Zeichen und Wunder in der Moderne – simonische Wundersucht

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Der Wunsch nach einem besonderen Segen, nach Zeichen und Wundern. Dies kennt man vor allem aus der Pfingst- bzw. Charismatischen Bewegung.  Allerdings findet eine ähnliche Erwartung auch immer mehr Eingang in konservative Gemeinden. Die Aufforderung von der Kanzel, unter Handauflegung füreinander um Heilung  zu beten oder die grundsätzliche Erwartung einzelner, nach der Heilung von Krankheiten normaler Bestandteil christlichen Lebens wäre. Kritisiert man eine solche Erwartungshaltung, bekommt man hin und wieder entgegengehalte, man „unterdrücke den Heiligen Geist“ bzw. täte der Bibel „Gewalt an„.

Wirft man einen Blick in die Geschichtsschreibung der apostolischen Zeit, der Apostelgeschichte, kann man tatsächlich von vielen Zeichen und Wundern lesen, jedoch exklusiv gewirkt durch die Apostel und der besonders von diesen beauftragten Mitarbeitern, Stephanus und Philippus (Apg6,5). Paulus bezeichnet Zeichen und Wunder in 2Kor12,12 jedoch ausdrücklich als ausweisendes Zeichen von Apostelschaft. So auch bei der Missionierung Samaria’s. Philippus, beauftragt von den Aposteln, wirkte im Rahmen der Evangeliumsverkündigung in Samaria viele Zeichen und Wunder. Einer der Gläubigen – als solcher wird Simon in Apg8,13 explizit bezeichnet – sah diese und wollte – ebenso wie es die Sehnsucht vieler heutiger Gläubigen ist – diese apostolische Vollmacht besitzen.

Apg8,5  Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. 6  Und die Volksmengen achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. 7  Denn von vielen, welche unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend; und viele Gelähmte und Lahme wurden geheilt. 8  Und es war eine große Freude in jener Stadt. 9  Ein gewisser Mann aber, mit Namen Simon, befand sich vorher in der Stadt, der Zauberei trieb und das Volk von Samaria außer sich brachte, indem er von sich selbst sagte, daß er etwas Großes sei; 10  welchem alle, vom Kleinen bis zum Großen, anhingen, indem sie sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die man die große nennt. 11  Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht hatte. 12  Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reiche Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Weiber. 13  Aber auch Simon selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunder sah, welche geschahen, geriet er außer sich. 14  Als aber die Apostel, welche in Jerusalem waren, gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; 15  welche, als sie hinabgekommen waren, für die beteten, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; 16  denn er war noch nicht auf einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17  Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. 18  Als aber Simon sah, daß durch das Auflegen der Hände der Apostel der [Heilige] Geist gegeben wurde, 19  bot er ihnen Geld an und sagte: Gebet auch mir diese Gewalt, auf daß, wem irgend ich die Hände auflege, er den Heiligen Geist empfange. 20  Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei! 21  Du hast weder Teil noch Los an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. 22  Tue nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde; 23  denn ich sehe, daß du in Galle der Bitterkeit und in Banden der Ungerechtigkeit bist. 24  Simon aber antwortete und sprach: Bittet ihr für mich den Herrn, damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt.

Was kann man dieser Begebenheiten aus der Apostelgeschichte entnehmen? Als erstes sehen wir den Gehorsam der Apostel gegenüber dem prophetischen Auftrag Christi, das Evangelium, ausgehend von Jerusalem über Judäa in Samaria und der ganzen Welt zu verkündigen (Mk16,15; Apg1,8). Nachfolgende Zeichen waren den Aposteln dabei vom Herrn verheißen worden (Mk16,17). Wir haben es also mit der unmittelbaren Erfüllung einer Verheißung zu tun. Weiterhin wird die direkte Verknüpfung der apostolischen Verkündigung und der bestätigenden Zeichen und Wunder deutlich. Und für das hier behandelte Thema – der menschlichen Wundersucht – von Interesse, begegnet uns der Gläubige Simon. Wir sehen, dass es sich um:

  • ein altes und bekanntes Phänomen handelt
  • dieses Phänomen sehr wohl auch innerhalb der Gemeinde und bei Gläubigen auftritt
  • es sich dabei um ein magisches Verständnis und
  • eine Verfügbarmachung Gottes handelt

Die moderne simonische Wundersucht findet keinerlei Legitimation durch biblische Verheißungen an die Gemeinde oder den Christen an sich. Zeichen und Wunder waren und sollten nie alltägliche Begleiterscheinungen im Leben der Gläubigen sein. Sinn und Zweck von „Zeichen und Wundern“ in den Zeiten deren größten Konzentration war es nie, zu einer stärkeren Hinwendung zu Gott führen. Gott hat es zu keinem Zeitpunkt nötig mit seiner Macht zu prahlen, und Menschen kehrten trotz vieler Zeichen nicht um.

Es stellt sich daher die Frage zu welchem Zweck „Zeichen und Wunder“ zu bestimmten Zeiten besonders gehäuft auftraten.

  • Zeichen“ begleiten und beglaubigen neue Abschnitte göttlicher Offenbarung und ihrer Schriftwerdung (Heb 2, 3ff ).
  • autorisieren und legitimieren die Übermittler der neuen Offenbarung. Weil die drei genannten Personengruppen besondere Bedeutung für neue Offenbarungsstadien hatten, gab Gott ihnen auch in besonderer Weise die Vollmacht, Zeichen und Wunder zu wirken. Mit eben dieser Verzahnung von Offenbarungsmittlerschaft und Wundertätigkeit endet der Pentateuch (5Mose 34,10-12)
  • Zeichen und Wunder beglaubigen in besonderer Häufigkeit und Massivität die Offenbarung (Botschaft) und die Offenbarungsmittler (Botschafter) der neutestamentlichen Zeit (Joh 21,25)
  • Nachdem das Neue eingeführt, das Zeugnis bekannt war, hörten die Zeichen jeweils wieder auf.

Der Bund in Christus, als Gott Mensch und in seinem Blut der verheißene Bund besiegelt wurde, war ein einmaliges historisches Geschehen von kosmischem Ausmaß, welches von unzähligen Zeichen und Wundern begleitet worden ist (Joh21,25). Diese waren Ausweis seiner Messianität und Gottessohnschaft (Matth11,2-5; Joh20,30.31; Lk4,16-21).

Die Apostel waren die von Jesus Christus erwählten „Diener des Neuen Bundes“ (2Kor3,6), um Menschen durch ihre Verkündigung in den Neuen Bund, die Gemeinde einzuführen. Dieses offenbarte „Geheimnis“ wurde ebenfalls von Zeichen und Wundern begleitet (Hebr2,4) und durch diese legitimiert.

Außerhalb der drei besonderen Heilsabschnitte (Mose, Propheten bzw. Christus und die Apostel) der Schrift, sind nur wenige, vereinzelte Wunder überliefert. Wir lesen nichts von Zeichen bis zur Zeit Moses, es werden wenige Wunder in der Richter- oder Königszeit berichtet, und auch nicht nach den Propheten Elia, Elisa bis zum Ende des AT!

Auch gegen Ende der Apostelgeschichte werden die überlieferten Zeichen seltener (in der frühen Kirchengeschichte findet sich nichts mehr), und vor allem finden wir keine Lehre über „Zeichen“ in den Briefen.

In der Kirchengeschichte finden wir nur bei Sekten, wie den Montanisten (das Prophetentum) ähnliche Ideen bis zum Auftreten der neuzeitlichen Schwärmer. Aber waren und sind dies echte Wunder?

Eine Erwartungshaltung, Gott müsse zu allen Zeiten „Zeichen und Wunder“ wirken, findet keinerlei Begründung in der Schrift. „Zeichen“ erfüllten einen bestimmten Zweck, keineswegs dabei jedoch Glauben zu wirken oder zu stärken:

Joh12, 37 Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn; 38 damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt würde, das er gesprochen hat: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?« 39 Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen: 40 »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen, noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile«. 41 Dies sprach Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.

Zeichen und Wunder traten wie gesagt, nur zu bestimmten Zeitabschnitten auf. Nachdem die Verheißungen bezüglich der „Zeichen und Wunder“ beim Erscheinen des Messias erfüllt wurden, sind die ausstehenden Zeichen nach den Aussagen der Schrift Gerichtszeichen. Falsche Christusse, Apostel und Propheten werden „Zeichen“ wirken, so wie die Zauberer des Pharao „Zeichen“ in der Weise wie Mose wirken konnten. Diejenigen, denen die heutigen Wunder und Zeichengläubigen nachrennen, sind uns zur Genüge bekannt.

2Thess 2,9 erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder 10 und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. 11 Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, so daß sie der Lüge glauben, 12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.

Von großen Erweckungen mit einhergehenden „Zeichen und Wundern“ in den letzten Zeiten der Gemeinde steht nichts in der Bibel. Wenn heute moderne „Propheten“ und „Wunderheiler“ anderes prophezeien, geschieht das zwar im Namen Gottes, sollte jedoch viel eher kritisch stimmen.

Echter, rettender Glaube kommt allein und ausschließlich aus der Predigt und diese aus dem Wort (Röm1,16 ; Röm10,17 ; 1Kor1,21) und nicht aufgrund von „Zeichen und Wunder“ sagt das Wort Gottes. Aber das reicht offensichtlich nicht, wie es auch damals vielen Juden nicht reichte zu denen Gott durch Paulus folgendes sagen ließ:

1Kor1, 18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft; 19 denn es steht geschrieben: »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen«. 20 Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? 21 Denn weil die Welt durch [ihre] Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. 22 #Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern# und die Griechen Weisheit verlangen, 23 verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, [verkündigen wir] Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Werden beispielsweise die Pharisäer und jene, welche ebenso dachten von Christus kritisiert, weil sie aus falschen Motiven nach Zeichen und Wundern verlangen, wird selbst der Apostel Thomas nicht von der Kritik des Herrn ausgespart, weil er seinen Glauben nicht allein im Vertrauen auf das Wort von Jesus hin, sondern auf Zeichen aufbauen wollte.

Joh 20,29 Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Ebensowenig „gehört“ uns Heilung, wie so manche aus dem pfingstlich/charismatischen aber auch vermehrt aus dem evangelikal-schwärmerischen Bereich reklamieren. Heilung kann weder „beansprucht“ noch „proklamiert“ oder durch „Gaben der Heilung“ herbeigeführt werden. Krankheit ist im Gegenteil sehr wohl explizit Teil des Handelns Gottes an uns (2Kor12,7-10 ; Hebr12,3-11 ).

Niemand würde oder könnte heute an echten Wunder, wie der Totenauferweckung des Lazarus zweifeln, genauso wie damals niemand daran zweifeln konnte. Falsche Wunder bewirken letztlich jedoch nicht einmal Ehrfurcht bzw. verunehren Gott sogar. Sie verführen Gläubige und verdunkeln das Evangelium. „Wunder“ stärken jedoch den Glauben nicht, dies bewirkt allein das Wort Gottes. Die simonische Wundersehnsuch in den heutigen Gemeinden läßt vielmehr den eklatanten Mangel an Erkenntnis, also der Beschäftigung mit dem Wort Gottes deutlich werden.

sdg
apologet

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