Verändern Social Media die theologische Debatte?

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Oder anders gefragt: Sind Blogger grundsätzlich „Lehrer„? Auf ChristianityToday stellt John Dyer (hier) eben diese These auf und verweist auf Jakobus 3:1.

What few of us realize is that when we press those „Publish,“ „Post,“ „Comment,“ and „Send“ buttons, we are making the shift away from merely „believing“ truth and stepping into the arena of publishing that belief. In doing so we are effectively assuming a position of leadership and teaching that prior to 2004 was not available to us.

Ist dies tatsächlich immer so? Begibt sich jeder Blogger in diese „Arena„, oder bedeutet bloggen nicht ebenso schlicht „Rede und Antwort“ nach 1Petr3:15 zu stehen, über die Hoffnung die einen erfüllt? Ich meine, daß hier das grundlegende Verständnis über Kirche und Amt eine entscheidende Rolle zu spielen scheint.

sdg
apologet

2 Kommentare

  1. In der Tat, ein wichtiges Thema. Aufgrund der radikalen Ablehnung des biblischen Amtsverständnisses hat der Evangelikalismus dazu geführt, dass jeder sich als Lehrer fühlen und auch so nennen darf. Die Konsequenz daraus ist klar: wir brauchen keine Pastoren und Älteste mehr! Nach dem biblischen Verständnis obliegt jedoch die hohe und verantwortungsvolle Aufgabe, die Gemeinde zu lehren, den vom Geist berufenen und rechtmäßig eingesetzten (d.h. ordinierten) Pastoren & Lehrern. Ebensowenig wie jeder Christ das Recht hat, in irgendwelchen Gemeinden (oder Häusern) einfach zu predigen, hat auch jeder Christ das Recht, öffentlich zu lehren. Während früher Christen durchaus noch zögerlich waren, bevor sie ein theologisches Buch ohne Begutachtung und Genehmigung ihrer Gemeindeleitung veröffentlichten, hat sich das mit der Ankunft des Internets radikal verändert. Viele Christen drängen sich nun in Lehrpositionen (auf Blogs, Webseiten, Facebook und Twitter). Berufung und Ordination scheinen in diesem „rechtsfreien“ Raum keine Rolle zu spielen. Jede Meinung ist im Internet genausoviel (besser: genausowenig!) wert wie jede andere Meinung. Viele Reden und Lehren im Internet, nur wenige hören zu und lassen sich belehren. Es ist nötig, dass wir wieder lernen, dass wir alle unter Autorität sind! Und dass Autorität nichts Schlechtes ist, sondern Gottes Plan zu unserem Besten.
    In der Tat, Jakobus 3 ist ein viel missachtetes Wort: „Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein strengeres Urteil empfangen werden!“ Lehrer werden, wollen viele, aber sie wollen weder die Mühen der entsprechenden Ausbildung auf sich nehmen, noch sind sie sich eines besonderen Rufs gewisse (der von der Kirche bestätigt wurde)., noch wollen sie die besondere Verantwortung für eine Gemeinde auf sich nehmen und sich dem „strengeren Urteil“ Gottes aussetzen. Man kann aber nicht das Eine ohne das Andere haben!

  2. Hallo Sebastian,
    das sehe ich ähnlich und meine, dass man sich dieser Frage als Blogger – insbesondere reformierter Ausrichtung – daher unbedingt stellen muß. Du sprichst ja konkrete Probleme an bzw. führst den Gedanken John Dyer’s weiter aus.

    Die Ablehnung des biblischen Amtsverständnisses ist zwar sicher vornehmlich ein evangelikales Problem, strahlt aber darüber hinaus auch in andere, auch die reformierte Bewegungen aus und gewinnt durch das Internet eine größere Brisanz…

    Konkret scheint mir daher wichtig zu fragen, wo die Grenze bspw. zwischen der reinen Rechtfertigung oder Verteidigung des Glaubens und der Inanspruchnahme einer Lehrposition für Blogger zu ziehen ist, die selbst kein Lehramt inne haben? Die Warnung aus Jak3 ist ja tatsächlich sehr ernst.

    Ich bin mit Dyer und Dir einer Meinung, dass diese Entwicklung durch die SocialMedia noch einmal befördert wird.

    Es gilt also, will man sich der Kritik aus Jak3 stellen, entweder vollständig auf das bloggen, posten etc. zu verzichten und keine öffentlichen theologische Lehraussagen mehr zu tätigen, oder aber, sich auch in diesem Raum der Autorität einer Gemeindeleitung zu unterstellen. Wie auch immer das dann konkret geregelt wird.

    Denn den Gefahren dieser Medien, stehen ja auch deren Möglichkeiten gegenüber. Nicht wenige kommen beispielsweise über diese erstmalig mit der Gnadenlehre in Berührung. Das rechtfertigt keine falsche oder losgelöste Nutzung, zeigt aber auch m.E. deren Nützlichkeit.
    LG
    Andreas

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