Wann soll ich meine Gemeinde verlassen?

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Es gibt richtige, biblische Gründe eine Gemeinde zu verlassen und es gibt falsche Gründe. Misstrauisch sollte man immer dann (auch gegenüber der eigenen Person) sein, wenn sich die Begründung um eigene Befindlichkeiten dreht. Man den Pastor nicht mag, das Programm, die Musik oder vergleichbares nicht passt.

Wo ist jedoch die Grenze, nach welchen Kriterien kann man sich richten? Sebastian Heck, Pastor der SERK hat in einem Artikel verschiedene Aspekte benannt, die helfen sich dieser schwierigen Frage anzunähern.

Die schon angesprochenen Merkmale geben uns den Rahmen vor:

  • wenn in der Gemeinde, in die ich Woche für Woche gehe und wo ich Mitglied bin, nur ab und zu das Evangelium (das heißt das, was Jesus Christus objektiv und tatsächlich in der Geschichte zur Erlösung der Seinen getan hat) gepredigt wird…
  • wenn in meiner Gemeinde überhaupt nur ab und zu wirklich direkt und unmittelbar aus dem Text der Heiligen Schrift (und nicht aus dem »Erfahrungsschatz« sowie den »Erlebnissen« des Pastors) gepredigt wird…
  • wenn die Bibel, die gepredigt wird, nicht mehr als das wahre, unfehlbare, irrtumslose, ewige Wort des lebendigen Gottes behandelt wird (sondern als ein Buch mit Fehlern, die der Zeit entspringen oder gar ein »menschliches allzumenschliches« Dokument)…
  • wenn ein »Evangelium« gepredigt wird, das nicht das des Galaterbriefs ist (vgl. Gal 1,7-9), sondern eins, in dem auch unsere Taten und Werke eine Rolle spielen…
  • wenn damit Gesetz & Evangelium nicht klar geschieden, sondern immer wieder vermengt werden…
  • wenn Rechtfertigung & Heiligung nicht klar geschieden, sondern immer wieder vermengt werden, so dass der »kleine Mann« in der Gemeinde nicht mehr weiß, wo das eine aufhört und das andere anfängt…
  • wenn die zwei biblischen und von unserm Herrn Jesus Christus eingesetzten Sakramente keine zentrale Rolle als »sichtbares Evangelium« mehr spielen…
  • wenn die Sakramente zu Automatismen werden (getauft=gerettet; Brot gegessen und Wein getrunken=wirklich den Leib Christi gegessen) (2Tim 3,5)…
  • wenn die Sakramente ihres Sinns entleert und bloße kollektive »Erinnerungsakte« oder sogar menschlich-gesetzliche »Gehorsamsakte« werden…
  • wenn die Pastoren und Ältesten Sünde, insbesondere »öffentliche Sünde« bei sich und bei den Gemeindegliedern nicht mehr Ernst nehmen (1Kor 5,1-71Kor 5,9-11); so Ernst, dass Konsequenzen der heilsamen Kirchenzucht daraus gezogen werden (Röm 16,17)…

…dann ist es an der Zeit, dass wir uns ehrlich und aufrichtig vor Gott die Gewissensfrage stellen. Wir müssen Gott mehr gehorchen als Menschen (Apg 5,29)! Wenn das Gesagte unsere Kirche beschreibt, dann ist es an der Zeit zu gehen. Auch wenn damit Beziehungen zerbrechen und Enttäuschungen vorprogrammiert sind! Auch wenn dann die – in Deutschland sehr schwierige – Suche nach Alternativen erst losgeht! Quelle

Eine Alternative kann auf die Gründung einer Gemeinde hinauslaufen.

sdg
apologet

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15 Kommentare

  1. Bin mit diesem Artikel nicht gerade glücklich. Klingt, als sei es die Aufgabe des Calvinisten, geradezu nach Gründen zu suchen, Gemeinden zu verlassen und „reine“ Gemeinden zu gründen. Calvin war bezüglich Gemeindespaltungen viel zurückhaltender und es war ihm wichtig, festzuhalten, dass die Reformation nicht die katholische Kirche verlassen hat, sondern rausgeworfen wurde. Ganz selbstlos verweise ich als Ausgleich auf diesen Artikel: http://www.apologet.de/?page_id=1369

  2. Nachtrag:

    „- wenn ein »Evangelium« gepredigt wird, das nicht das des Galaterbriefs ist (vgl. Gal 1,7-9), sondern eins, in dem auch unsere Taten und Werke eine Rolle spielen…“

    Zu diesem Punkt noch ein Zitat von Calvin:

    „Ich möchte nur wissen, was diese Leute, die gegen die heutigen Kirchen mit solchem Eigensinn wüten, wohl mit den Galatern gemacht hätten, die beinahe das Evangelium im Stich gelassen hätten und bei denen der gleiche Apostel doch immer noch Kirchen fand (Gal 1,2)!“ – Institutio IV,1,14

    Dieses Kriterium von Sebastian Heck scheitert daran, dass es im Widerspruch zu Paulus steht, der im ganzen Galaterbrief nie die Christen Galatiens auffordert, ihre Gemeinden zu verlassen.

  3. Hi Beni,
    ich bin mit diesem Artikel auch nicht „glücklich„. Und dies aus einem sehr persönlichen Grund. Es stellt sich mir jedoch die Frage, ob jede sich Gemeinde nennende Gemeinschaft auch wirklich „Kirche“ ist. Calvin schreibt dann beispielsweise auch folgendes:

    „Denn überall, wo wir wahrnehmen, dass Gottes Wort lauter gepredigt und gehört wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwaltet werden, lässt sich auf keinerlei Weise daran zweifeln, dass wir eine Kirche Gottes vor uns haben“ (Institutio IV,1,9).

    Ähnliches äußern auch Luther oder Melanchthon.

    Verlässt man demnach überhaupt eine Kirche, wenn dort weder das eine, noch das andere vorzufinden ist?
    LG
    Andreas

    1. Hallo Andreas

      Dies haben Luther, Melanchthon oder Calvin in der Tat geschrieben. Dennoch stelle ich fest, dass sie nicht einmal die katholische Kirche im damaligen Zustand verlassen wollten. Und als sie exkommuniziert waren, war es ihnen wichtig, zu betonen, dass sie die Kirche nicht verlassen haben, sondern dass sie rausgeworfen wurden, ihres Bekenntnisses wegen.

      Auf mich macht der Artikel von Heck einen eher etwas „schwärmerischen“ Eindruck. Man hat eine Vorstellung von reiner, wahrer Kirche, spaltet sich ab um diese neu zu gründen und versucht hinterher, dies reformatorisch zu rechtfertigen. Ich zweifle aber daran, ob dies im Sinn und Geist der Reformatoren ist.

      LG
      Beni

      1. Hi Beni,

        nun besteht m.E. ein zu beachtender Unterschied zwischen der damaligen und heutigen Situation. Damals gab es m Prinzip nur eine Kiche: die römische Kirche. Heute existiert eine unüberschaubare Anzahl an sogenannten „Kirchen“, mit oder ohne verfasstem Bekenntnis. Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass auch Du nicht jeder Gemeinschaft – die dies einfordert – das Recht zugestehst, im Sinne der Schrift „Kirche“ zu sein. Die reformatorischen Kriterien (wahres Evangelium, rechte Sakramentverwaltung [Kirchenzucht]) sind – glaube ich unstrittig.

        Da Du ja bereits auf Deinen Artikel verwiesen hast:

        Calvin kennt offensichtlich sehr wohl ein Spannungsfeld zwischen dem Verlassen des reinen Evangeliums durch die Kirche und der leichtfertigen Spaltung der Kirche durch Kirchenglieder.

        Wenn zentrale Evangeliumsinhalte, wie es die Rechtfertigung wohl sein dürfte, nicht schriftkonform gelehrt werden, schwärmerische respektive extrem-charismatische Einflüsse und offenkundige Irrlehrer in der Gemeinde trotz Gesprächen mit den Ältesten geduldet und gefördert werden, sollte die Schwelle erreicht sein, in der ein Verlassen der Gemeinde gerechtfertigt und sogar gefordert ist.

        Zum Artikel von Sebastian Heck magst Du Dich gerne an ihn perönlich wenden. Einen „schwärmerischen“ Eindruck macht weder er keineswegs.
        LG
        Andreas

        1. Hallo Andreas

          Was zentrale Evangeliumsinhalte wie die Rechtfertigung betrifft: Ich denke mal, dass die zur Zeit Calvins in der römischen Kirche nicht schriftkonform gelehrt wurden, aber dennoch war es ihm wichtig, diese Kirche weder gespalten noch verlassen zu haben. Auch in Galatien hat es ja gerade mit der Rechtfertigungslehre gehappert. Doch Calvin hat sich diesbezüglich deutlich geäussert.

          Es ist richtig, dass die heutige Situation insofern anders ist als damals, als dass es einen Kirchenpluralismus gibt. Daran ist aber mitunter gerade das unreformatorisch leichtfertige Kirchenspalten schuld. Für manche sind halt schon zentrale Evangeliumsinhalte auf dem Spiel, wenn nicht jeden Sonntag explizit und ausdrücklich die doppelte Prädestination gepredigt wird.

          Ansonsten habe ich aber nicht das Bedürftnis, mich wegen des Artikels an Heck persönlich zu wenden. Ich besuche hier deine Seite ab und zu, habe mich mit dieser Thematik auch ausführlich beschäftigt und wollte darum meine Meinung hier hinterlassen. Das Suchen und Zusammentragen von Gründen und Rechtfertigungen, um sich abzuspalten und eine reformatorische Kirche mit reiner Lehre zu gründen, hat für mich aber nach wie vor etwas schwärmerisch unreformatorisches.

          LG, Beni

          1. Lieber Beni,
            vorweg: Ich plädiere weder für willkürliche oder selbstherrliche Neugründungen respektive Abspaltungen, noch für sonntägliche Prädestinationspredigten. Mir ist etwas schleierhaft wie Du darauf kommst. Die von mir angeführte Alternative, steht ja nicht allein im Raum.

            Ich mag mich ja nun irren, stehe keinesfalls so im Stoff wie Du, aber die unbestrittene und berechtigte Sorge Calvins um die Einheit der Kirche und die Bewahrung des Glaubens auf der einen Seite, hat ihn andererseits offenkundig nicht daran gehindert, 1534 mit der römischen Kirche aufgrund der Abweichungen in den Hauptstücken des Glaubens zu brechen, diese zu verlassen – und wie Luther (der den Punkte der Rechtfertigung als den articulus stantis et cadentis ecclesia bezeichnete) auch – die römische Kirche als eigentlich vom Weg des wahren Kircheseins und der authentischen Tradition der Kirche abgewichen zu verstehen. Insofern sah er sein Verlassen der römischen Kirche ja auch nicht als Trennung von der Kirche. Er formuliert dies u.a. so:

            Wir stimmen nicht nur weit besser mit der Tradition überein als Ihr, sondern mühen uns auch um nichts anderes, als eben das alte Gesicht der Kirche endlich wiederherzustellen, das zuerst von ungebildeten und nicht gerade den besten Menschen hässlich entstellt, später vom römischen Papst und seiner Partei schmachvoll verletzt und nahezu vernichtet worden ist (CO 5,395; CStA 1/2, 369)

            Man kann sich demnach m.E. keineswegs auf Calvin als Zeugen berufen und von „Kirchenspaltung“ reden, wenn überlegt wird Gemeinschaften zu verlassen, welche in den Hauptstücken des Glaubens und der verbindlichen Praxis in Lehre und Verwaltung der Sakramente abgewichen ist.

            Lieben Gruß

            Andreas

          2. Hallo Andreas

            Ebenfalls vorweg: Ich habe nie behauptet, dass du für so etwas plädierst. Ich habe mich in meinen Kommentaren überhaupt nicht zu deiner Position geäussert. Dass du nicht für sonntägliche Prädestinationspredigten plädierst, glaube ich dir gerne, das war aber gar nicht mein Punkt. Mein Punkt ist, dass nach den Kriterien von Heck jeder natürlich seine Definition von reinem Evangelium einbringen kann. Was willst du jemandem antworten, der sagt, das reine Evangelium beinhalte die doppelte Prädestination und wenn diese nicht sonntäglich verkündet wird, dann sei das Evangelium nicht klar gepredigt und die Gemeinde sei zu verlassen?

            Dann zur reformierten „Abspaltung“ von der katholischen Kirche. Die Reformatoren wollten nie die Kirche verlassen. Hätten sie sich an die Kriterien von Heck gehalten, dann hätten sie schon früh mit der Kirche gebrochen und die katholische Kirche verlassen. Die Reformatoren wollten aber die katholische Kirche nicht verlassen, sondern reformieren. Ich habe ja schon einiges von den Reformatoren gelesen und kann mich nicht daran erinnern, auch nur eine Passage eines Reformatoren gelesen zu haben, wo er auffordert oder dazu motiviert, die Kirche zu verlassen. Calvin war es sogar wichtig, zu betonen, dass er die katholische Kirche nicht verlassen hat.Er betont in Inst. IV,2,6, dass die Reformatoren nicht die Kirche verlassen haben, genausowenig, wie die Apostel die Synagogen verlassen haben, sondern „dass sie uns mit Verfluchungen und Verwünschungen hinausgetrieben haben“. Für Calvin ist ganz klar, dass es „feststeht, dass wir hinausgeworfen worden sind“. Die Reformatoren haben also nicht aufgrund eines Kriterienkatalogs sich entschieden, die Kirche zu verlassen, sondern sie haben das Evangelium verkündet und sind deswegen hinausgeworfen worden. Das hat natürlich die Frage aufgeworfen: Sind wir jetzt nicht mehr in der Kirche? Und von daher muss man die reformatorische Ekklesiologie verstehen mit den Kriterien der reinen Evangeliumsverkündigung und dem rechten Gebrauch der Sakramente. Es ist die Frage der Hinausgeworfenen, ob sie nun aus der Kirche ausgeschlossen sind. Und sie kommen zum Schluss, dass nicht apostolische Sukzession Kirche konstituiert, sondern das Evangelium in Wort und Sakrament. Da sie aber um des Evangeliums willen hinausgeworfen wurden, können sie in Anspruch nehmen, die wahre katholische Kirche zu sein.

            Wenn man diese ekklesiologische Arbeit der Reformatoren nun umkehrt und anfängt, zu Kirchenaustritten aufzufordern, dann bürstet man das Anliegen der Reformatoren gegen den Strich.

            Zum Schluss nochmals: Das ist keine Kritik an dir. Ich finde, dass du in deinem Blog hier spannende Themen aufgreifst. Und da es eine Kommentarfunktion gibt, wollte ich auf diesem Wege aus meinem Verständnis reformatorischer Theologie heraus zu einem Artikel meine bescheidene Meinung hinterlegen.

            LG, Beni

  4. @Beni
    Den Galaterbrief kann man hier nicht verwenden, nicht in der Art, wie du meinst:
    „Dieses Kriterium von Sebastian Heck scheitert daran, dass es im Widerspruch zu Paulus steht, der im ganzen Galaterbrief nie die Christen Galatiens auffordert, ihre Gemeinden zu verlassen.“

    Der Galaterbrief hat konkrete Adressaten, die u. a. so beschrieben werden:
    „6 Ich muß mich darüber wundern, daß ihr so schnell wieder abfallt (= euch abbringen laßt) von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und euch einer anderen Heilsbotschaft zuwendet, 7 während es doch keine andere (Heilsbotschaft) gibt; nur daß gewisse Leute da sind, die euch verwirren und die Heilsbotschaft Christi (oder: von Christus) verkehren (= verfälschen) möchten.“ (Gal. 1, 6. 7)

    Vielleicht wird es etwas fasslicher, wenn man ein familiäres Bild verwendet.
    Eine Familie, sie nennt ein Haus ihr eigen – dann kommen Pflegekinder, die sich erst später als „fatalen Einfluss“ entpuppen. Die ganze Familie steht nun in Gefahr dem Einfluss dieser Pflegekinder zu erliegen. Diejenigen, die diese Familie kennen, lieben … schreiben Mahnungen, Hinweise – aber wozu? Nur zu dem Zweck, dass die Familie nicht dem verderblichen Einfluss erliegt. Es ist Unsinn, wenn diese „Mahner“ die Familie aufrufen würden, ihr Haus zu verlassen und es den Pflegekindern samt ihren irrigen Ansichten zu überlassen.

    Die Frage wäre dann nicht: Verlassen oder nicht? – die Frage an den Text von S. Heck wäre: Sind seine aufgelisteten Punkte Kennzeichen, die eine Familie (um im Bilde zu bleiben) zwingend haben muss, um überhaupt als „Familie“ erkannt zu werden?

    Ja, und diese Fragestellung wird durchaus kontrovers beantwortet und führt dann natürlich auch zu verschiedenen persönlichen Entscheidungen.
    Wenn der Text erst einmal dazu führt, sich selbst grundlegende Gedanken darüber zu machen, was denn nun diese Heilsbotschaft Christi ist und was eine Verkehrung, dann denke ich ist erst einmal viel gewonnen in Deutschland. Welche Handlungskonsequenzen sich dann daraus ergeben, ist ein Punkt danach. Meiner Ansicht nach, muss man aber erst einmal mit der untersten Stufe der Leiter beginnen und die heißt: Was ist die Heilsbotschaft Christi?

    Anna

    1. Hallo Anna

      Jedenfalls kann Heck sich nicht auf Calvin berufen, wenn er behauptet, Zustände wie in Galatien seien Grund, die Kirche zu verlassen. Denn Calvin selbst benutzt gerade das Beispiel der Galater (und an derselben Stelle auch dasjenige der Korinther), um zu zeigen, dass selbst Zustände wie in Galation keine Rechtfertigung sein können, die Kirche zu verlassen.

      Gruss
      Beni

  5. Hallo Beni,
    ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, was er meint, wenn ich deine Reflektion dazu lese.

    S. Heck schreibt doch:
    „wenn ein »Evangelium« gepredigt wird, das nicht das des Galaterbriefs ist (vgl. Gal 1,7-9), sondern eins, in dem auch unsere Taten und Werke eine Rolle spielen…“

    In Gal. 1, 7 – 9 finden wir: „7 während es doch keine andere (Heilsbotschaft) gibt; nur daß gewisse Leute da sind, die euch verwirren und die Heilsbotschaft Christi (oder: von Christus) verkehren (= verfälschen) möchten. 8 Aber auch wenn wir selbst oder ein Engel aus dem Himmel euch eine andere Heilsbotschaft verkündigten als die, welche wir euch verkündigt haben: Fluch über ihn! 9 Wie wir es schon früher ausgesprochen haben, so wiederhole ich es jetzt noch einmal: »Wenn jemand euch eine andere Heilsbotschaft verkündigt als die, welche ihr (von mir) empfangen habt: Fluch über ihn!«“

    Es ist gut möglich, dass er hier den „Fluch“ im Blick hat. Wer möchte unter einer „Verfluchung“ bleiben? Wohl keiner.

    Du darfst doch nicht vergessen wie der Galaterbrief endet: „14 Mir aber soll es nicht beikommen, mich irgendeiner anderen Sache zu rühmen als nur des Kreuzes unsers Herrn Jesus Christus, durch das für mich die Welt gekreuzigt ist und ich für die Welt. 15 Denn weder auf die Beschneidung noch auf das Unbeschnittensein kommt es an, sondern nur auf eine »neue Schöpfung« (2.Kor 5,17); 16 und alle, die nach dieser Richtschnur wandeln werden: über die komme Friede und (göttliches) Erbarmen, nämlich (oder: das heißt) über das Israel Gottes!
    17 In Zukunft möge mir niemand zu schaffen machen, denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe! – 18 Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geiste, liebe Brüder! Amen.“ (Gal 6, 14 – 18)

    Hört sich das nach einem: „Bleibt unter einer Verfluchung?“ an? Meint Paulus das, wenn er von „Richtschnur“ spricht? Nehme ich nicht an, aber ich nehme eben auch nicht an, dass dieser Brief dein Anliegen unterstützt.

    Letztlich wirst du es nur herausfinden, wenn du S. Heck persönlich fragst und ich denke so unerreichbar ist er gar nicht – als Pastor einer Gemeinde, die eine eigene Homepage unterhält.

    Gruß Anna

    PS: Wenn du dich so auf Calvin berufst, dann empfehle ich dir einen ganz persönlichen Einblick in die Denkweise eines Calvin, nämlich über seine handschriftlichen Briefe, zu lesen hier: http://glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:c:calvin:b._aus_dem_buch_von_rudolf_schwarz

  6. @ Beni
    Irgendwie verstehe ich das Ganze mal wieder nicht. Du wolltest einen Kommentar schreiben. Mir steht der Sinn auch weniger nach Diskussion. Aber, dass dein Kommentar Reaktionen erzeugt, ist doch verständlich:

    Wenn du schreibst:
    „Mein Punkt ist, dass nach den Kriterien von Heck jeder natürlich seine Definition von reinem Evangelium einbringen kann.“ – dann verstehe ich nicht, ob du S. Heck wirklich ernst nimmst in dem was er sagt.
    Für S. Heck ist sicher eine willkürliche Definition von Evangelium ausgeschlossen. Jeder kann sich hier gar nicht wieder finden.

    Wenn du an Andreas schreibst: „Was willst du jemandem antworten, der sagt, das reine Evangelium beinhalte die doppelte Prädestination und wenn diese nicht sonntäglich verkündet wird, dann sei das Evangelium nicht klar gepredigt und die Gemeinde sei zu verlassen?“
    Das geht doch am Text von S. Heck total vorbei.

    Mir ist bspw. überhaupt nicht bekannt, dass in der Gemeinde von S. Heck sonntäglich die doppelte Prädestination gepredigt wird. (Predigten in der Gemeinde können auf der entsprechenden Homepage verfolgt werden – Transparenz liegt also vor.)

    Was S. Heck mit „falsch“ meint, ist doch klar zu lesen hier: (ich hatte es auch noch einmal zitiert!): „…sondern eins, in dem auch unsere Taten und Werke eine Rolle spielen…“
    Außerdem betont er hier noch einmal: „wenn in der Gemeinde, in die ich Woche für Woche gehe und wo ich Mitglied bin, nur ab und zu das Evangelium (das heißt das, was Jesus Christus objektiv und tatsächlich in der Geschichte zur Erlösung der Seinen getan hat) gepredigt wird…“
    Dass die doppelte Prädestination hier eine herausragende Rolle spielen würde, wäre für das Beispiel S. Heck schon an den Haaren herbeigezogen bzw. gänzlich in den Text hinein geschoben.

    Damit will ich nicht behaupten, dass der Text nicht kritikwürdig wäre – aber dein Kritikpunkt hier ist doch konstruiert und entbehrt einer realen Basis.

    Anna

    PS: Calvin war nicht nur Theologe am „sterilen“ Tisch – sondern auch ein großer Seelsorger und exemplarisch möchte ich diesen Brief von ihm hier verlinken:
    http://glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:c:calvin:553
    (Jean Calvin – An Goswin Zewel in Speyer.
    Goswin Zewel von Aachen hatte in Bourges studiert und sich dort der evangelischen Gemeinde angeschlossen, deren Pfarrer Martin de Hargons ihn und einige Freunde auf die strengen Gebote calvinistischer Sittlichkeit verpflichtet hatte. In die Heimat zurückgekehrt, fragt er nun Calvin, den er auf der Durchreise in Genf kennen gelernt hatte, wie sie es damit in ihrer katholischen Umgebung zu halten hätten.
    Gutachten über das Verhalten Evangelischer unter Katholiken.)

    Es kann doch nicht dein Ernst sein, dass Calvin bspw. andere auffordert, den Märtyrertod zu sterben, weil sie so lange in der „Kirche“ bleiben sollen bis sie rausgeschmissen oder getötet werden. Dieses Calvin-bild ist doch eine Erfindung. Calvin fordert durchaus Andere zur Auswanderung aus. Gut, das passt jetzt nicht in unsere Situation, weil es damals um mehr ging als um einfach mal regional die „Kirche“ zu wechseln oder eine neue zu gründen. Damals ging es durchaus um Leben oder Tod.

  7. Hi Beni,
    hab Dich wohl teilweise missverstanden. Aber vielleicht geht Dir das mit S. Heck ebenso. Hast Du seinen Artikel vollständig gelesen, oder nur das Zitat bei mir?

    Denn natürlich hat S. Heck auf der einen Seite ausdrücklich die Schwärmer im Blick, ebenso jedoch die reformatorischen Kriterien dessen, was Kirche überhaupt ist. Nicht jede, sich „Kirche/Gemeinde“ nennende Gemeinschaft tut dies zurecht. Ist man in einem solchen Fall d.E. tatsächlich gehalten dennoch dort zu verweilen? Es geht S. Heck, so verstehe ich ihn, oder mir, keineswegs um einen Aufruf zum massenhaften Exodos aus den Gemeinden und Kirchen, sondern vielmehr darum, dass wenn alle Mittel des einzelnen Gläubigen gegenüber einer Leiterschaft ausgeschöpft sind, dieser und seine Familie jedoch beginnen Schaden zu nehmen, aber aus (eventuell falsch verstandenem) Gehorsam in dieser Gemeinde ausharren, zu prüfen, ob es nicht u.U. sogar gefordert ist diese Gemeinschaft zu verlassen.

    Du beziehst Dich, nicht zu Unrecht, auf die Reformatoren. Würde Deiner Meinung nach ein M. Luther, oder ein J. Calvin also heute in einer schwärmerischen Gemeinde bleiben, oder diese verlassen? Würden sich diese an Veranstaltungen beteiligen, in denen hörendes Gebet praktiziert wird, Seminare für Mitarbeiter akzeptieren, welche von Personen aus der Glaubensbewegung stammen und Kinder zu Evangelisten ausgebildet werden sollen, an seichten Abendmahlsexperimenten teilnehmen etc.pp.? Ich bin überzeugt, sie würden für das Evangelium Stellung beziehen. Wenn nun aber die Leiterschaft jegliche geistliche Strömung toleriert, vorsichtige, direkte Anfragen jedoch als störend bezeichnet und nicht mehr beantworten will… meinst Du, ein Luther würde dort bleiben?

    Vielleicht soweit erst mal.
    Liebe Grüße
    Andreas

    1. Hallo Andreas

      Habe damals wohl aus den Augen verloren, dass du hier noch Fragen gestellt hast, da mir auch die zeitliche Kapazität gefehlt hat, die Diskussion weiterzuführen. Ich möchte sie jetzt auch nicht erneut aufgreifen, halte es aber mindestens für höflich, auf die offenen Fragen noch eine Antwort zu geben:

      Zuerst: Ja, ich habe den ganzen Artikel von Heck gelesen und bin nach wie vor nicht glücklich damit. Meinem Empfinden nach ist er nicht in dem Geiste verfasst, in welchem Calvin sich mit der Frage von Kirchenspaltung auseinandersetzt. Natürlich kann ich mich irren.

      Zweitens: Ich habe keine Ahnung, was Luther in einer schwärmerischen Gemeinde machen würde. Der ganze Geist, sich ständig zu trennen, wenn man nicht einverstanden ist mit einer Kirche, hat ja in der evangelischen Landschaft zu so einer unüberschaubaren Flut an Gemeinden geführt, dass die Frage sehr viel komplizierter ist als zur Zeit Luthers. Wo ich zumindest ziemlich sicher bin, ist, dass weder Luther noch Calvin heute aufgrund einer Unzufriedenheit mit einer schwärmerischen Gemeinde eine 1001. Gemeinde gründen würden, die sich dann „reformatorische Freikirche“ oder „Westminster Bekenntnisgemeinde“ oder was auch immer nennen würde, sondern dass beide eher zurückkehren würden zu einer bereits existierenden Kirche, selbst wenn auch dort nicht alles so ist, wie sie es sich vorstellen würden.

      So, das ist noch eine von meiner Seite aus abschliessende Bemerkung zu dieser Diskussion hier.

      Liebe Grüsse
      Beni

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