Wie halt ich’s mit dem Weihnachtsmann?

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Kindlicher Glaube
1897 stellte ein kleines Mädchen aus New York eine bis heute – für Kinder wie Eltern – gleichermaßen brisante Frage: „Gibt es einen Weihnachtsmann?“ Die achtjährige Virgini O’Hanlon schrieb sogar einen Brief an die Zeitung „Sun“.

„Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ,Sun‘ steht ist immer wahr. Bitte, sagen sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“

Die Antwort eines bekannten Journalisten dieser Zeitung fiel – den Glauben des Mädchens – bestätigend aus und wurde bis 1950 – dem Einstellungsjahr der „Sun“ ­jedes Jahr erneut zu Weihnachten abgedruckt.

2010 auf Klassikradio, der Moderator erzählt eine Geschichte:

„…am Vorabend von Heiligabend fragen die Kinder ihren Vater, ob dieser denn dieses Jahr mit in den Weihnachtsgottesdienst käme. Er verneint mit dem Hinweis, dieser sei doch immer so langweilig. Nächsten Tag überrascht der Vater seine Kinder und macht sich mit der ganzen Familie auf den Weg zur Kirche. Nach einer Weile, fällt der Mutter ein, daß sie vergessen habe ein paar Sachen einzupacken. Sie kehrt um. Der Vater und seine Kinder gehen allein zur Kirche. Nachdem sie zurückgekehrt sind, klopft es wenig später und der Weihnachtsmann steht vor der Tür. Der sieht dieses Jahr jedoch anders als die vorherigen Jahre aus. Kleiner, dünner und unter der Perücke blitzt eine Haarsträhne – wie von der Mutter –  hervor…“

Der Moderator resümiert, daß langweilige Gottesdienste zu Heiligabend die Vorfreude auf Weihnachten und den Weihnachtsmann steigern würden.

So manche gläubige Eltern stellen sich Jahr für Jahr die Frage: Wie halt ich’s mit dem Weihnachtsmann? Unterstütze ich den kindlichen Aberglauben an diese Figur, um diese dann später als Märchengestalt auffliegen zu lassen? Andere Eltern und „Wohlmeinende“ wiederum, halten bereits eine solche Frage für gesetzlich, extrem oder sogar verdächtig nach Wachturm und damit sektiererisch klingend.

Alte oder neue Tradition?
Weihnachten: das Fest der Familie, der Liebe und der Geschenke. Fast schon traditionell bringt die doch, in der westlichen Welt, der Weihnachtsmann. Aber halt! Bis vor nicht allzu langer Zeit war dies dem Nikolaus, in eher katholisch geprägten Gegenden, am 06. oder 28. Dezember oder dem Christkind, am 25. Dezember bei den Protestanten, vorbehalten. Die Protestanten hatten, in Ablehnung der katholischen Heiligenverehrung, seit der Reformation von dem Brauch abgesehen und den
Nikolaus durch den „Heiligen Christ“, aus dem das Christkind wurde, ersetzt.

Von einer alten Tradition des Weihnachtsmannes kann also keine Rede sein. Im Gegenteil! Bei der Entstehungsgeschichte dieser recht jungen Tradition laufen unterschiedliche, teils widersprüchliche Stränge zusammen. Für den Münchener „Nikolaus-Forscher“ Manfred Klauda geht der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann weit über einen begrifflichen hinaus.

„Der Weihnachtsmann ist eigentlich nur ein kulturgeschichtliches Abfallprodukt des Nikolaus'“, Klauda.

Kommerz und Konsum
Zwar sind und bleiben hartnäckige Gerüchte, Coca Cola habe den Weihnachtsmann als Werbefigur erfunden, eben Gerüchte, nichtsdestotrotz existiert diese Figur belegter Weise erst seit dem 19. Jahrhundert. 1821 schrieb der New Yorker William Gilley ein Gedicht namens „Santaclaus“, über einen, ganz in Fell gekleideten und auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten fahrenden, Mann. Ein Jahr später erschien, wahrscheinlich von Clement Clark Moor, ein weiteres Gedicht „Twas the night before Christmas“, welches ebenfalls den „Santaclaus“ zum Thema hatte und diese Gestalt, um weitere Details ausschmückte.

Wenn nun Coca Cola den Weihnachtsmann auch nicht erfunden hat, an der weltweiten Verbreitung und kommerziellen Ausschlachtung dieses Phänomens besitzt das Unternehmen einen maßgeblichen Anteil. Seit 1931 verwendet das Unternehmen die Figur des Santa Claus alle Jahre wieder für ihre Werbung. Heute steht Coca Cola damit nicht mehr allein. Der Kinderglaube an den Weihnachtsmann dient, von Filmen und Fernsehserien befördert, vor allem dazu, jedes Jahr Geschenke in Form von Kinderspielzeug zu verkaufen. Das Weihnachtsgeschäft spült Milliarden in die Kassen der Unternehmen.

Heiligenverehrung
Die Wurzeln dieser relativ modernen Figur sind jedoch tatsächlich älter. Ein weiterer Strang läßt sich, wie bereits anklang, auf die ebenfalls bekannte Person des katholischen Heiligen und Schutzpatron der Kinder, Nikolaus von Myra, einem Bischof aus dem 4. Jahrhundert, zurückführen. Von diesem hat der Weihnachtsmann in den USA auch seinen Namen. Aus Sinterklaas wurde über Saint Claus schließlich Santa Claus.

Von diesem gab es zusätzliche Impulse für das Erscheinungsbild und Auftreten des Weihnachtsmannes. Auch Aspekte seines Widerparts, Knecht Ruprecht flossen mit ein. In den verschiedenen Regionen Europas, West- und Ost-, existieren diverse ähnliche Sagengestalten (u.a. Väterchen Frost, Krampus etc.), die jedoch mit der Zeit durch den globalisierten Weihnachtsmann immer weiter zurückgedrängt bzw. in diesen „integriert“ werden.

Heidnische Überlieferung
Eine weitere, bärtige Sagengestalt mit Pelzmantel aus dem hohen Norden Europas, der die Menschen zu Beginn des Winters mit Nüssen und einer Rute auf einem Rentierschlitten aufsuchte, geht zurück auf den nordischen Gott Odin bzw. Baldur. Der Grafiker, Haddon Sundblom, der die erste Werbefigur für Coca Cola entwickelte, war skandinavischer Herkunft. Es ist wahrscheinlich, daß er von dieser Legende nicht unbeeinflußt geblieben ist.

Alles in allem ist festzustellen, daß in der Figur des Weihnachtsmannes sowohl Aspekte katholischer Heiligenverehrung, verschiedener heidnischer Überlieferungen sowie immer mehr im Vordergrund, der Kommerz zusammenkommen.

Verzicht oder Freiheit?
Sollten Gläubige daher auf diese Tradition verzichten? Ein explizites Verbot existiert nicht, und der Grundsatz der Freiheit des Glaubens bleibt bestehen. Gleichermaßen jedoch auch die Frage, ob alles was erlaubt auch gut für uns – und in diesem Fall für unsere Kinder – ist.

Generell ist zu sagen, daß selbst das Weihnachtsfest als solches keine biblische Begründung kennt. Der Sonntag als Auferstehungstag dagegen ist seit der Apostelzeit überliefert. Es steht also letztlich jedem Gläubigen frei, Weihnachten zu feiern oder nicht. Entscheiden sich Gläubige dazu, sollte jedoch bedacht werden, was damit bezweckt werden soll.

Gegen schöne Familienabende mit gemütlicher Atmosphäre, festlich geschmückter Wohnung, Kerzen, ja selbst Geschenken ist nichts einzuwenden. Wenn dazu noch die Gelegenheit genutzt wird, die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn, Jesus Christus zu feiern, umso besser.

Lüge oder Wahrheit?
Fraglich ist jedoch, wenn gläubige Eltern erst abergläubischen Samen säen und diesen später wieder herausreißen. Selbst wenn die Gnadenwahl Gottes davon unberührt bleibt, kann es zu Irritationen und nichtabsehbaren Hindernissen bei der Entstehung biblischen Glaubens aufgrund des verkündigten Wortes kommen.

Die Grundlage stabilen Glaubens, wird in der anhaltenden Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums geschaffen. Nicht wenige Gläubige leiden unter Defiziten und Zweifeln in ihrem Glaubensleben, weil es bereits an der täglichen Andacht in der Familie gemangelt hat. Die wiederkehrende Vermittlung eines heidnischen, heiligenverehrenden bzw. konsumorientierten Glaubens im Kindesalter wirkt sich sicher nicht positiv aus.

Auch das Vorbild der Eltern leidet. Wird die Eingangs gestellte Frage eines Kindes, ob es denn einen Weihnachtsmann gebe, über Jahre hinweg mit einem „ja“ beantwortet und die Kinder erfahren später von den Eltern selbst oder anderen, daß dies eine Lüge war, stellt dies eine Enttäuschung dar. Ein hartes Urteil, sicher, aber dennoch wahr.

Zudem: Kindern und Eltern werden durch den Weihnachtsmannglauben gemeinsame Erfahrungen vorenthalten. Kinder lernen nicht, den Eltern für das dankbar zu sein, was diese ihnen schenken. Eltern wiederum erhalten diese Dankbarkeit nicht in dem Maße, wie es ihnen zukommt. Darüber hinaus entsteht nicht der Raum bzw. die Möglichkeit dem Geber, aller guten Gaben, Dankbarkeit entgegen zu bringen.

sdg

Andreas Schnebel

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