dann sprach Gott … Und es geschah so … So machte Gott … Und Gott nannte … Und es wurde … Dann sprach Gott … Und es geschah so … Und Gott nannte … Und Gott sah …Dann sprach Gott …“ (dies allein in den ersten 11 Versen und der Schöpfungsbericht ist noch viel länger)

    Wie schlüssig ist eine Argumentation, die meint Mose hätte hier „Gott“ mit einer Bildersprache verknüpft, die lediglich den historischen Kern transportieren möchte?
    Ist es denkbar, dass Gott selbst Mose anwies, einen Rahmen (der historisch so nie stattgefunden hat) mit Seinem Namen in der Weise (Gott sah, Gott sprach, Gott nannte, es geschah so …) zu verknüpfen?
    Ist es denkbar, dass der gewöhnliche Hebräer in solcher Art erzählte, wenn er was zu erzählen hatte?

    Wie würden denn in der Rahmen-Hypothese diese Formulierungen gedeutet? Wörtlich oder sinnbildlich oder …? Welche Auswirkungen hat eine solche Hypothese darauf? Wie wird in Folge dann mit solchen Formulierungen umzugehen sein?

    Anna

  21. Hallo Anna,
    Vorweg: Mir ist die Rahmen-Interpretation erst seit kurzer Zeit bekannt. Ich bin also kein ausgewiesener Kenner oder Verteidiger dieser Lehrposition. Fakt ist jedoch, dass diese Ansicht einige gewichtige Argumente vorzubringen hat.

    1. Sie basiert auf reformatorischer Hermeneutik, nimmt den Text ernst, liest den Bericht im Licht der gesamten Schrift und legt ihn theologisch aus
    2. Die Argumentation der Exegese berücksichtigt nicht nur den historisch-kulturellen Hintergrund, sondern ist auch logisch und naturwissenschaftlich schlüssig
    3. Trotzdem räumt sie dem Wort Gottes uneingeschränkt das Primat vor der Wissenschaft ein und besteht darauf, das er von historischen Fakten spricht.

    Zu Calvin: Calvin besitzt eine gewichtige Stimme in der reformierten Bewegung, ist mit dieser aber nicht gleichzusetzen. Weiterhin wäre es interessant zu erfahren wie er zu der Rahmen-Hypothese gestanden hätte. Bis vor wenigen Tagen hätte ich ihm ohne zu zögern uneingeschränkt zugestimmt. Er vertritt die 24-Stunden-Kalender Sicht. Auf einige seiner Argumente geht der Artikel von Lee Irons ja ein.

    Zu Deinen Einwänden: Welche „Kriterien“ gelten bei der Exegexe von Texten? Das kommt jeweils darauf an wie man die Texte, deren Entstehung bzw. was man unter Offenbarung versteht. Nach reformatorischem Verständnis handelt es sich um Literatur. Gott hat sich durch Offenbarung aus der himmlischen Welt in die irdische Welt hinein mitgeteilt und dabei auf irdische Mittel zurückgegriffen. Und mit ebensolchen kann und muß man die Texte analysieren.

    Damit will ich sagen, das man die Argumentation Klines bzw. Irons nicht so wie Du, mir nichts, Dir nicht beiseite wischen kann. Sind Dir die verschiedenen literarischen Formen der hebräischen Literatur so gut bekannt das Du das beurteilen kannst? Andere Textverständnisse unterscheiden die Texte in der Tat nicht so sehr.

    In der Tat geht die Rahmen-Interpretation davon aus, das der Schöpfungsbericht eine eigene Literaturform, ähnlich wie es die Evangelien sind , darstellt. Deine Anfrage nach dem „gewöhnlichen Hebräer“ irritiert zudem. Meinst Du damit, das die Hebräer intellektuell primitiver waren als es Menschen heute sind bzw. welche Arten der Hebräischen Kommunikation kennst Du und hast Dich mit diesen näher beschäftigt?
    sdg
    Andreas

  22. Andreas,
    vielen Dank für deine Übersetzungsarbeit!
    Selbstverständlich weist die Rahmen-Hypothese ein Paar Schwächen auf. Der Paralellismus zwischen den beiden Triaden ist nicht immer konsequent. Die größte Schwäche ist sicherlich, dass sie eine Diskontinuität in den 11 ersten Kapiteln von Genesis erzeugt. Aber aus meiner Sicht ist eine naive Lektüre des Schöpfungsberichts einfach unhaltbar. Die Rahmen-Hypothese ist der „letzte“ Schutz vor einer Mythologisierung des Berichts.
    Gruß, Jean-Louis

    1. Hallo Jean-Louis,
      wo siehst Du diese Diskontiunität bzw. woran wäre eine solche auszumachen? Am Wechsel der Literaturgattung? Durch die Übersetzungsarbeit habe ich mich natürlich etwas intensiver mit diesem Auslegungsansatz beschäftigt und kann ihm viel abgewinnen. Stimme Dir absolut zu, eine literalistische Deutung erkennt den Text zwar, in einem ersten Schritt, als Wort Gottes an, bleibt dann aber stehen. Die Rahmen-Interpretation versucht den nächsten Schritt und ordnet den Text im Gesamtbild der Schrift ein, deutet ihn theologisch.
      LG
      Andreas
      PS: Nach einer Überarbeitung des Textes stelle ich diesen wieder online.

  23. Der Bericht ist weder ein Mythos noch eine Sage (wie die Ilias z.B.). Es ist eine unbekannte Textgattung neben Sage und Geschichte, verschlüsselte Prosa vielleicht. Das Problem ist, dass wir keinen Wendepunkt finden. Die ersten 11 Kapitel bilden eine Einheit und auch der Übergang zu der Abrahamsgeschichte ist fließend.
    Man kann aber die vielen Symbolen nicht ignorieren: der Töpfer, das Paradies, der Fluß, die Bäume, die Schlange, die Cherubim…Die Menschenalter enden immer mit 0, 2, 5, 7, oder 9.
    Jean-Louis

  24. Die Textgattung „Prosa“ schließt die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte nicht von vornherein aus. Diese Textgattung schließt auch nicht eine ausschließlich „bildhafte“ Vermittlung ein. Als „neuzeitlicher“ Beleg soll Folgendes dienen:
    http://www.wiko-berlin.de/index.php?id=96
    Zitat: „Die Stiftung will mit der Preisverleihung „zur Hebung der wissenschaftlichen Ausdrucksformen beitragen und den Verfasser für eine Wissenschaftsprosa belohnen, die auch von interessierten Laien verstanden wird.“

    Bei „verschlüsselt“ wird es dann problematisch. Wer hat den Schlüssel? Was bedeutet dann: die Klarheit und Allgenügsamkeit des Wortes Gottes?

    Wäre es denkbar, dass es einen „Schlüssel“ gibt, der zu besonders abstrusen Vorstellungen vom Schöpfungsbeginn führt? Ich denke ja, man nehme nur mal die vielen bildlichen Darstellungen, ob als Zeichentrick, ob als Bild ….

    Die Vorstellung einer „verschlüsselten Prosa“ schafft Probleme – muss das überhaupt sein?
    Der „scharfsinnige“ Ungläubige wird eine solche Argumentation willig aufgreifen und jeden mit diesem Argument so schachmatt setzen, dass eine Verkündigung der Wunder in den Evangelien eine „Lachnummer“ wird.
    Der Gläubige wird derart verunsichert, dass er sich selbst nicht mehr zutraut auch nur eine Verheißung der Schrift so zu verstehen, wie sie dasteht. Denn er wird im Hinterkopf haben: wenn einmal hinter einem „Gott sprach“ verschlüsselte Prosa vorkommt, warum dann nicht öfters?

    An dieser Stelle möchte ich unbedingt auch einmal daran erinnern, dass es eine Verantwortung (Rechenschaftslegung) geben wird. Soll ich meiner Oma bspw. (die der Evolutionstheorie standhaft Widerstand leistete mit einem „Gott sprach“) erklären, dass sie das Ganze nicht richtig verstehen kann, weil sie nicht ausreichende Hebräischkenntnisse besitzt? Soll ich ihr sagen, sie sei zu naiv? Gelehrtendiskussion hin oder her, das Wichtige muss wichtig bleiben und Prioritäten dürfen dabei nicht aus den Augen verloren werden, ebenso wie Konsequenzen einer Diskussion nicht einfach ignoriert werden dürfen.
    Ein „Gott sprach“ muss ein „Gott sprach“ bleiben, wie viel Diskussions- oder Deutungsspielraum soll es hier geben? Ich denke, da gibt es keinen Spielraum. In der Bedeutung der Begriffe mag es Spielraum geben, so weit die Schrift selber diesen hergibt. Aber an diesem „Gott sprach“ sollte man nicht „herumbasteln“.

    Anna

  25. Anna,
    aber ich zweifle nicht daran, dass Gott in seinem Wort klar spricht!
    Du aber missverstehst, was „Klarheit der Schrift“ bedeutet. Es bedeutet keineswegs, dass man die Schrift so verstehen muss, „wie sie dasteht“ oder vielleicht nach deinem eigenen Geschmack. In der Welt gibt es genug Sekten und Irrlehrer, die auch deine Meinung vertreten.
    Klarheit der Schrift bedeutet, dass ein normaler Mensch, der die Bibel mit Glauben, Demut – und Fleiß – liest, den Willen Gottes für sein Leben verstehen kann. Es bedeutet auch nicht, dass dieser Mensch keine Hirten und Lehrer braucht, um die schwierigen Stellen der Bibel zu verstehen. Der Beweis, dass die Heilige Schrift schwierige Stellen enthält, finden wir zum Beispiel in 2 Petr 3,16:
    Davon redet er (Paulus) in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis.
    Ein demütiger Christ (ich zweifle nicht daran, dass deine Oma dazu gehört) wird Gott dankbar sein, dass es in der Gemeinde Lehrer gibt, die ihn hüten und betreuen (Apg 20,28).
    Ein guter Lehrer wiederum wird den SCHLÜSSEL der Erkenntnis nicht verbergen (Lk 11,52).

    Gruß,
    Jean-Louis

  26. Ich danke dir,
    Andreas.
    Muss aber dazu sagen, nicht Alles geschieht öffentlich. Insofern ist „öffentlich“ nicht immer ein Beurteilungskriterium.
    Herzlichen Gruß Anna

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