Antwort auf Dr. Brown (In the line of fire) und seiner Kritik an der Strange Fire Konferenz

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In einem, nach eigenen Angaben zig-tausendmal geteiltem Artikel (hier), richtet sich Dr. Michael Brown, Radiomoderator eines christlichen Radio-Brodcasts, an Pastor J. MacArthur bzw. reagiert auf dessen Buch und gleichnamige Konferenz „Strange Fire“ (hier).

Solche Reaktionen waren zu erwarten und sind im Hinblick auf eine notwendige Debatte über das Phänomen der Charismatischen Bewegung/Pfingstbewegung bzw. der „Cessationism vs. Continuationism“ Kontroverse, ausdrücklich zu begrüßen.

Ohne seine Sichtweise zu begründen, setzt Dr. Brown bereits zu Beginn seines Artikel, die in Frage stehenden Phänomene- innerhalb der charismatisch-pfingstlichen Bewegung- mit dem biblisch überlieferten Wirken des Heiligen Geistes gleich. Es sind genau solche Verfahrens- und Argumentationsweisen, welche von cessationalistischer Seite fundamental kritisiert werden. Phänomene wie Glossolalie, Heilungen und andere Vorkommnisse lassen sich verifizierbar religions- und kultübergreifend beobachten. Das Vorhandensein solcher Phänomene im gemeindlichen, respektive christlichen Kontext, bedarf grundsätzlich einer schriftgemäßen Begründung. Eine solche liefert Dr. Brown jedoch nicht.

Er kritisiert die „Brandmarkung“ der charismatisch-pfingstlichen Bewegung als „falsche Kirche“, „gefährlichen Kult“ bzw. „Häresie“. Diese Kritik ist ernstzunehmen und auf der einen Seite nachvollziehbar. Im Sinne jeder fruchtbaren Debatte, ist es nicht hilfreich, bereits zu Beginn ein abschließendes Urteil zu fällen. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass die Debatte nicht erst mit dem Erscheinen dieses Buches bzw. Ankündigung der nun stattfindenden Konferenz begonnen hat. sondern bereits hundert Jahre alt ist.

Sein Vorwurf, J. MacArthur lehne das heutige Zeugnis des Wortes Gottes respektive Wirken des Heiligen Geistes ab, ist eine ebenso harte Aussage, wie die Aussage, die charismatisch-pfingstlichen Phänomene, seien keine Wirkungen des Heiligen Geistes und nicht vereinbar mit dem Zeugnis der Schrift. Seine Bitte, Gott möge J. MacArthur vergeben, klingt vordergründig fromm, stellt jedoch- in der Form öffentlich geäußert- nichts anderes als einen versteckten Angriff dar.

Ein weiterer- nicht berechtigter Vorwurf Browns ist der, J. MacArthur nehme eine ganze Bewegung in Kollektivhaft für die Verirrungen einer Minderheit. Es ist im Gegensatz absolut berechtigt, eine Bewegung für Irrtümer und Verirrungen in den eigenen Reihen zu kritisieren. Diese steht, im eigenen Interesse, in der Verantwortung Fehler, Fehlentwicklungen und Versäumnisse zu korrigieren. Dies geschieht jedoch leider viel zu selten und wenn, dann oft nur halbherzig bzw. inkonsequent. Es sind- im Gegensatz zu Dr. Browns Behauptung leider keine Fehlinformationen oder Übertreibungen, das im Namen des Heiligen Geistes tagtäglich falsche Prophetien und Lästerungen Gottes ausgesprochen werden. Dies muss thematisiert werden, wenn nicht von den Leitern der pfingst-charismatischen Bewegung, dann von anderen.

Fakt ist: Entweder irrt der Cessationism oder der Continuationism. Und damit wird entweder das Zeugnis der Schrift respektive Wirken des Heiligen Geistes geleugnet oder verfälscht. Wer von beiden auch immer recht hat, die Feststellung, das dafür „die Worte fehlen wie schmerzhaft dies ist“ ist berechtigt, wenn auch unzureichend.

Dr. Brown führt fünf Argumente ins Feld auf die ich kurz eingehe:

  1. Bizarre, unbiblische Praktiken seien die Ausnahme. Diese Wahrnehmung mag aus Sicht des Continuationism nachvollziehbar sein, aus cessationistischer Sicht ist sie es nicht. Jede Prophetie, jedes Wort der Erkenntnis, jede Zungenrede im Namen Gottes ist aus cessationistischer Sicht unbiblisch und ja, auch bizarr, die angeführten Extreme sogar offenkundig blasphemisch.
  2. Der Vergleich der Situation in Korinth mit den modernen Phänomenen des Continuationism verkennt erstens, dass dies aus cessationistischer Perspektive unzulässig ist, da man die Übereinstimmung mit den biblischen Charismen und damit deren Echtheit ablehnt. Zweitens ist der Vorwurf, ein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen den Skandalen respektive dem Umgang mit denselben und dem wirksamen Geist sei nicht herstellbar m. E. nicht berechtigt. Dies aus dem Grund, dass wenn sich die Phänomene nicht auf das Wirken des Heiligen Geistes zurückführen lassen, das Wirken des Heiligen Geistes dadurch sogar auf unbiblische Weise nachgemacht wird, dieser zumindest daran gehindert wird den jeweiligen Menschen zur Umkehr zu führen. 
  3. Der Vorwurf eines zu „laxen Umgangs mit der Schrift“ gegenüber der Pfingst-/Charismatischen Bewegung gründet schlicht auf dem genuin reformatorischen Sola-Scriptura Verständnis des Cessationism: Die Schrift allein! Der Heilige Geist hat nach diesem Verständnis durch die Vorsehung die Texte und Schriften erhalten und zusammengestellt. Die Schrift allein ist demzufolge die einzige, unfehlbare Quelle schriftlicher und mündlicher göttlicher Offenbarung, die allein einzige das Gewissen binden darf. Die Bibel allein lehrt alles, was zur Rettung von Sünde nötig, der Standard, an dem alles christliche Verhalten gemessen werden muss und von woher Leitung für das persönliche Leben erwartet werden kann. Der Heilige Geist spricht niemals unabhängig von oder gegensätzlich zu den Inhalten der Bibel, persönliche geistliche Erfahrungen, Stimmen oder ähnliche können niemals Mittel der Offenbarung sein.
    Dem widerspricht das Sola Scriptura Verständnis des Continuationism, bei dem je nach Ausprägung, es von der erwarteten “persönlichen Führung” bis hin zu der regelrechten Anmaßung sogenannter “Propheten”, welche für Personen, Gemeinden und gesamte Länder “Offenbarungen” erhalten, geht. In dem Extrem, welches eben schlicht die logische Konsequenz und Folge darstellt, steht die aktuelle Offenbarung sogar neben oder über der historischen Offenbarung.
  4. Es ist in der Tat nicht richtig, das 90% der Pfingst-/Charismatischen Bewegung faktisch zur Wort des Glaubens Bewegung (mit indiskutablen Irrlehren) gehören bzw. einem Wohlstandsevangelium folgen. Fakt ist jedoch auch, dass bspw. die Überzeugung, Gott heile auch heute noch regelmäßig, auf spektakuläre, übernatürliche Weise eine starke Tendenz in die Richtung der vorgenannten Bewegungen darstellt.
  5. Damit kommen wir zu einem entscheidenden Punkt: Dem Wesen wahrer Anbetung Gottes! Ohne dies hier weiter zu behandeln: diese hat- vorsichtig ausgedrückt- äußerst wenig mit „neuen, kraftvollen Lobpreisliedern oder langwährenden Versammlungen“ zu tun!

Abschliessend: Ein Debatte dieser Thematik ist und bleibt notwendig. Allerdings ausschließlich auf Grundlage des Wortes. Ich erhoffe mir von dieser Konferenz einen inhaltlich konstruktiven Beitrag. Und danach erhoffe ich mir eine gleichermaßen konstruktive Antwort seitens des Continuationism.

sdg

Andreas

Update: So tragisch wie nicht unerwartet: Nicht lange nach seiner Kritik hat DrBrown die oben angeführten extremen „Minderheit“ (Benny Hinn) hoffiert d. h. dieser einen Persilschein ausgestellt. 

„I just recorded five wonderful TV shows with Benny Hinn on Jesus in the OT, repentance, holiness, the fear of the Lord, and hyper-grace. They’re scheduled to air the week of January 13th, so watch them and then share your thoughts.“ (Quelle)

5 Kommentare

  1. Vielen Dank Andreas,

    Die Antwort is gut durchdacht und zeigt die schwache Argumentation von Dr. Brown auf.
    Ich fand seinen Artikel auch nicht überzeugend, da er nur behauptet, was MacArthur sagt und ihn nie wirklich zitiert. Er führt Satzfetzen an, aber gibt keine Quellenangabe.

    Vielen Dank nochmal

    Johannes

  2. Ich war eine Studentin an Dr. Brown seiner Schule und kann ihnen versichern das er für alles was er geschrieben hat schriftliche und gründliche Dokumentation hat. Und ich bin mir auch sicher das Dr. Brown einen Anruf von ihnen bei seiner Radio Show willkommen heißen würde um dieses Thema zu diskutieren. Ich kann dieses Thema mit ihnen nicht debattieren, aber ich möchte sie ermutigen seine Radio Show anzurufen und direkt mit ihm zu sprechen.

    1. Hallo Bianka,
      habe meinen Artikel im Kommentar-Bereich von Dr. Brown verlinkt. Er kann,bei Interesse, gerne darauf antworten. Allerdings reichen meine Englischkenntnisse nicht für eine Diskussion im Radio.
      LG, Andreas

  3. Auch innerhalb der charismatischen Bewegung gibt und gab es Kritik; ich will hier nur David Wilkerson, Derek Prince und Hartwig Henkell nennen(die beiden ersteren schon verstorben). Man könnte sich mal auf Youtube „Hure oder Braut“ von Hartwig Henkell anschauen.
    Mal interessehalber: Wie interpretiert man als Cessasionist den Bibelvers: „Jesus Christus, derselbe gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit:“ Hebr.13,8

    Habe jetzt den Radiobroadcast von Dr. Brown mir nicht zu Gemüte gezogen, habe aber mehrere Bücher von ihm gelesen, z.B. „Wo ist nur die Kraft Gottes geblieben“, „Wie erlöst sind wir wirklich?“, in denen er seinerseits Kritik an der charismatischen Bewegung übt. Allerdings nicht mit der Thematik bizarre Phänomene.

    1. Hallo Heike,
      Habe Bücher von allen drei Genannten gelesen und Hartwig Henkel oft in seiner- damals noch Philadelphia-Gemeinde genannten- Gemeinde predigen hören. Bin selbst Sohn eines (bereits verstorbenen) Ältesten einer Pfingstgemeinde. Will sagen, ich weiß was ich kritisiere.

      Zu Deiner Frage: In welcher Beziehung steht dieser Bibelvers mit den kritisierten charismatischen Phänomenen?
      sdg
      Andreas

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